Ausgabe 
14 (20.8.1854) 34
Seite
269
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

269

Eifer für das Beste der Religion und Disciplin, der allein zum Ziele gelangt.Halte er in seiner Umgebung das Feld bereitet, so konnte er desto ungehinderterseinem Herzensdrange folgen und seine unter zwei so verschiedenartige (wer denkt nichtdeS Jahres 1848) Nationalitäten getheilte Diöcese in ihrem ganzem Umfange, mit-unter in ihren schwer zugänglichen Theilen durchreisen und überall die Merkmaleseiner Hirtenliebe, seines frommen und wohlthätigen SinneS hinterlassen. SeineGeschäftserfahrung, sein Scharfsinn und seine Klugheit wußte in allen noch so ver-wickelten Angelegenheiten und wie viele deren gab eS'dort damals nicht IRaih, Ausweg und Abhilfe, Bescheiden im Worte, wie enthaltsam im Leben,feurig in der Liebe wie im Eifer und doch so demüthig, daß er niemals was selbstgethan zu haben scheinen wollte, bis zur gänzlichen Erschöpfung seiner Geldmittelfreigebig und erbarmungSvoll gegen die Armuth, war an ihm so ganz deS gekröntenPropheten Wort in Erfüllung gegangen (Psalm 111, 9):Er streuet aus, gibt denArmen, seine Gerechtigkeit bleibt ewig, seine Kraft wird erhöhet in Ehren." So wares auch; denn Allen Hirt, Schutz und Bater, besaß er die Herzen Aller, und als ernach zehnjähriger Wirksamkeit seine ihm so theuer gewordene Heerde, folgsam höhermWillen, verließ, da dnrchbebre Alle ein gemeinsamer Schmerz, eS war wie bei deSApostels Abschied von seinen geliebten Ephesiern, die da weinend trauerten, daß siesein Angesicht nicht mehr schauen sollten. So weit deS hohen Kirchenfürsten Worte,womit Hochderselbe ihn den nun Hingeschiedenen dem frommen Gebete Jener empfahl,bei denen dieselben, weil so ganz aus ihrer Ueberzeugung auS ihren Herzen geschrieben,den vollsten Anklang finden mußten. Gewiß, sie ehren den nicht weniger, der siesprach, als den, dem sie gegolten!

(Schluß folgt.)

Das neue SchulhauS zu Stbnach.

* In dem Mittelpuncle der Pfarrei, bestehend ans zwei Gemeinden, zu denendie Ortschaften: Sibnach, Trannried, Forsthofen, Aletshosen und Höfen gehören,erhebt sich auf einem Hügelvorsprunge, dem sogenannten St. Georgenberge, maje-stätisch die vom Kloster Steingaden erbaute Pfarrkirche, in welcher alle pfarrlichenGottesdienste, ron dem im ^ Stunde entfernten Dorfe Sibnach wohnenden Pfarrerabgehalten werden, und in der jährlich in erhebender Weise daS ScapulirbruderschaftS-fest vom Berge Carmel gefeiert wird. Nur fünf Häuser umgeben den pfarrlichenTempel, darunter das MeßnerhauS, an welchem seit der Säkularisation eine Schuleerrichtet wurde. Schon längst war dieses Gebäude schadhaft und baufällig geworden,und daS Bedürfniß nach einem neuen Sckulhause wurde immer dringender. DenBemühungen des gegenwärtigen Herrn Pfarrns gelang eS endlich mit Zustimmungder beiden Gemeinden einen Neubau zu bewerkstelligen, wozu der Staat seine hoheGenehmigung ertheilte und die Hälfte der Baukosten beisteuerte. So erstand ein wirk-lich schönes, in allen Theilen zweckmäßiges und dauerhaftes Gebäude, kenntnißrollentworfen und solid ausgeführt, das seinem Zwecke vollkommen entspricht, und wahr-lich zu den schönsten Landschulhäusern gezählt werden darf. Freundlich steht eS aufgrünender Höhe, im Westen von schattigen Waldhügeln bekränzt, östlich hinauSblickendauf die Ebene an der Wertach und dem Lecke, wo das Auge vom St. UlrichöthurmeAugsburgs über Friedberg, Hofhegnenberg hinaus nach LandSberg, dem Peißen- undAuerberge, der Gebirgskette von den Salzburgeralpen bis zum Grillten schweift unddann über die in der Ebene liegenden, zahlreichen Ortschaften forschend zurückkehrt.Schou der Anblick eines jeden Schulhauses erregt in der Brust eines denkenden Men-schenfreundes eigenthümliche Gefühle, die sich in Betrachtung deS heranwachsendenMenschengeschlechtes über dessen wellliche und ewige Bestimmung ergießen, und aufdas Wohl der Gesammlmenschheit in staatlicher und kirchlicher Beziehung ausbreiten;um so mehr werden solche Gedanken rege, wenn ein neues Schulgebäude errichtet