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sich durch die Lebensverhältnisse bedingt, können wir nur diese verfolgend jene inBetracht ziehen.
Luschin war am 3. December 1781 in der Nähe von Lind, nächst dem GutePeggein, Pfarre Teinach, geboren, und erhielt, nach dem frommen Landesgebrauche,in der Taufe den Namen jenes Heiligen, den er, wie man zu sagen pflegt, mit aufdie Welt gebracht hatte, den des heiligen Franz Xaver. Sein Vater Leonhard Luschin,Besitzer der gleichnamigen Hübe, erfreute sich außer ihm nur noch einer Tochter undgab ihnen eine, wenn gleich einfache, standesmäßige, doch sorgfältige Erziehung, wo-bei ihm seine Gattin Barbara durch Gottesfurcht und Herzlichkeit würdig zur Seitestand. Franz besuchte die Schule zu Teinach unter dem braven Lehrer Jos. Wedenigg.Dieser und die dortige Geistlichkeit stimmten den Vater, da des Knaben Anlagen unvFleiß zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, daß er ihn in die Normalschnle nachKlagenfurt und hierauf auch daselbst ans Gymnasium schickte, wo ihn sein Fleiß undseine Emgezogenheit besonders empfahlen. Im Jahre 1797 halten die Stürme derfranzösischen Revolution, so wie die Staaten und Völker auch die Geister aufgeregt,man sah in ihrem Gelingen eine Art Weihe ihrer Grundsätze, ihren Beruf, die Wellunizustalien. Dieses Jahr war es auch, wo die Neufrauken zuerst auf Alt-Oester-reichs Boden unter Bonaparte einzogen, und Kärnthen, welches sie zuerst betraten,fühlte so sehr das Folgenreiche ihres unwillkommenen Erscheinens, daß alle kaiserlichenBehöroen sich auflösten und die Beamten bis auf wenige das Land verließen. KeinWunder, daß dieses Gefühl der Unsicherheit, deS BangenS vor der Zukunft, auchder Jugend sich bemächtigte, und unser Lnschin, wie mehrere seiner Collegendie Hörsäle verließen, um in ländlicher Äbgezogenheit dem drohenden Schicksale zueutzehen. Franz Luschin , den Unwillen seiner Eltern über so eine Entfernung vonseinen Stndien, deren Beweggründe sie in ihrer einfachen Weltanschauung nicht begrei-fen, nicht zu würdigen wissen mochten, befürchtend, kam daher bei nächtlicher Weilevon dem nahen Kiagenfurt in sein Vaterhaus zurück, schlich sich in die Kammer derKnechie und suchte an der Seite eines derselben scheinbar die Ruhe, denn seine geäng-stigle Seele mag sich mit den düstern Bildern seiner Zukunft beschäftigt haben. SeineAnkunft, sein so gewählter Aufenthalt wurde zuerst von der weckenden Magd bemerktund der Mutter entdeckt, worauf dieselbe zum Sohne eilte und aus dessen Munde dieniederschlagende Kunde seines Entschlusses vernahm, den Studien Lebewohl zu sagenund am heimischen Herde von der Erdscholle das karge Brod zu gewinnen. Wiewar sie da in daS Innerste verwundet und weinte bittere Thränen über den, wie sieglaubte, Verlornen Sohn, den sie im Geiste schon vor dem Altare stehend gedachthatte; wie den zornigen Vater beschwichtigen und die erstaunte Nachbarschaft aufklären?Endlich wagt sie zitternd den Schritt, und kaum entgleitet dem bebenden Munde dasWort: Franz ist gekommen und will nicht mehr studiereu, sondern Bauer werden.Der Vater war ruhiger, als zu erwarten. „So soll er denn Bauer werden, es istschon recht", antwortete der kurz angebundene Mann, ließ den Sohn kommen, befahlihm die Sladlkleidcr abzulegen, reichte ihm das bäuerliche Gewand, seine eigenenHolzschuhe, legte ihm ein Sirohband um die Hüfte, wie es die dortigen Knechte beimMähen zn haben pflegen, gab ihm Sense und Kumpf und schickte ihn mit den barschenWorten auf die Wiese: „Hast dn bei den Knechten geschlafen und gegessen, so magstdu auch mit ihnen arbeiten." Somit war der künftige Primas von Galizien , Lodo-merien und Jllyrien, der Fürstbischof vou Trieut und Erzbischof von Görz, SeinerMajestäl geheimer Nalh uud Ordensritter nach KncchteSweise stanvesmäßig adjustirtund installin'. Die Mutter indessen eilte in Thränen aufgelöst zu Probst Hiet! nachTeinach, welcher sie lröstete und ermähnte, den Sohn gewähren zu lassen, ihm keinen
Für die Kärnthncr mag es merkwürdig seyn, daß mit Luschin auch jener Mathias Mikula,welcher während der Raststunde hinter dem Ochsengespann auf dem Pfluge sitzend, den Livius las, undFranz Krammer, vulZo HoiSl am Berg, welcher sich nachher als Bauern-Philosoph und rationalerLandwirth auffallend machte, die Studien verließen.