Ausgabe 
14 (10.9.1854) 37
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die Pflicht meines bischöflichen Amtes habe ich eS nicht für genug gehalten, solcheWerke zu censuriren, da diese Censuren für alle Diöcesen der Christenheit schon pro-mulgirl sind, und nicht hinreichen, dem Uebel abzuhelfen; die spanischen Sitten, dieWürde des ThroueS Ew. Majestät und die der Religion schuldige Achtung verlangen,daß die Verbreitung so verderblicher Bücher gehindert uud daß sie confiScirt wervengemäß den in den Gesetzbüchern Philipps II., Carls lll. und Carls IV, enthaltenenBestimmungen. Ich will mich nicht über die Gefahren vertreiben, die der Monarchiedrohen, wenn man eine solche Verhöhnung der Majestät des Thrones und der Heilig-keit der Religion duldet; ich will auch nicht davon reden, daß Ew. Majestät, die sichBeschützerin der Kirche nennen, durch diese» Ehrennamen verpflichtet sind, solchen bösenPlänen entgegenzutreten; denn ich bin sest überzeugt von dem Eifer Ew. Majestätund von dem Schmerze, den Ihnen dieses Treiben bereitet. Als königlicher Rathwelches Amt mir als Erzbischof zusteht will ich aber nicht unterlassen, Ew. Maj.darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn Ew. Majestät es im Interesse der Kronefür nothwendig hält, nicht nur die Cvnlrcbande zu verbieten, sondern sie zu confiscireu,das Interesse der Kirche, der Glaube uus.rer Väter und der Friede des Reiches nichtmindere Strenge in Bezug auf die erwähnten Bücher verlangen. Darum bitte ichEw. Majestät, diese meine Anklage gegen dieBibliothek des freien ManncS" inErwägung zu ziehen, ihre Verbreitung zu verbieten, die darin enthaltenen ketzerischen,obscönen nnv gottlosen Bücher zu confiscircn und diejenigen zu strafen, welche sie ver-breiten im Widerspruch mit den Geboten der Kirche und den ausdrücklichen Gesetzen dererla-nchtcn Vorfahren Ew. Majestät. Judaö Joseph, Cardinal-Erzbischof von Sevilla ."

Die liberalen Blätter kennen kein Maaß in ihrem Lärmen über diesenKriegder Bischöfe;" vor allen zeichnet sich in dieser Hinsicht dieKacion" aus, welche gegenJesniusmuS, religiöse Ream'on und dergleichen ganz im Slyle der englischen aulip.ipi-stifchcn Blätter eifert, was sich erklärt, wenn man weiß, in welchen Beziehungendieses Blatt zu dem englischen Gesandten Lord Howdcn steht. DieXgcion" Hut dennmich die Entdeckung gemacht, die bewaffneten Schaaren, welche vor Kurzem CataKnienbeunruhigten, von denen man jetzt aber schon nicht viel mehr hört, seyen Carlisten,und dieß hänge damit zusammen, daß in jener Provinz der Klcrnö am meisten Einflnßhabe und die religiösen Bruderschaften am verbrcitetsten seyen. DieKspgnrm", dasOrgan der gemäßigten Liberalen, ist denn doch einsichtig genug, zu gestehen, daß voneiner Uebertreibung deS religiösen Eifers, wovon die^acüon" zu sprechen liebt, demLande keine Gefahren drohen, wohl aber von den unsittlichen, Religion und Monarchieunterwühlenden Schriften und Blättern, gegen welche die Bischöfe pflichtgemäß einschreiten.

Die Bischöse sind übrigens auch nach den Landesgesetzen vollkommen in ihremRecht. DaS Concordat vindicirt ihnen in Artikel 2 und 3 das Recht, gegen Bücher,welche dem Glauben oder den Eilten schädlich sind, einznschreiien, und eS wird ihnendazu der Beistand der weltlichen Macht zugesagt. Die Gesetze, welche die Freiheit derPresse auösprechen, haben die Nothwendigkeit einer Prüfung von Seite der Bischöfe beiSchriften, welche religiöse Fragen berühren, anerkannt. So die Gesetze vom 20 Oct.1820, August 1836, 9. April 1844. Dennoch haben die entfesselten Leidenschaftendie Blätter mit der maßlosesten Polemik gegen den Episkopat angefüllt. Die liberalePresse würde übrigens gewiß nicht so heftig gegen das Auftreten der Bischöse eifern,wenn sie sich nicht gestehen müßte, daß bei der großen Mehrzahl ccr Spanier, trotzaller Aufkläruugsvcrsuche des Liberalismus und JndisserentismnS, ein bischöflicherHirtenbrief mehr gilt, als ein Dutzend liberaler Leitartikel.

«Schluß folgt.)

Gott und die Gebildeten.

Bezeichnend ist es, wie sich die vornehme Welt und dieGebildeten" von Gott entfernen, wenn man z. V. nur einige gewöhnliche Gruß-., Wunsch- unv HöslichkcitS-Formeln betrachtet.