Ausgabe 
14 (3.9.1854) 36
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Spanier zu ihrer Königin; sie kennen nicht die Milde und Großmuth ihres Charakters.Die Diener des Palastes, namentlich die, welche alt geworden sind im Dienste ihresVatcrS, beten sie an. In der letzten Krankheit einer alten und treuen Dienerin zuArcmjuez war sie eS, welche den letzten Athemzug der Sterbenden aufnahm. Tausendehaben eS gesehen, wie sie aus dem Wagen stieg und niederkniete, als die heiligeWegzehrung zu einem Kranken getragen wurde, und wie sie in ihrer Gallakleidung,von Diamanten strahlend, mit einer Kerze in der Hand zu der ärmlichen Hülle ging,wo eine sterbende Frau die heilige Wegzehrung empfangen sollte, während der Priestermit dem «Ziborium in ihrem Wagen saß. Sie stieg mit Thränen in den Augen dieenge Treppe hinauf und km'eete aus dem Boden nieder, bis der Priester sein heiliges

Amt verwaltet hatte..... Fast alles öffentliche Scandal in Madrid wird durch

vornehme Engländer verursacht, und es ist sprichwörtlich, von Einem, der ein schamloslüderlicheS Leben führt, zu sagen: er lebt wie ein Engländer."

Nicht minder tröstlich laulet sein Urtheil über das Verhalten der Geistlichkeit,über die religiösen Gesinnungen der überwiegenden Mehrheit deS Volkes und über dieBestrebungen der Regierung für Belebung und Kräftigung deS kirchlichen LebenS.

Die Kirche," sagt erwelche seit der Thronbesteigung der Königin stetsmit der Strenge antichristlichen Hasses oder der Gleichgiltigkeit eineö selbstsüchtigenJndifferentiSmuS behandelt wurde, fängt seit einigen Jahren, namentlich seit demAbschlüsse deS ConcordateS, langsam abcr stetig an, die Stellung wieder zu gewinnen,die sie einst im spanischen Staate hatte, und die sie nie aufgehört hat, im Herzender großen Majorität der Spanier einzunehmen. Ich will nicht sagen, daß der welllicheEinfluß und die äußere Macht der Kirche sehr zunimmt; aber ihre Hirten, die durchden Feuerofen der Revolution hindurchgegangen sind, zeigen einen Eifer in der BewahrungdeS reinen Glaubens und in der Verbreitung deS Geistes der Frömmigkeit und Sittlichkeitunter den Massen, welcher den besten Erfolg hat, selbst in Städten, die vor zehnJahren noch der Sitz des Lasters und der Irreligiosität waren. Ihre Bemühungenverdienen doppelte Anerkennung bei der großen Zahl von geheimen und offenen Feinden,mit denen sie zu kämpfen haben. Denn leider gibt eS auch in unserm Lande einenicht so zahlreiche, als dittere, nicht so einflußreiche, als verwegene Partei, welcheunter dem wohlklingenden Namenliberale" selbst den Thron GotteS über den Haufenwerfen möchte, wenn er ihrem Fortschritt im Wege stände. Aus Bosheit oder Dummheitbegünstigen sie jedeö System, welches den Katholicismus in Spanien zu untergrabensucht, wiewohl sie sich scll'st Katholiken nennen; römisch, katholisch, apostolisch sinddie Namen, welche selbst Diejenigen für sich in Anspruch nehmen, die unter denBeamten und unter dem Volke in Städten und ans dem Lande nach Cultusfreiheitrufen, und die Grundsätze des Protestantismus verblei en durch Begünstigung derAgenten der Bibelgesellschaften, durch Ucbersetzung und Vertheilung ihrer Tractate unddurch Artikel, die sie denlimes" nnd andern Blättern einsenden mit heftigenDeclamalionen über die Jutolerunz des sc.indalrcichen HofeS und der bigotten Geistlichkeit.Ihre blinde Verehrung gegen das goldene Kalb englischer Macht und Größe, ihrefalsche Vorstellung von Englands Toleranz nnd seiner Politik veranlassen sie, AlleSzu verhöhnen, was nicht einen englischen Anstrich hat, und darum suchen sie überalldem englischen Einflüsse Eingang zu verschaffen, und die Saat deS JrNhumS untereinem Volke auszustreuen, welches seit seiner Bekehrung zum Christenthu-n fast nichtweiß, waö Häresie ist. Unter ihrem Schutze ziehen Engländer im Auftrage vonBibel- und andern Gesellschaften im Lande umher und vertheilen hübsch gebundeneprotestaniische Bibeln und Tractate heimlich oder in einer Weise, welche kein großesVerlangen nach der Märtyrerkrone beweist, z. B. indem sie dieselben auS dem WagenVorübergehenden zuwerfen."

(Fortsetzung folgt.)