Ausgabe 
14 (13.8.1854) 33
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Sie werden, hochgeehrte VereinSbriider, in diesem Gedeihen unser? geringenWirkens eine Erfüllung der Verheißungen des Gottinenschen erkennen, der auch hierinnur seine Kirche, welche er hieniedeu an seiner Statt zum Schutz und Trost derAriiien eingesetzt hat, verherrlichen will.

Freuen wir nnS daher im Gefühle der Demuth, unserer, der von vielen ihrerKinder verkannten Mutter dienen zu können, und danken wir mit ihr für den Beistanddes Himmels, der unser schwaches Bemühen gckräftiget und gesegnet hat.

Dank auch jenen katholischen Männern Frankreichs , die, groß und fromm wiedie BossuetS nnd FenelonS, das Sühnopfer auf den Altar ihres Vaterlandes trugenund die ersten Steine zum Tempelbau christlicher Barmherzigkeit sammelten.

Sie hatte der Geist Gottes erfüllt, daß sie das Elend der Gesellschaft bis indie Tiefe seines Wesens geschaut und Hilfe gesucht, ivo Sein Wort ist: Ich werdebei euch bleiben bis an's.Ende der Zeiten.

Im Kreis der Kirche ist der Mittelpunct des innern Lebens der Verbrüderungdes heiligen Vmcenz von Paul; dort empfangen wir die Heiligung, Stäikung unddaS katholische Bewußtseyn, welche sie für unsere Mission befähigen.

Außen aber in der Welt ist die Armuth; da der Acker, wo die reiche Saat desUnkrauts wuchert und der gute Samen ausgeworfen werden soll. In der Welt, inden Verhältnissen der Gesellschaft kann der Blick des Hilfebringenden leicht sich ver-irren. Unsere Zustände find nickt so einfach und durchsichtig wie vor Alters; nichtselten deckt eine schmucke Verhüllung den innern Schmntz, und niemals war man soweit in der Kunst, die Lüge unter dem Schein der Wahrheit zu verstecken.

Die allgemeinen Erscheinungen in der Gesellschaft geben häufig einen Fingerzeigzur Deutung der Zustände in der Familie; hier und dort tritt aber die Bedeutung derreligiösen Frage von Tag zu Tag mehr in den Vordergrund.

ES war bei dieser feierlichen Veranlassung, daß Ihnen, meine Herren! diegenannte Frage innerhalb ihrer Beziehungen mit dem Geiste und den Zwecken unsersVereins in den gegenwärtigen Betrachtungen vorgeführt wurde.

Ein Gedenkblatt aus der Geschickte dcS erst philosophirenden, dann frech läng-nenden nnd umstürzend-n MenschenpeisteS sollten sie das Charakterbild entrolleneines anS der Revolution erwachsenen Geschlechts; sie sollen warnen vor den Gefahrender religiösen und dadurch unser Volk bedrohenden nationalen Verflachung; sie sollenaber auch Zeugniß geben von der Gewalt der in unserer von Gott gesetzten Kirchewohnenden Liebe und von der Lebenskraft der Pflanzungen, welche ihrem Mutter-schooße entsprießen.

Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Ntederbayern.

II.

Haben wir im letzten Artikel von dem Gründer deS Klosters Metten gehandeltund dabei wegen der völligen Uebereinstimmung aller Nachrichten leichte Arbeit gehabt,so ist die Bestimmung des Jahres der Stiftung, womit wir uns heute vorzugsweisebeschäsiigell, weaen der großen Divergenz in den Angaben der Geschichtschreiber umso schwieriger. Dennoch glaube ich, daß auch iu diesem Labyrinthe widersprechenderBehauptungen eine aufmerksame, überlegte Erwägung und Vergleichung der verschie-denen Angaben bald den Ariadnefaden an die Hand geben werde, der nnS auf sichcremund kurzem Wege zur Wahrheit geleite. Vor Allem müssen wir unS bei dieser Un-tersuchung wieder ins Gedächtniß rusen, was wir im vorigen Artikel berichtet, daßnämlich Kaiser Carl der Große selbst in die Gegend von Metten gekommen, wo eraus der Jagd den heiligen Ulto getroffen und ihm Erlaubniß und Mittel zum Baueeines Klosters gegeben habe. Da wir nun aus dem Leben des großen Kaisers wissen,daß er im Jahre 792 zum ersten Male in diese Gegend kam, so hätten wir in demJahre 792 den einen Markstein, vor welchen die Gründung des Klosters nicht ver-legt werden kann. Carl der- Große hatte nämlich das Weihnachtsfest 791 in WormS