264
Fastengebot bringt in der Nummer (34) die Wiener Medicinische Wochen-schrift in dem Artikel: „Kritische Bemerkungen zur Arzneimittellehre" wie folgt:„Unter den Fastenspeisen nehmen vor Allem die der Milch entlehnten Speisepräparateund Fische eine Hcmplstelle ein. Man muß denen, welche die Fasten zu halten ver-ordnen, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie mit einem sehr richtigen, durchdie neuere Chemie bestätigten Tacte die Kuchenzettel für die Menschheit gemacht haben.Die ReligionSlehrcr mußten jedenfalls bald eingesehen haben, daß ohne Stickstoffnah-rung der Köipcr nicht bestehen könne, und daß sie, je mehr sie Fasten anordneten,um so mehr auch darauf Bedacht nehmen mußten, eine Diät anzuordnen, die immer-hin reich an Stickstoff sey. Einen großen Theil ihres medicinischen Werthes — ihrenmoralischen zn erörtern ist nicht lueine Sache — haben die Fasten jetzt freilich für dieMasse des Volkes verloren, seit dasselbe immer mehr verarmt, immer mehr von denFleischspeisen entsremdet worden ist, aus dem einfachen Grunde, weil cS dieselben sichnicht mehr erwerben kann. Den im Fleischgenusse schwelgenden Engländern aber, undauf den Tafeln unserer Vornehmen wäre eine strengere Feistendiät in der That keinegar so üble medicinische Verordnung. Der physiologische Är;t denkt dabei an nichts,als den täglichen Verbrauch an Stickstoffmalerial wöchentlich ein- oder zweimal herab-zusetzen, und in einzelnen dieser Speisen zugleich eine größere Menge Kalksalze znreichen; und eS kann somit auch der protestantische Arzt in die Noihwendigkeil versetztwerden, Fastenspeisen zu verordnen, deren Werth in der angedeuteten doppelten Rich-tung bisher zu wenig gewürdigt ist. DaS Fleisch der Fische steht nämlich an proccn-tischem Stickstoffgehait bedeutend unter dem Fleische der Warmblüter. DaS Fleischz. B. des Ochsen enthält 17,5, das des KalbeS 15—16, das deS Schweines 16,8,das deS ReheS 18,0, das der Tauben 17,0, der Hühner 16,5, der wilden Ente17,68 Procent Fleischfaser; daS des Frosches in seinen Keulen nur 11,67 Procent;das der Salmonen 11,l und das der Karpfenarten 9,42; 11,31; 12,1, im Marimo13,0 Procent Fleischfaser. Wie weise wäre nnn bei der reich besetzten Tafel der,starke Fleischkost liebenden Engländer und unserer höheren Stände die procentischherabgesetzte Kost, die diese mit den Fischspeisen bei . ärztlich gebotenen und verstehtsich gehaltenen Fasten zu sich zu nehmen genöthigt würden?! Wie gut ist eS imGegentheil für den Armen, daß (wenn anders er in fischreichen Gegenden lebt) er,so oft er Fische haben kann, sie genießen darf, nm nie einer billigen, stickstoffhaltigenNahrung zu entbehren. Im Allgemeinen sind die Fischspeisen viel zu sehr als schlechtnährend und ungesund verschrien; unsere Küche sollte sie viel mehr in Gebrauch ziehen,und sich in schmackhafter Bereitung derselben (unter möglichster Verdrängung deS bloßenGenusses derselben mit Essig und Oel ) üben. Sie stellen bei Ueberschuß deS BlutcSan stickstoffhaltigem Baumaterial ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel dar, und Bade-ärzte, Aerzte an Molkenanstalten sollten eö sich angelegen seyn lassen, sie auf denTafeln ihrer Kranken möglichst häufig und in annehmlicher Form erscheinen zn lassen.100 Theile Asche vom Flußbarsch enthalten 54,39 Procent phosphorsaures Alkali,und 44,34 phoSphorsanre (5rden; 100 Theile Karpsenasche 44,19 phosphorsaures Alkaliund 42,40 PhoSphorsanre Erden; Hühnerfleisch 33,25 phosphorsanres Alkali, 17,46PhoSphorsanre «Lrdeu und Eisen; an phosphorsaurem Alkali der Hase 79,8, das Reh72,4, der Ochse 76,8, das Kalb 89,8 Procent, an phosphorsauren Erden dieselbenThiere in eben der Reihenfolge: 15,l; 26,6; 16,4; 10,2. Dabei beträgt der Gc-sammtrückstand der Asche beim Fleische deS Hasen 4,48; deS ReheS 4,68; deS Ochsen4,03; der Hühnervögel jung 3,14, später 4,31—5,51; der Froschkeulen 4,96; derFische, z, B. des Barsches 7,08; der Karpfen 6,16. Wir sehen deutlich daraus,daß wir mit dem Fleische der Fische ein viel reichlicheres Material an phoöphvrsaurenErden genießen lassen, als mit dem Fleische der Warmblüter, und daß die Zahlendieser Erden noch höher ausfallen müßten, als hier geschehen, wenn wir die procen-tischen Differenzen der gesammlen Aschenmenge betrachten, und, wie es nöthig wäre,hiernach reoucirlen."
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.