Ausgabe 
14 (13.8.1854) 33
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gefeiert und da beschlossen, mit größerer Macht, als bisher geschehen, den Feldzuggegen die in daS Reich eingefallenen Avaren zu eröffnen und diese ewigen Feinde allerCultur aus der Zahl der Völker zu tilgen. Sachse», Friesen und Thüringen mar-schirten im nächsten Jahre unter Anführung deS Grafen Theoverich und des Kammer-herrn Megiufried auf dem linken, Carl selbst mit den Alemannen und Franken aufdem rechten Ufer der Donau hinab gegen daS feindliche Land, während die Bayern auf Schiffen im Strom Mnnilion und Proviant nachführten. Auf diesem Zuge wurdein der Nähe von Metten eine Schiffbrücke über die Donau gelegt und die Meinungdeö Pater Hermann Scholliner , daß Carl, während er den Bau derselben leitete,sich in den nahen wildreichen Unvcüdungen mit Jagen die Zeit verkürzte und bei einemsolchen Ausflüge den frommen Utio traf (a. a. O. S. 344), scheint mir nicht un-wahrscheinlich. Doch auch dieß dahingestellt, so bezog ja Carl nach glücklicher Been-digung deö FeldzugeS mir seinen Franken in Bayern die Winterquartiere und wurdenun durch die Ketzerei zweier Spanier, des Elipand und Felir, eine gegen sein Lebenangesponnkne Verschwörung, den Ban einer nencn Schiffbrücke über die Donau unddie Arbeiten an dem großen Rhein-Donaukanal zwei volle Jahre in unsermLande zurückgehalten (Herbst 792 bis 794), in welche Zeit man die Kloster-grünvung ebenfalls, jedoch augenfällig mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit, unter-bringen könnte. Im Jahre 794 zog Carl gegen die neuerdings empörten Sachsenund kam in diesem Jahrhunderte nicht mehr nach Bayern . Den Avarenkrieg been-digte sein Sohn Pipin; Carl aber zog im Herbst deS JahreS 800 nach Rom , wo eram Weihnachtsfeste die Kaiserkrone empfing und erst im Sommer deS folgenden JahreS801 nach Frankreich zurückkehrte. Ich habe diesen Abstecher für nothwendigerachtet, um den Leser in den Stand zu setzen, selbst über den Stand der Frage zuurtheilen, und kehre nun wieder zn meiner Untersuchung zurück. Vor Allein ist nun nöthig,den zweiten Markstein zn setzen, über welchen hinaus das Jahr der Stiftung nichtmehr gerückt werden darf, und diesen Gränzstein liefert mir der gelehrte Jesuit AndreasBrunmr in folgender Stelle:Diejenigen, welche den Ursprung deS Klosters Metten iu spätere Zeilen heraufrücken, werden leicht durch den Umstand widerlegt, daß dreiUrkunden ausdrücklich anführen, die Klosterstistung sey vor Carls Kaiser krIn-nung (Larolo nondum lmvörsloi-L), also vor dem Jahre 800, geschehen" (^nn»I.öoiv. II. p. Zu). Somit hätten wir zwei Gränzsteine, die einen Zeitraum vonungefähr zehn Jahren einschließen, von 792 oder 791 (denn daS Jahr jenes obenerwähnten FeldzugeS des Frankenkönigs gegen die heidnischen Avaren wird von Ver-schiedenen verschieden angegeben, Andreas Buchner z. B. entscheidet sich für daS Jahr792, Lorenz Westenrieder für 794) bis 800, welcher Zeitraum jedoch durch die schonobeu angeführte Bemerkung, daß sich Carl von 794 bis zu seiner Kaiserkrönung niemehr in Bayern befand, schon auf zwei oder drei Jahre zusammenfällt.

Cs bleibt, uns noch übrig, nach dieser Richtschnur die Angaben der Geschicht-schreiber zu beurtheilen, »ud sie, wo möglich, mit einander in Einklang zu bringen,wobei wir natürlich nur die anerkanntesten Forscher, deren Namen am meisten bestechen,und denen am häufigsten nachgebetet wird, berücksichtigen können. Den wahrheits-getreuen Bruuner haben wir bereits vernommen; Aventin Onrml. Lo^j. I.. IV. p. 294)gibt das Jahr 790 an, welches nach allem bereits Gesagten nicht besteh,» kann undunS wenigstens um ein Jahr näher gerückt werden muß; wie aber vollenrs A. W.Ertl (churb. AtlaS, II. Thl. S. 186) sagen kann:Metten soll Carl der Große nachAussage Avcntini im Jahre 88? (!!) erbaut haben", bleibt mir immerdar unbegreif-lich. Dem Aventin gegenüber am andern Markstein, oder vielmehr ebenfalls um einJahr jenseits desselben steht zuerst der bekannte ^nelress Kütisbonsrisis, ein regul.Chorherr aus der ersten Hälfte deS löten Jahrhunderts, der in seinem geachtetenLlironieum Ououm Kavgrmo" daö Jahr 801 als das Jahr der Gründung nennt,welche Meinung auch der gelehrte WignläuS Hund aus Stcinach (Metmp. Sglisb.I. II. p. 501) adoptirt. Dem HnndiuS pflichtet nun auch Joh, Adlzreiter l>rin. öoicßent. ?. I. I.. XVIII. v. 198) bei, indem er seine Angabe der Wahrheit näher nennt,