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DaS Jahr 1848, wo er, der Mann deS Friedens, der Gesetzlichkeit und lrene-sten Anhänglichkeit an Fürsten und Vaterland, alle die Wirren der Revolution in derNähe und Ferne sehen und erfahren mußte, hatte sein zartfühlendes Gemüth um somehr verletzt, als die Empörung im Venetianischen sich unmittelbar bis an seine Re,sidenz ausdehnte, und gerade in deren Nähe im April der blutige Zusammenstoß mitden Aufrührern sich ergab. Auch hier zeigte sich sein edleS Gemüth im schönsten Lichte,besonders als eine Schaar Wittwen und Waisen aus den zerstörten Dörfern nachGörz strömten und sich die Spitäler mit Kranken und Blessirten füllten. Es war fürihn eine sichtliche Erquickung nach diesen schmerzlichen Aufiritten, im Jahre 18-49zur Versammlung der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen, sich an dem großenWerke der kirchlichen Restauration betheiligen zu können. Seine Mäßigung, seineBescheidenheit und sein richtiger Tact erwarben ihm die allgemeine Hochachtung undLiebe jener seiner oberhirtlichen AmlSgenossen, die ihn bisher noch nicht gekannt hatten.Diese Veranlassung zur Kundgebung so seltener Eigenschaften war auch die Gelegen-heit, wo Se. k. k. apostolische Majestät das Verdienst mit der Ernennung Fürst-bischofs Luschin zu a. h, Ihrem geheimen Rathe auszeichneten, und im Jahre 1852durch Verleihung des GroßkreuzeS des LeopoidordeuS den unwandelbar treu ergebenenPrälaten, welcher durch Wort und Beispiel im Jahre 1843 so viel zur Pacificntionund guten Haltung der ihm so sehr ergebenen Provinz beigetragen, der AllerhöchstenGnade versicherten.
Im Jahre 1851 beging L usch in die Säcularfeier der Errichtung ?eS GörzerErzbisthums und widmete ihr ein eigenes, die betreffenden historischen Notizen enthal-tendes, gleichzeitig in Görz erschienenes, typographisch würdig ausgestattetes Heft.
Da daS Lebensende des Menschen der Probierstein seines innern GehalteS ist,da in dieser Periode wir alle uns gleichen und daher daS Beispiel auch deS noch sohoch Gestellten für jeden auS unS den Spiegel zur Nachahmung gibt, sey eS gestat-tet, bei jener Schilderung noch etwas länger zu verweilen, welche ein Augenzeugein der „Danica" ihren Lesern und damit dem slovcnischen Theile der Heerde deS Ver-ewigten von seinen letzten Augenblicken macht.
Die ursprüngliche Krankheit, die den hochwürdigsten Erzbischof, der nun in seindrei> ndsiebzigstcs AlterSjahr getreten war, schon in der Miitfaste 1854 ergriff, warein Husten, welcher in der Eharwoche so weit zunahm, daß er genöthigt war, dieWeihe der heiligen Oele in einer HauScapelle vorzunehmen. Bereits am Mittwochnach Ostern verschlimmerte sich sein Zustand so sehr, daß er Nachmittags sich legenmußte. Bei all seiner Schwäche stand er noch am Donnerstag auf und hielt Bera-lhung; doch den Kvpf konnte er nicht mehr ausrecht halten und athmete schwer. Inder Nacht darauf fühlte er sich so übel, daß er sich am Freitag Nachmittags um vierUhr von der Domkirche auS feierlich versehen ließ. DaS Schwankende seines Krank-heilSzustandei ließ sich am 38. April wieder so gut an, daß selbst die Aerzte wiederHoffnung hegten; doch nun trat daS Slergste ein. Der hochwürdigste Oberhirt, derPater so vieler der Seinen, wurde von einer Blasenbildung in seinem Munde undHalse diS in die Speiseröhre befallen, so daß er nicht schlucken, kaum etwas sprechenkonnte. Von da an bis zu seinem am 2. Mai erfolgten Hinscheiden konnte er nichtsmehr zu sich nehmen und mußte im eigentlichen Sinne verschmachten; sein Geist nurblieb stark und seine Geduld ungebrochen, keine Klage entging seinen Lippen. Beidem Antrage, ihn auf ein anderes Bett zu überlegen, sprach er: „auch der Heilandhäugt immer am nämlichen Kreuze." Als man ibm zu trinken reichte, da sein Mundganz vertrocknet war, verneinte er eS mit den Worten: „Auch der Herr litt Durst."Bei vollem Bewußtseyn fortwährend auf daS Crucifix blickend, welches er in seinenHänven hielt, waren seine letzten vernehmbaren Worte, die er deutsch sprach: „O Herr,o Herr, o mein Herr!"
Kurz vor seinem Hinscheiden am 1. Mai Mittags trat der eben von der Reisenach Wien zurückgekehrte hochwürdige Herr Dvmprobst Baron Codelli vor sein Sterbe-lager, ES war ein tief erschütternder Augenblick, als der Fürsterzblschof seine Hand