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des heiligen apostolischen Stuhles, und am 23. August 1835 feierte Gorz die An-kunft seines neuen Kirchenfürsten. Wahrlich, nicht leicht konnte eine Wahl glücklichergetroffen seyn: denn Erzbischof Franz Zaver brachte außer seinen erprobten Hirten-Eigenschaften die volle Kenntniß der dort sich als an Deutschlands Endpuncte vereini-genden drei Nationalisten: der deutschen , slovenischen und italienischen mit, er konnteihnen Alles in Allem werden.
Soll-en wir LuschinS neunzehnjähriges Wirken an seinem neuen, nun auchletzten Posten in seinem ganzen Umfange schildern, wir müßten nicht nur daS beiTrient Gesagte wiederholen, sondern auch mit neuen Zugaben, wenn auch bis zurWeitläufigkeit, doch immer weit hinter dem verdienten Maaße erweitern. Wir wollenuns daher vorzüglich nur an jenes halten, waS seine jüngste Stellung SonverheitlichcSund Ausfallendes bot. Hatte die Revolution der JuliuStage Frankreichs herrschendeDynastie gestürzt und Europas Ruhe bedroht, so sollte dieselbe in Görz , in diesemschön gelegenen ruhigen, aber diplomatisch nie merkwürdigen Orte eine Zufluchtsstättefinden. König Carl X., sein Sohn der Herzog von Angouleme, und seine GemahlinMaria Theresia, die unglückliche Tochter der noch unglücklicheren Königin Antoinette ,die Enkelin der unvergeßlichen Kaiserin Maria Theresia, der Prätendent von Frank-reich , der Graf von Chambord, waren mit einem Häuflein Getreuer zuerst nachHolyrood-Castle in Edinburg, dann nach Prag übersiedelt. DaS Unglück der könig-lichen Familie, ihre strenge Religiosität, ihre Wohlthätigkeit, HerzenSgüte und ihreinfaches Wesen hatten die durch die französischen und englischen radikalen Blätter irregeführte öffentliche Meinung versöhnt und berichtigt, und überall begegnete ihr Hoch-achtung und Theilnahme. Sie war im gleisen Jahre mit Fnrfterzbischof Luschin inGörz angekommen und dieses Zusammentreffen ward als ein günstiges Zeichen dcSHimmels angenommen; denn gleich beim ersten Sehen und dem baldigen Erkennenmußten gleiche Seelen sich aus daS engste verbinden. Luschin war nun der könig-lichen F.nnilie Tröster und Gesellschasler, letzteres freilich einzig in dem Maaße seinerfreien Zeit. Nur ein Jahr sollte der bereits hochbetagte, vielgeprüfte König Carl Xljin Görz noch zubringen; cS traf ihn daS gemeinschaftliche LooS aller Sterblichen,welches Glückliche und Unglückliche von hinnen führt, Kronen und Scepter zerbricht.In diesen schweren Tagen erprobte es sich, wie theuer und werth der treue Hirt derSeelen der königlichen Familie war, der er auch von nun an bis zu ihrem Scheidenvon der Ruhestätte ihres Oberhauptes nahe blieb. Noch werden sich in dem kleinen,von seiner Wohlthätigkeit nicht verwendbaren Verlasse mehrerer jener werthvollen undsinnigen Änvenken finden, womit die königliche Familie ihren geistlichen Freund undTröster ehrte.
Dieses Ereigniß bildete einen der Hauptabschnitte in LuschinS sonst zurückge-zogenem, aber thaienvollem Leben, welches er einzig seiner Hirtenpflicht weihte. Eineseiner vorzüglichsten Bemühungen war die Gründung und Erhallung wohlthätigerJnstiiute. AIS solche nennen wir die Taubstummen-Anstalt, daS Krankenhaus für daSweibliche Geschlecht und alle Arme, da Gorz in dem Spitale der Barmherzigen ohne-hin eine Krankenanstalt für daS männliche Geschlecht besitzt; ferner ein Institut fürarme verlassene Kinder. Außer, daß er diese, so wie er ihr Gründer war, mit reichenAlmosen unterstützte, übte er an allen andern bestehenden Anstalten dieser Art an dendort zahlreichen Schaaren der Armen jeder Gattung die Tugend der Wohlthätigkeitgani, nach dem Beispiele eines Vincenz de Paula. ES wäre zu weitläufig und einefortwährende Wiederholung, wenn nicht der Thatsachen, doch der Worte, ihn vondieser Seite noch ein WenereS zu schildern; genug, daß man nach seinem Tode nichteinmal so viel an Baarschafr fand, die nothwendigen Begräbnißkosten anS derselbenbestreiken zu können, daß er, um bei dem zunehmenden Mangel, und dieser hatte imMißjahre 1853, wo die Traudenkrankhcit die letzte Hoffnung deS LandmanneS ver-nichtete, den höchsten Grad erreicht — in seinen alten Tagen selbst seine Pferde ver-äußerte, und sonach, wenn eS daS Kirchenfest oder sonst der Anstand forderte, sichder Poftgelegenheit bedienen mußte.