Ausgabe 
14 (10.9.1854) 37
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lehren Viertel des siebenzehnten Jahrhunderts war der doppelte Autoritätsstreit schonMann geworden, und in dieses letzte Vierteljahrhundert füllt die Geburt Voltaire'S,

(Fortsetzung folgt.)

Spanien .

(Fortsetzung.)

Vor dem Concordat zählten die 61 Kathedralkirchen 4384 Kleriker: Erzbischöfe,Bischöfe, Dignitäre, Kanoniker und Benificiaten. Kraft deS mit dem heiligen Stuhlegeschlossenen Vertrages wurde diese Anzahl bis auf 1912 reducirt, und wird bei derSuppression der achl designirten Diöcesen und der Errichtung der drei neuen Bischofs-sitze zu Madrid , Ciudad-Real und Vittoria noch vermindert werden. Der Eifer, mitwelchem der Episkopat sich der Seminarien angenommen, hat bereits seine Fruchtegetragen; denn während im Jahre 1843 daselbst 15.022 Zöglinge gebildet wurden,beläuft sich in diesem Jahre ihre Zahl auf 19,485. Die Regierung verleiht denselben685 vollständige und balbe Freiplätze. Spanien hat 877 Frauenklöster mit 11,601Nonnen, von denen 7582 von der Regierung eine Pension erhalten. Ihre Anzahldarf nach den mit den Prälaten getroffenen Vereinbarungen auf 21,648 steigen. DieMännerklöster hat man bekanntlich vollständig aufgehoben, und nur eine kleine AnzahlHäuser, deren Bestimmung ist, das heilige Land, die Philippinen, Cuba :c. mitMissionären zu versorgen, wieder errichtet. Vor der Aufhebung gab es 3027 religiöseGenossenschaften, von denen 312 Besitzfähige und 2706 Mendicantenklöster waren.Die zahlreichsten waren die minderen Brüder der Observanz, welche 805 Klösterhatten; dann folgten die Dominicaner mit 351, die Carmeliten mit 297, die Angu-stiner mit 269, die Recollecten mit 171, die Capnciner mit 132, die Bernhardinermit 130 Klöstern. Man zählte ferner 16 Kalthäuser, 10 Jesuitenhäuser, 8 Lazari-stenhäuser, 24 Häuser von Regulär - Klerikern für christliche Schulen u. f. w. DaSKirchenbudger beläuft sich auf 44 Millionen und einige 100,000 Francs. Da dieVeräußerung der Kirchengüter mehr als 12 Millionen einbrachte, ist der Staat nochungefähr 32 Millionen zu zahlen verpflichtet. *)

Die Geistlichkeit hat viel gelitten, aber durch die Leiden ist sie geläutert worden;ihre Bildung ist gut und ihre Wachsamkeit für ihre Heerden größer, als der Eiferder Feinde. Der gestimmte Episkopat hat einen unerschrockenen und kräftigen Kampsgegen die schlechte Presse**) begonnen; bereits sind gegen dreißig Hirtenbriefe undamtliche Erlasse in dieser Angelegenheit erschienen. Eines der wichtigsten dieser Akten-stücke ist die Denkschrift, welche die Erzbischöfe von Valencia und Scvilla der Königinüberreicht haben. DaS Schreiben des Cardinal-Erzbischofs von Sevilla lautet:

Senora! Der Cardinal-Erzbischvf von Sevilla trägt Ew. Majestät mit dergrößten Hochachtung Folgendes vor: Die Habsucht eiuiger Drucker und Buchhändlerund ihre Irreligiosität suchen Spanien mit obscönen, ketzerischen und gottlosen Büchernzu überschwemmen; sie treiben ihre Kühnheit so weit, daß sie die Prospecte derselbenden Bischöfen zuschickten, als sollten diese sie verbreiten. Unter den schmählichenPlänen dieser gewissenlosen Buchhändler hat jetzt hauptsächlich ein Werk meine Auf-merksamkeit auf sich gezogen, welches unter dem NamenBibliothek deS freien ManneS"angekündigt wird; der Katalog desselben umfaßt nicht allein von den kirchlichen undstaatlichen Behörden verbotene Bücher, sondern auch einige, welche in Frankreich vonHenkershand verbrannt sind. Im Hinblicke auf ein so verderbliches Aergerniß uud auf

Nach der<Fgcela occlosiastieii."**) Blätter, die eine katholische Tendenz haben, gibt es in Spanien vcrhältnißmäßig wenige;unter den 1012 größeren politischen Blättern, die in Madrid erscheinen, nur zwei,L> L.ilolieo"undI.a Lsperimxain diesen Tagen ist aber ein neues katholisches Wochenblatt angekündigt unterdem Titel:l.g Lspimns eglolicg." In Portugal scheint die katholische Presse verhältnißmäßigstärker zu seyn.