Ausgabe 
14 (24.9.1854) 39
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die gegen Gründe und Bitten taub ist, alle gesetzlich erlaubten Mittel anwenden, umgegen ihren blinden Eifer zn kämpfen? Bei dem Chambers'schen Antrage ist eS ihnenwirklich gelungen, durch ihren hartnäckigen Widerstand bei jedem Schritte, durch end-lose Reden und durch stets wiederholte Abstimmungen über Vertagung das Unterhausso gründlich zu langweilen und zu drangsaliren, daß man es endlich für gerathen fand,ihnen für dieß Jahr uachzugeben und die Sache bis zur nächsten Session ruhen zulassen, um zu andern wichtigern Geschäften übergehen zu können.

Whiteside, ein Mitglied deö Derby'schen Ministeriums, hatte an den Cham-bers'schen Antrag einen ähnlichen angeschlossen, wodurch den Klosterfrauen daS Rechtbeschränkt werden sollte, über ihr Vermögen zu Gunsten ihres Klosters zu di'Sponiren;er hat eS, durch daS Schicksal des Chambers'schen Antrags gewarnt, gleichfalls fürbesser gehalten, die Sache für dieß Jahr fallen zn lassen, wiewohl er einer Majoritätsicher seyn konnte.

Spooner, vielleicht der schroffste und eigensinnigste Gegner der Katholiken imUnterhause, hat s-leichfalls mik seinen antipapistischen Anträgen für dießmal kein Glückgehabt, wiewohl er es an Eifer nicht hat fehlen lassen. Sein Antrag, die von derRegierung dem katholischen Seminar zu Maynooth gezahlten Subsidien, wenn nichtwegsallen zn lassen, doch wenigstens von der jährlichen Bewilligung deS Parlamentsabhängig zu machen, ist durchgesallen und von der Commission, welche auf seinenAntrag voriges Jahr niedergesetzt wurde, um daS im Semiuar befolgte ErziehnngS-system zu untersuchen, hört man bis jetzt so gut wie nichts.

Der Erfolg der antikalholischen Bestrebungen im Parlamente ist überhaupt indieser Session sehr gering gewesen. DaS ist aber auch unwichtig in Vergleich zu derunbestreitbaren Thatsache, daß die feindliche Gesinnung gegen die katholische Kirche indieser Session im Parlamente sehr stark in den Vordergrund getreten ist, trotz derwichtigen Frage, von welcher man hätte erwarten sollen, daß sie alles Andere zurück-dränge» würde. Auch ist nichr zu läugnen, daß die Gegner der katholischen Kirche im Parlamente in den letzten Sessionen allmälig immer mehr Terrain gewonnen haben,und wenn nicht ein plötzlicher Umschwung eintreten sollte, ist zu erwarten, daß in dernächsten Session eine Maaßregel gegen die Klöster durchgeht, daß schon bald dieMaynooth -Dotation zurückgenommen wird, unv daß die DiScussion sich in den näch-sten Sessionen schon um die Aushebuug der Katholiken-Emancipation drehen wird,man spricht schon stark davon, eS werde in der nächsten Session ein darauf bezüglicherAntrag eingebracht werden.

Ich halte eS für eine unrichtige Auffassung, wenn man diese ganze Bewegungbloß als eine Aeußerung deS blinden und gemeinen Hasses gegen die Kirche ansieht.Allerdings sind, vielleicht Nordamerika ausgenommen, wohl in keinem Lande unter denProtestanten die Vorurtheile gegen die katholische Kirche so stark und so weit verbreitet, wiein England und Schottland , Die unsinnigsten Fabeln von den Greueln derrömischenKirche," von der Herrschsucht der Priester, den Intriguen der Jesuiten u. s. w. findendort noch gläubige Hörer und Leser und die Schmutz- und Lügen-Literatnr läßt eS anBemühungen nicht fehlen, die Vorurthn'le zu unterhalten. Selbst in den größern Zei-tungen findet man in dieser Hinsicht Mißverständnisse. Unwissenheit und Lügenhaftig-keit, die an'S Unglaubliche gränzen. Unter den Gebildeten gilt die katholische Religionmindestens für eine eines englischen Gentleman unwürdige, wohl hauptsächlich darnm,weil sie die Religion Paddy'S, deS verachteten JrländerS ist. Der Glaube, der Papststrebe dauach, Ihre allergnädigste Majestät zu entthronen und daS englische Reichdurch einen Cardinal-Legaten regieren zu lassen, ist weiter verbreitet, als man fürmöglich halten sollte. Die Uebertritte zur katholischen Kirche haben bei der großenMenge nur dazu gedient, die Abneigung gegen die Kirche zu verstärken und auch aufdie Puseyiter auSzudelmen. Daraus erklärt sich, daß dem großen Hansen Alles gründ-lich zuwider ist, was ihn an die Fortschritte erinnert, die der Katholicismus unver-kennbar in den letzten Jahrzehnten in England gemacht hat. Daraus erklärt sich daSGemisch von Angst und Unwillen, welches sich regt, wenn der Katholicismus in die