Ausgabe 
14 (24.9.1854) 39
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Verbrechen, eS ist ein Fehler.) Voltaire aber kannte die Ansicht der Welt sehrgut, und wollte sich um keinen Preis des Lasters der Armuth schuldig machen,sondern, und dieß auch um jeden Preis, reich werden. Wir wollen ihn ungesehenbegleiten, um seine Mittel zum Zwecke kennen zu lernen, und sind darunter welche,die vor dem Richterstuhl der Moral, der Gerechtigkeit, und selbst vor dem der kon-ventionellen Ehre, schlecht bestehen, so mag er's verantworten. Mit der Auf-führung seiner Dramen machte er den Anfang, dann folgte die Herausgabe seinerWerke aller Art und in allerlei Format. Pensionen,auf den königlichen Schatz, aufdie Privatschatulle der Königin und des Herzogs von Orleans, Lotterien, Handel mitGemälden, Diamanten und Getreide, lieferten das dritte Contingent. Darauf kommenVerträge mit Buchhändlern aus den vornehmsten Städten Frankreichs, Englands ,Hollands, Deutschlands und der Schweiz , wobei einmal vier zu gleicher Zeit dasselbeManuscript um schweres Geld an sich brachten, indem Jeder nach der Versicherungdes AutorS darauf geschworen hatte, der alleinige Bevorzugte zu seyn. Lieferung vonLebensmitteln und Kleidungsstücke an die Armee, Actien, Antheil an Schiffen, Kon-trakte, Wechselscheine, Geldverleihen gegen Leibrenten und ans Hypothek, Tratten,Geldwechsel :c. rundeten den Haufen immer mehr. Diplomatische Unterhandlungen,vor-heilhafte Übertragung von Sinecuren, Rückverschreibungcn, Erbpachte, Urbar-machung weitschichtiger Haidcn, Selbstbewirthschaftung von drei beträchtlichen Kron-gütcrn, Allodien , Zehnten, Anlage von Mannfacturen, Hänserverkauf, Spiel, Spion-dienste, gemeine Speculationen, Stellionat und andere schändliche Gaunereien, steuertenebenfalls nicht wenig bei, und die Ausbreitung aller Stände setzte dem Werk die Kroneaus. Seine Kammerdiener, die auch seine Schreiber waren, Verwandte und Freunde,vom Schauspieler und Taglöhner bis zum Autokralor aller Reußen, kurz, keiner bliebungerupst, um den hab- uud ehrgierigen Federhelden zum Millionär, Grafen undGrundherrn zu machen. Voltaire liebte Pracht und Wohlleben, aber nur, wenn sieihm nichiS kosteten. Darum wanderte er in seiner Jugend von Schloß zu Schloß,und in seinen reifen Jahren sah man eine Präsidentin, eine Baronin und eine Mar-quise um die Wette alten Anstand bei Seite setzen, um ihn auf ihren üppigen Land-sitzen zu beherbergen, zu bewirthen und zu lobhudeln. Er war mich ein zu guterRechner, um nicht längst herausgebracht zn haben, daß Briefporto, Steuern undEinquartierung die Einkünfte deS davon Heimgesuchten nicht vermehren, und Halle er,der damals schon zwei Meilen Grund besaß, Klugheit und Einfluß genug, um sichvon diesen drei lästigen negativen Erwerbsmitteln Befreiung zu erwirken. Und sohatte er denn endlich auch die Freude, Dankseiner Ausdauer und tausend zweibeinigenKünsten und Kniffen, sich an der Spitze von 140,000, sage einhundertvierzigtausendLivreö Renten zu sehen, etwa so viel, als sein berühmter College, unser Zeilgenosse,Herr Scribe zu Paris , sich mit eigenen und fremden Fingern zusammengeschrieben hat.Legen wir diesen Mammon nun mit den übrigen uns schon bekannten VorzügenVoltaire'S in die eine Schaale, Edelmuth, Selbstverläuguung, Rechtschaffenheir undFrömmigkeit 'in die andere, und geben dann die Waage selbst in die Hand des Jahr-hunderts, das mit bewuudernSwürdiger Gewandtheit bis an die Knöchel, was sagenwir? bis an die Kniee und höher im Schlamme watete, ohne seine Eöcapins undweißseidcne Strümpfe zn beschmutzen, so wird eS Niemanden auffallen, wenn jenevon beiden Schaalen sinkt, diese in die Höhe geschnellt wird, und Jever wird diecolossale Pyramide von Lorbeerkränzen begreifen. worunter der neue Krösus seinecolossalen Schätze verbergen konnte. Was Hals's, daß Kritiker wie Frervn seineSchriften geißelten, Bischöfe das Anathem über sie ausspracken, Parlamente sie ver-mtheilten, Zollbeamte sie in Beschlag nahmen, der Henker sie verbrannte? Ministerund Gesandte verschlangen sie, und schickten sie unter ihrem Couvert über die Grän-zen, in alle Länder dießseitS und jenseits des MeereS, um alle Throne zu erschüttern,in allen Köpfen den Geist der Revolution aufzurufen und zn nähre». Wir haben unsnur auf eine Skizze von Volicüre'S Leben einlassen können, da hier zunächst seinTod besprochen werden sollte. Wir erwähnen daher auch bloß, und zwar mehr um