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ergriff und an die Brust zog, unvermögend, von seinem Freunde sonst Abschied znnehmen. LautloS war der Schmerz, den nur beiderseinge Thränen verkündeten. Von10 Uhr Abends des 1. Mai bis halb 3 Uhr Morgens des 2. rührte sich der hohePatient auf seinem Lager nicht; ohne sichtbaren Kampf endete sein Athem, undsein Beichtvater, der sich seit vierzig Stunden nicht entfernt hatte, drückte ihm dieAugen zu.
Den herben Schmerz, die allgemeine tiefe Trauer zu schildern, als das Geläuteden Tod des geliebten Oberhirtcn verkündete, wäre vergeblich. Er drückte sich amsichersten dadurch aus, daß wie sein Vorzimmer während seiner Krankheit von Fragen-den immer voll war, und die Stadtbehörve die Straßen neben der crzbischöflichenResidenz zur Verhü-ung deS Gerassels sperren ließ, die Besuchenden an der Todten-Bahre sich fast erdrückten, und alle Kaufläden schwarz behängt und abgeschlagen waren.
Bei dem Leichenbegängniß fanden sich über fünfhundert Bürger mit Wachssackelnein und von allen Gegenden kamen Leute herbei, um sich dem Zuge anzuschließen,den der hochwürdigste Bischof von Trieft, BarlholomäuS Legat führte. Die sterblichenUeberreste deS Theuren wurden in der Gruft der in der Mitte deS FriedhofeS stehen-den Eapelle, welche sein Vorfahre, Erzbischof Walland, für sich und seine Nachfolgerbauen ließ, eingesenkt, und nach dem Weihwasser und den Segnungen der Kirchewerden fortan lange noch die Thränen und die Danksagungen der Armen seinen Lei-chenstein bedecken DaS Testament des Hochseligen bestimmte, daß sein ohnehin fastnur aus Parainenten und Einrichtungsstücken bestehendes Vermögen in drei Theilegetheilt werden solle. Eine» davon erhielten die Görzer barmherzigen Schwestern, denzweiten die Sradtarmen daselbst und den dritten sein HauScaplan und Secrctär, dieDieuftleute und die Klagmfurter Elisabelhinen ebenfalls zu gleichen Theilen.
In seiner äußern Erscheinung vereinte ter hohe Kirchenfürst imponireude Würdeund klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermannin so hohem Grade, daß man sich unwillkürlich von ihm angezogen uud erbaut fühlenmußte. Tiefe Andacht und heiliger Ernst drückte sich in seinen Mienen und Gebcrdcnaus, wenn er heilige Handlungen verrichtete; seine Worte sprach er langsam undgewichtig, und sie drangen in das Herz. Wie groß seine Sanftmuth war, kö-ineudie am besten bezeugen, welche ihn umgaben, und in den verschiedensten Lagen desLebens beobachten konnten. Er hörte ruhig jede Klage, jede Se!bstver!hcidignn,,, jedefremde Meinung an, goß Oel der Tröstung in jedes wunde Herz. Ohne guten Rath,ohne weise Belehrung, mit aller Demuth ertheilt, entließ er keinen von sich. Jemandandern zu strafen war ihm schwerer, als sich selbst; er schien mehr ein Bittender alsGebietender, Man wollte in ihm den heiligen Franz von SalcS abgebildet gesehenhaben; daß er eS dem Geiste nach war, beweisen seine hinterlassenen Papiere, unterdenen sich ein Manuscript deS heil. Franz von SaleS und zwei deS heil. A>p''onsuSvon Liguori fanden. Luschins Biograph in der Wiener Zeitung konnte gegenüberihren Lesern in den weiten Kreisen der Monarchie sagen: „Ein mit so hohen Tugen-den reichlichst ausgestatteter ch.ttenvoller Lebenswandel wendete ihm eine so iuuigeallgemeine Verehrung ^u, wie sie kaum irgend Jemand zuvor in Görz geuossen,"
ES sey uns erlaubt, am Schlüsse dieser zwar längcrn, aber im Gegenhalle einessolchen LedenS doch nur sehr kurzen Biographie noch einmal zu dem Eingange dcrsUbenzurückzukehren ES belriffr dieses Scheidewort sein Vaterland, seine Heimat. WenneS schon an sich ein Haup'zug eines edlen Herzens ist, seines Vaterlandes nicht zuvergessen, seiuer Heimat, seiner armen niedern Herknnft sich nicht zu schämen, so wardiese Eigenschaft bei Fürsterzbischof Luschin um desto hervorragender, als ihn, derbereits beim Eintritts in den Priesterstand alle seine Theuren verloren hatte, keinBand der Pflicht an seine Geburtsstätte fesselte. Indessen, so widrige Erfahrungener, wie Eingangs geschildert, in seiner Heimat mach-e, fuhr er deunoch fort, fürAlles, was dorr noch von seiner Jugend her bestand und lebte, für Kirche, Gemeinde,für dag religiöse sittliche Seyn derselben die innigste Theilnahme zu fühlen. Die zahl-reichen Briefe, die er dießfalls an den dom'gen hochwürdigen Probstvsarrer nnd Dechant