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der Theologie wurde ihm im Jahre 1813 zu Theil. Indessen auch hier suchte underhielt sein frommes Gemüth Befriedigung, indem er die Beichtvaterstelle im dortigenElisabethinenklvster übernahm; ein Institut, welches er bereits in Klagenftirt, wo seineSchwester im gleichnamigen Kloster längere Zeit sich aufgehalten hatte, lieb gewann,und wohin er mit seiner Milde und Besonnenheit, herzlichen Theilnahme unv gleichbleibenden Geduld vorzüglich pastte. Auch hielt Luschin vom Jahre 1810 bis 1814die akademischen ErHorten am Gratzer Lyceum und wurde vom Kollegium der Profes-soren für das Studienjahr 1815 zum Rector erwählt. Seine Lehrweise und Persön-lichkeit machten auf die Studierenden, wie auf die Professoren einen gleich günstigenEindruck; überall gab sich sein Wohlwollen, sein bescheidener Eifer für gediegenesWissen, für die Sache der Religion und Sittlichkeit zu erkennen, unv man glaubteden allseitig tüchtigen, geehrten und geliebten Mann nicht besser auszuzeichnen undallgemeiner nützlich zu machen, als daß man ihm im Mai 1818 auch das Doctoratder Philosophie übertrug.
Diese so vielseitige Verwendbarkeit Lnschins konnte den hohen und höchstenStellen nicht entgehen, und selbst Kaiser Franz , der bei seiner wiederholten Anwesen-heit in Gratz mit dem Allerhöchstdemselben eigenen Scharfblicke den klaren, praktischenund erleuchteten Mann kennen zu lernen Gelegenheit hatte, und der ihm von da anbesonders gewogen blieb, fand ihn zn einer Oberleitung des geistlichen und Studien-faches vorzüglich berufen. Als daher der damit bethcilte Posten eines Gubernialraiheszu Innsbruck zu besetzen kam, erfolgte seine Ernennung dazu mit Allerhöchster Ent-schließung vom 6. Jänner 1830.
Wer alle die Veränderungen, man muß sagen alle Umwälzungen, erwägt, welchedas viel geprüfte Tirol während der Bayern - und Franzosenherrschaft erlitt, zu derenWiederherstellung doch nur erst eine sehr kurze Zeit geboten war, kann die Schwierig-keiten ermessen, welche Luschin bei Reorganisation der ihm obliegenden Fächer, beider Durchführung der Pfründen-Dotation und der gleichartigen Schuleinrichtung zuüberwinden hatte.
Drei Jahre hatte Luschin rastlos in seinem Referate gearbeitet, sein einfacherSinn, sein Wohlwollen, seine Biederkeit, halte im Lande der Treue uud Offenheitlebhaften Anklang gefunden, da fand auch Kaiser Franz ihn reif sür den nun seitEmauuels Grasen von Thun Hinscheiden durch fünf Jahre ledig gestandenen uraltenBischofssitz von Trient und ernannte den als Priester und Geschäftsmann, als Theo-logen wie als Organisator gleich bewährten Mann unterin 12. November 1823 zumFürstbischof von Trient. Seine Heiligkeit Papst Leo XII. ertheilte ihm am 24. Mai1824 die Bestätigung. Am 3. October 1824 zu Salzburg von seinem Metropoliten,Fürsterzdischof Augustin Grubcr zum Bischof consecrirt, zog der Kirchenfürst am 17.desselben Monats in seine Residenz ein, von der Bevölkerung mit aufrichtigem Jubelbegrüßt. Allerdings hatte er als geistlicher und Studien - Referent auch im südlichenLandcslheile sich den vorteilhaftesten Ruf erworben; indessen so ganz dornenlos warseine Bahn bei so manchem Vorurlheile ob der Nationalität und seiner Herkunft nicht,selbst seine Residenz mußte er Anfangs in einem ungelegenen Locale nehmen, dochwaS wußle er nicht auszugleichen uud zu ertragen. Das schönste Zeugniß seinesThnnS un"> Wirkens liefert uuS nun nach seinem Hinscheiden, nach dreißig Jahrenseines dort begonnenen HirtenamteS, der Eingangs erwähnte hohe Erlaß seines un-mittelbaren Nachfolgen'. Wir können dessen Worte nicht in der lateinischen, so kraft-vollen Ausdrucksweise deö Originals geben, da wir diese Zeilen auch in weitern nichtklerikalischen Kreisen gelesen wünschen; müssen uns daher nur auf die Hcu-ptzüge deSso ansprechend entworfenen Bildeö beschränken. Vor Allem erstreckte sich seine Sorg-fall auf die Erziehung des KlcruS. Er erweiterte mit nicht geringen eigenen KostendaS Priester-Seminar, betheiligle sich mit den ihm inwohnenden Kenntnissen an denStudien der Alumnen, mit der Wärme eines gotterfüllten Herzens an ihren geist-lichen Uebungen. Er bewirkte die Restauration des Kathedral-Capitels und benahmsich bei diesem schwierigen Geschäfte mit jener Gerechtigkeitsliebe, jenem standhaften