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Ein protestantisches Blatt über die katholische Kirche in
Dresden , 15. Juli. Die „Fr. Sachsen-Zeitung," bekanntlich ein Protest. Blatt,gibt der kath. Kirche in Deutschland Folgendes, die „Sachsen-Zeitung" im hohen Gradeehrendes Zeugniß. Der betreffende Artikel lautet wörtlich: Den kath. Kirchenstreit imSüdwcsten Deutschlands finden wir jetzt häufig zum Gegenstände weitreichender, reinpolitischer Conjecturen gemacht. Selbst Organe, die früher geneigt waren, der bischöf-lichen Seite entschieden die Anerkennung ihres Rechtes vor dem Staate zu gebe», zeigensich jetzt anders. Sie verlassen den Standpunct der Beurtheilung, welcher aus der recht-lichen Seite der Sache selbst gegeben ist, und knüpfen an den traurigen Streit zwischenStaat und Kirche Gedanken über dessen Ursprung und Nährung, welche bestimmt sind, dieRegierungen in ihrem Widerstande gegen die katholische Kirche zu ermuntern. So sagtman: das energische Festhalten der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz an ihrenForderungen sey von Rom in der Absicht anbefohlen, weil sich der Papst eine neue Stättein Deutschland gründen wolle, wohin er den heil. Stuhl verlegen könne, wenn Italien unhaltbar würde. Der Unterschied wird hervorgehen, welcher zwischen dem Verfahrendes heil. Stuhles in Deutschland protestantischen Regierungen gegenüber, und in Jialien,der katholischen sardinischen Regierung gegenüber sich darbiete. In Deutschland strengesFesthalten an allen Forderungen, in Italien der um NieleS kirchenfeindlicheren Regierungin Turin gegenüber behutsames Auftreten. Mau scheut sich auch nicht, die Muthmaßungcn:szusprechen, der Kaiser der Franzosen wirke in Rom darauf hin, daß die kirchlichenDifferenzen in Deutschland mehr und mehr unheilbar würden, — in welcher Absicht, dürsteleicht zn errathen seyn, wenn diese Muthmaßung gegründet wäre. So bringt man auchden Kirchenstreit in Deutschland mit der orientalischen Frage in Verbindung, indem mandarauf hinweist, daß der katholische KleruS überall Haß gegen Rußland zeige und eineHinneigung nach Frankreich verrathe. In Preußen sollen zur Ergründuug solcher Vermu-thungen bereits RegierungSschreiben erflossen seyn, welche Berichte einfordern über denVerdacht eines Zusammenhanges des katholischen Klerus mit französischen und demokrati-schen Agitatoren. Alle diese Muthmaßungen und Conjecturen sind die nothwendige Aus-geburt eiueS so lange hinausgezogenen rechtlosen Zustandes der katholischen Kirche inDeutschland. Aus Böswilligkeit gegen die katholische Kirche oder sey es auch aus falscherBesorgniß ersuudeu, sollen diese schmählichen Nachreden die ScM selbst verrücken zu Un-gunsten der katholischen Kirche . Der deutsche Politiker kann indessen nichts Gewissenloseresthun, als ein nationales Lebenselement, das so tief daS deutsche Volk durchzieht, wie eSdie katholische Kirche thut, bei jeder Gelegenheit als staatsfeindlich und unnalional zudenunciren. Wir sind Protestanten, aber die Gerechtigkeit erheischt, daß wir bekennen:sollte eine historische Abrechnung gehalten werden über daS, waS der Protestantismusund Katholicismus gegen die deutsche Nationalität sür die Fremden gethan haben, so würdedieselbe für uns nicht günstig ausfallen. Die katholische Kirche in Deutschland ist so natio-nal, so volköthümlich, wie irgend eine der vom Volke geliebtestcn weltlichen Dynastien.Es ist deßhalb ziemlich natürlich, daß man bei einem das Volksleben so tief berübrendenConflicte, wie er eS in Baden ist, auch Befürchtungen hören muß, die über den Kreis desreligiösen Lebens hinanSgerichtet sind, denn kein Mensch kann doppelt leben, und eS gehörteein doppeltes Leben dazu, freudigen Gehorsam und Liebe für eine Obrigkeit zu behalten,die uns im vollen Herzen verwundet. Wir denken aber, daß eben bei der weiten Mitleiden-schaft in diesem Conflicte, mag man sonst von der oben erwähnten Nachrede deS katholischen KleruS halten waS man will, die Gesammtheit der deutschen Regierungen ein Interessedaran fühlen müßte, dem Conflicte bald einen rechtlichen Ausgang gegebeu zu sehen.
mzzc,< >'Z li!»»''Nn>m^ ii'ck,«t»ttv nt'i 5i-.' nnüüm,nztlüiöuü lAisö Kon a,öiA?;s,l6.Medicinisches über das Fastengebot.
Ein sehr unparteiisches, weil durchaus nicht vom kirchlichen, sondern reinvom rücksichtslos medicinischen Standpunct ausgehendes Urtheil über daS