Ausgabe 
14 (3.9.1854) 36
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Kirchliche Notizen.

Salzburg , 12. Aug. Am 27. v. M. starb zu Sebenstein bei Wiener-Neustadt nach einer längern Krankheit die General-Oberin deS Institutes der Schul-schwestern, Xaveria Lienbacher.. Sie war im Jahre 1812 in der Pfarre Kuchl bei Salzburg geboren. Während des Besuches der Mädchenschule zu Hallein empfahlsie sich durch ihre Sitten und Fähigkeiten, weßhalb sie auf ihre Bitte im Regelhausezu Halleiu, dem Mutterhause deS Institutes der Schulschwestern, Aufnahme fand undzur Dienstleistung im Hause verwendet wurde. In dieser Zeit lernte sie daS Institutgenau kennen und gewann das Ordensleben so lieb, daß sie im Jahre 1830 in denOrden aufgenommen wurde, und nach einem Jahre die Profeß ablegte. Durchmehrere Jahre ertheilte sie den Unterricht in der Mädchenschule und hat in dieser Zeitdurch ihre Eigenschaften und ihr Benehmen das Vertrauen und die Liebe der Ordens-schwestern so sehr gewonnen, daß sie im Jahre 1841 zur Oberin deS RegelhauseSerwählt wurde und seitdem in diesem Amte verblieb. Unter ihrer Leitung hat sich dieZahl der Mitglieder des Institutes von von 10 bis auf 54 nebst mehreren Kandida-tinnen erhöht. Die Frömmigkeit der Ordensschwestern, ihre Befähigung beim Unter-richte und in der Erziehung der Jugend haben dem Institute in so hohem Grade dasallgemeine Vertrauen erworben, daß sie durch die Unterstützung edler Wohlthäter,besonders aber durch die großmüthigste Munificenz Allerhöchstihrer Majestät der KaiserinWittwe Carolina Augufta im Stande waren, Filialen zu gründen und die Leitungmehrerer Erziehungsinstitule, Kinderbewahranstalten und Arbeitsschulen zu übernehmen.Lavcria Lienbacher wurde zur General-Oberin des Ordens ernannt und begab sich imJahr 1852, jedoch schon damals mit einem Lungenleiden behaftet, nach Wien , umvon dort die neu errichteten Filialen zu leiten. Obwohl mit schwerer Krankheit bedrückt,verwaltete sie ihr Amt mit vieler Umsicht zum Besten deS Institutes und erwarb demOrden stets mehr Gönner und immer größere Beliebtheit. Um ihre Leiden zu erleich-tern, nahm sie im Juni d. I. ihren Wohnort zu Sebenstein, wo sie an, 27. v. M,selig im Herrn entschlief. Welcher Gnade sie von ihrer hohen Schntzfrau gewürdigtwurde, ist daraus ersichtlich, daß Allerhöchstdieselbe nach erhaltener Nachricht vonihrem Tode eine namhafte Summe anweisen und nach Sebenstein zusenden ließ, damitdie Leiche der Verstorbenen würdig bestattet werde. Unter der Leitung der Schul-schwestern stehen gegenwärtig folgende Institute: Das Stamm- und Mutterhaus inHallein mit achtzehn Schwestern; die Kiuderbewahranftalt Fridericia in Salzburg mitzwei Schwestern, ein ErziehungSinttitut und Kindcrbewahranstalt in der Wiener Vor-stadt Erdberg mit siebzehn Schwestern; die Kinderbewahranstalt zu Baden bei Wien mit drei Schwestern, die Mädchen- und Kinderbewahranstalt zu Sebenstein bei Wiener-Neustadt mit drei Schwestern; die Kinderbewahranstalt und Industrieschule zu Wiener-Neustadt mit zwei Schwestern; die Arbeitsschule in der Wiener Vorstadt Nennweg mitzwei Schwestern; die Bewahranstalt und Arbeitsschule in Neunkirchen , mit drei Schwe-stern; die Bewahranstalt in der Wiener Vorstadt Scholtenfeld mit zwei Schwestern;die Filiale Judenau in der St. Pöltner Diöcese mit drei Schwestern; in der Linzer Diöcese die Kinderbewahranstalt zu Hallstadt bei Jschl mit zwei Schwestern. WienerBlätter melden, daß auch die Leitung des RettungShauseS für weibliche Jugenv amAlscrgruud zu Wien den Schulschwcsteru übertragen werden soll, und daß beantragtsey, die Schulschwestern in gleicher Weise, wie sie der weiblichen Arbeitsschule amRennwcg vorstehe», allen übrigen weibliche» Arbeitsschulen als Lehrerinnen deizugeben.Wir bezweifeln jedoch, daß dieser fromme Wunsch schon in nächster Zeit realisirr werde,da der Orden gegenwärtig nicht so viele Mitglieder besitzt, um die Leitung allerArbeitsschulen zu übernehmen. (Salzb. Kbl.)

Salzburg. Im Jahre 1853 bestanden im Herzogthume Salzburg 147 katholischeVolksschulen, nämlich 2 Hauptschulen, 140 Trivialschule» und 5 Mädchenschulen.Sämmtliche Ortschaften, 716 an der Zahl, find eingeschult, in denselben wurden,mit Ausschluß der Sonn- und Feiertagsschüler 14,085 schulfähige Kinder gezählt,