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Zwang anzuthun; eS sey zu erwarten, daß mit dem verziehenden Kriegs-Ungewitteruild der Wiederkehr froherer Aussichten sich Alles von selbst geben werde, Franz, dereine Zeit die Stadt im Bauerngewand Säcke tragend betreten hatte, ging mit näch-stem Studienjahre wieder von dem Pfluge zu den Schulbänken über, die er vor einemhalben Jahre vermeintlich aussichtslos verlassen hatte.
Wenn schon diese Episode uns die Jugend- und Studienjahre Lusching, dieväterliche Erziehung bezeichnend kund gibt, so sollte eine zweite noch herbere Prüfungüber ihn kommen, welche die Grundzüge des mütterlichen Herzens, das so mächtigauf sein Gemüth einwirkte, veroffenbart. Es war im Jahre 1800, wo unsern Franzzu Klagenfurt daS Nervenfieber befiel und ihn an den Rand deS Grabes brachte.Seine Schwester, fünf Jahre älter als er, eilte auf die Nachricht davon an seinKrankenbett und verließ eS nicht, bis er genas; dafür batte sie den Keim deS TodeSgeholl und nach Hause gebracht, wo sie am 15. April 1800 als Opfer der Schwester-liebe starb. Die Mutter hatte sie gepflegt, der Kranlheitsstoff stch aus sie verpflanzt,und da sank auch sie, von Herzensleid bereits zerknickt, am 6. Mai 1300 dem Todein die Arme. DaS war viel, zu viel für den alternden Pater, der ihnen am 10. Juli1804 in die Ewigkeit nachfolgte, und dem einzigen Sohne das freudenleere HauS,ach die vielbethränten Gräber hinterließ. Keines von Allen hatte eS erlebt, was sieso sehr ersehnt, den geliebten Franz am Altare opfern zu sehen, er sollte es für ihreSeelenruhe thun. Die väterliche Behausung übergab nun Franz dem Sohne desBruders seines BaterS, Besitzers der Tonitz-Hube im Dorfe Teinach, und ließ denäußerst billigen Kausschilling als Kapital darauf liegen, nicht ohne eö später in derZeit der Finanz-CrisiS in dem beinahe auf Null reducirten Betrage zu empfangen-Nun lebt auch von dieser Seitenlinie kein Descendent mebr, nachdem der letzte Besitzer,Mathias Luschin, im Jahre 1852 auf der sogenannten Ruhestatt ob Pölkermarkt todtgesunden worden ist. So konnte Franz, wie sein heiliger Namensbruder, der vonAssiS, ledig deS väterlichen Erbgutes sich frei dem höhern Berufe weihen.
Als Luschin, den 26. Aug. 1304 zum Priester geweiht, kurz darauf zu Teinachprimizirte, war von seinen nähern Anverwandten Niemand mehr am Leben und se!bstdie Primiztafel war nicht in Lind, sondern im Herrenhause zu Paggein, dessenBesitzerin, die Wittwe Margarelh Maurer, geborne Kramer, LuschinS geistlicheMutter war.
Nun hatte sich alles Irdische seinem Herzen entwunden; gleich den Apostelnsteuerte er, einzig dem Herrn sich hingebend, in die Welt hiimuS, und widmete mitganzer Seele sich seinem heiligen Berufe. A>S Stadtcapian bei St. Egiden zu Klagen-furt vom December 1806 bis Ende Jänner 1803 angestellt, entwickelte er jene herr-lichen Gemüthsanlagen, jenen Drang, Gutes zu thun, Gottes - nnd Pslichtliebe zuverbreiten, welche ihn bald als ein hellstrahlendes Licht ans die Leuchte der Kirchestellten. Mit der Einfalt deS Gerechten ließ er sich zu dem Geringsten herab, hatteer für Alle Ohr und Herz, besonders auch für die Jugeuv. Schreiber dieses, damalskaum den Kinderschuhen entwuchsen, gedenkt noch mir Rührung, wie er als angehen-der Humanist bei demselben Zutritt, Belehrung nnd Ermnnlerung fand. Diese Anstel-lung Luschins war eS auch, die seiner künftigen Laufbahn eine bestimmte Richtung gabund nach der Absicht der Vorsehung den Weg zu seiner Erhebung o'ffuete, ». Nupert,damals am Lyceum zu Klagenfnrt, Professor des Bibelstudiums, hatte als solcherLuschiuS besondere Vorliebe und Fähigkeit für das Studium der orientaliichen Spra-chen kennen gelernt, er munterte ihn min ans, seine Forschungen im theologischen,besonders Bibelfache fortzusetzen, behalf ihm mit den einschlagenden Werken nnd berei-tete ihn auch in den andern Doctrinen der Theologie in der Art vor, daß er in derLage war, bereits im Jahre 1807 in Wien , wo er, eine knrze Zeit zwar nur, dieVorlesungen des berühmten Iahn hören konnte, die bezüglichen Rigorosen zu bestehen,in Folge dessen er am 16. Jänner 1808 zum k. k. Professor der morgenländischcnSprachen und deS Bibelstudiums zu Gratz ernannt wurde. Nun konnte er sich vol-lends in seinem Fache ausbilden und die, damals noch seltene Promotion zum Doctor