Ausgabe 
14 (20.8.1854) 34
Seite
265
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger PsstMung.

20. August 34. 1854.

Diese» «latt erscheint regelmäßig all« Sonntage. Der halbjährige Abonuemenl«pret«kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kauu.

Franz Xaver Luschin , Fürsterzbischof von Görz. *)

Nekrolog,

ES ist eine schwere Ausgabe, das Leben und Wirken eineS edlen Menschen inseinen innersten Motiven, in seiner vielseitigen Entfaltung nach Außen treu und wahraufzufassen und wiederzugeben. Wenn der Schmerz um den Hingeschiedenen das Augeumfloret und trübet, das Herz mit bitterer Wehmuth erfüllt und die Hand beSSchreibenden lcitunt, so ist hinwieder das Gefühl, die Ueberzeugung, an dem Ver-ewigten nach vollbrachter irdischer Laufbahn, einen Gegenstand, vollendet und würdigder Darstellung, ein Vorbild für sich und alle die Genossen seines Standes gewonnenzu haben, ein Sporn, sich an dessen Darstellung zu wage«. Zu wagen, sagen wir;denn wo liegt wohl eine Gewährleistung, daß wir seine Züge, das Porträt seinesgeistigen Seyns wiedergeben, wie es seyn soll und wir es sollten! Doch wollten wirverzagen, jetzt, wo sein Andenken noch so frisch, so lebendig ist, wann könnten, dürftenwir eS unternehmen?

Ueber Fürstbischof Luschin wurden gleich nach seinem Tode mehrere Stimmenlaut, und außer den gegebenen äußern Umrissen seines Lebens und Wirkens in öffent-lichen Blättern sprachen sich der hochwürdigste Fürstbischof von Trient , Johann Tschi-derer, fürstliche Gnaden, in einem durch mehrere Blätter bekannt gewordenen lateinischenHirtenschreiben über die Leistungen und die persönlichen Eigenschaften dieses seinesNorfahrs auf die ehrenvollste, anerkennendste Weise aus, so wie auch ein Aufsatz indem slovemscken BlatteDanica" seine letzten Lebensstunden in ergreifender Weiseschilderte. Wir dachten sonach diese einzelnen Züge mit den eigenen und den Erin-nerungen mehrerer seiner Freunde zu vereinigen, ohne fürchten zu müssen, des Gutenvon ihm zu viel zu sagen, vielmehr so weil hinter dem Originale zurück zu bleiben,als eS nach dem Apostel I. Corinth. 2, 17, wahr ist:Der Geistige beurtheilt alles,er selbst aber wird von Niemauden beurlheitt." Mag daher der bereits Verewigte eSuns vergeben, wenn wir ihn der Mitwelt, eigentlich der Nachwelt vorzuführen bemühtsind, ihn, dessen Tugend und Gottesfurcht im Kleide der Demuth verhüllt war, WaSer auf der Welt geworden, darüber haben, nach dem Willen und nach der ZulassungdeS Allerhöchsten, Zeit, Umstände und Verhältnisse entschieden; die von ihm bekleidetenAemter, sein hoher Rang und die ihm erwiesenen Ehren haben das wahrnehmbareGepräge seiner Geltung vor den Menschen nach und nach vollendet; der innere Gehalt,das edle Metall seines Charakters aber blieb, durch den Wechsel des Schicksalsgeprüft, sich immer gleich unverfälscht und unverändert, ähnlich dein ächten Golde.Indessen, weil die geistige Entwicklung, die Offenbarung des WollenS und Seynö

*) Salzb. Kirchenbl,