Ausgabe 
14 (6.8.1854) 32
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solche zu haben, die der Sünde dienten. Als er bereits im hohen Greisenalter standund seine Leute um einen Nachfolger besorgt waren, vertröstete er sie auf die Ankunftdes Utto , die auch wirklich bald erfolgte. Bald darauf starb der selige Gamelbert,mit allen heiligen Sterbsacramenten versehen, am 17. Januar und Utto folgte ihmnach erhaltener Priestcrweihe im Amte nach. Weil jedoch einige der heidnischenGottlosigkeit zu sehr ergeben (vum c>uc,runclam snimis sltius »clnaererent.likrss pagans«; impietatis) waren *), als daß sie dem Dienste der falschen Götzenentsagt hallen (quam ut a clgemonum cultu clesciscerent), so legte Utto, nicht sofast auS Uebervruß an der Arbeit, als vielmehr aus Liebe zur Einsamkeit und zumbeschaulichen Leben, die Bürde der Seclsorge nieder, setzte über die Donan und bautesich eine Biertelstunde von Metten in dichtem Urwald eine kleine, ärmliche Hütte.Hier lebte er, von Niemanden gekannt, bis einstens der Kaiser Carl der Große inder Gegend ja^te und dabei auf den frommen Einsiedler stieß. Als Utto den Kaiserund sein Gefolge erblickte, legte er das Beil, mit welchem er den Wald lichtete, weg,und Carl sah mit Erstaunen, wie dasselbe von einem Sonnenstrahl in der Höheerhallen wurde. Carl erkannte sogleich in diesem Wunder ein Zeugniß, welches Gottvon der Heiligkeit seines Dieners Utto ablegte, und er sagte daher zu demselben, ermöchte sich von ihm eine Guade, welche er nur immer wolle, auSbitten. Utto warfsich bei diesen kaiserlichen Worten auf die Erde und flehte um die Erlaubniß, in dieserGegend ein Mönchskloster mit einer dem Erzengel Michael geweihten Kirche zu erbauen,und er erhielt von dem frommen Kaiser nicht bloß Grund und Boden, sondern auchdas zur Stiftung nöthige Geld So entstand eine Stunde von Deggendorf daS Klo-ster Metten , welches bald zu jener Höhe des Besitzes und der Tugendhaftigkeit heran-wuchs, in der man eS heute (d, h. vor zweihundert Jahren) sieht."

Diese Erzählung Adlzreilers ist die ausführlichste, die irgend ein Geschichtschreibervon den seligen Männern Gamelbert und Utto und von der Gründung deS Klo-sters Metten gibt, und sie ist zugleich diejenige, mit der alle andern Geschichtschreiberganz übereinstimmen. Der Jesuit Brunuer <>nngl, Loio. <Ärt. II. p. 20 Ir-mcos.1710) stimmt mit jener Erzählung fast wörtlich, Joh , Aventin Onnsl, Kosorum.I., IV. e. 4. p. 294), WiglileauS Hund (Uetrop. SalisburZ, ?om, II. p. 501),Caspar BruschiuS (Uonasteriol, tüentur, II. 1692 p. 20) und Anvere stimmen demInhalte nach genau mit derselben überein. Auch daö Bolk in der Gegen» von Metten hat die Ueberlieferung von dem Siedler am Utlosbrnnnen, von der Jagd deS großenFrankenfürsten, von dem Wunder mit dem Beile und alle diese Umstände der Slif-.tung treu bewahrt bis auf den heutigen Tag, und Dr. A. Schöppner hat die Erzäh-lniig in sein .,Sagcnbuch der bayr. Land^" (B. I. S. 29) aufgenommen. Metten istalso, wie auS der urallen Volksüberlieferung, auS den ältesten Urkunden deS SlifteSund auS den übereinstimmenden Nachrichten der Geschichtschreiber gewiß ist, eine Stif-tung Carls deS Großen und Heiligen, es ist das einzige Kloster, welches dieser Kaiserin Bayern gegründet hat, und ich glaube diesen ersten Artikel nicht besser schließen zukönnen, als indem ich den Lesern eine curivse Schilderung des großen Stifters diesesKlosters auS einer Mellcner Handschrist vom löten Jahrhundert (sie führt den TitelPassional der Heiligen" und ist enthalten in deS gelehrten Mettener ConventualcnPater Gregor Geyer profnnderAbhandlung über ein seltenes Siegel Ludwigs deSDeutschen" in denAbhandl. d. ch.-b. Akad. d. Wissensch." VII. Bd. 1772. S. 326)mittheile, welche also lautet:

Kaiser Charlan was (d. h. war) eines herrlichen LeivS, was seiner Schucchacht langt, die allcrlengst waren, und het groß Arm und Pain, und was stark undhet ein Antliz, des wag andcrthalben Spang langk, und het ain Part, deS was ainSchnechS langk, und helt ain Nasen, die waS eines h.ilben SchuechS langk, und sein

*) Dieser für Bayerns älteste Cultur- und Kirchcngeschichte so hochwichtige Umstand, diesesVorkommen heidnischen GräuelS in Bayern gegen das Ende des achten Jahrhunderts, scheint bishernie recht beachtet worden zu seyn.