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uns selbst eine Brücke zu bauen, als um den Lesern etwas Neues zu berichten, daßer in srühern Jahren mehrmals aus Frankreich oder aus der Hauptstadt verbanntwurde. Diese Crilsperioden benutzte er zu freiwilligen oder gezwungenen Wanderungennach Cvlmar, Liineville, Lyon zc, bis er sich zu TW'zeS und dann zu Ferney, beidesin der Nähe von Genf , bleibend niederließ. Hier gründete er eine Kolonie von 12l)l1Personen, worunter verschiedene Künstler, namentlich Uhrmacher, und sorgte väterlichfür ihr Aufblühen und Gedeihen. Hieher ließ er auch die Enkelin Corneille's kommen,überhob sie aller Nahrungsqnalen, hielt ihr Lehrer für'S Nothwendige, wie für'S An-genehme, und veranstaltete zu ihrem Besten eine Subscription, woran fast alle FürstenEuropa'S Theil nahmen. Hier erlebte er die Demüthigung, daß Joseph II. Hallerbesuchte und ihn vorbeiging. Aber hier sollte er auch zu einem beispiellosen Triumphenach Frankreichs Hauptstadt zurückberufen werden, und alle seine zerstreute Siegesbeutewie zu Einem großen Ehrendenkmal versammelt sehen. Dieser Feier, die Voltaire nurwenige Monate überlebte, wollen wir noch beiwohnen. Sie erfolgte im Jahre 1773,und der Gekrönte war also inzwischen ein vierundachtzigjähriger Greis geworden.
(Fortsetzung folgt.)
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, . „ ,,Kirchliche Notizen.
Der Elberf. Ztg. wird aus Berlin geschrieben: „Wir haben bereits früherdarauf hingewiesen, daß die barmherzigen Schwestern namentlich bei den hiesigen In-nungen, mit denen sie vielfach Verträge in Betreff der Pflege der Kranken ohneUnterschied des Glaubensbekenntnisses abgeschlossen haben, in großem Ansehen stehen.Bei dem nicht geringen Mißtrauen, mit welchem sie Anfangs auS dem Grunde hierzu kämpfen hatten, weil man sie als Vorläuferinnen der Jesuiten betrachtete, ist dieGunst, welche die barmherzigen Schwestern sich bei den hiesigen V^lkSclassen im All-gemeinen erworben haben, eine bemerkenswerthe Thatsache. Die Zahl der hiesigenbarmherzigen Schwestern wird, wie man hört, noch vermehrt werden."
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Prag. Am 27. August wurde die Mission geschlossen, welche — in Böhmens Hauptstadt die erste dieser Art— vom 21. bis 27. dieß im k. k. Provincial-ZwangS-ArbeitShause auf dem Hradschin gehalten worden war. Es bctheiligten sich darandie Väter der böhmisch-deutschen Mission des Capuciner-OrdenS: P. AloiS (Superior),P. Bernard, P. Ubald, P. Theodor. Von 181 Eorrigenden und 150 Sträflingenblieb nicht Einer zurück Alle machten die ganze Reihe dieser geistlichen Exercitien mitund empfingen die Keiligen Sacramente der Buße und des AltarS, obschon die Theil-nahme an dieser Mission Jedem freigestellt war. Ein unS über diese Mission zugehen-der Bericht hebt hervor, daß die meisten ihre Generalbeichten mit erhebender Zerknir-schung und inniger Rührung verrichteten. Bei der Communion gingen die Beamtenmit schönem Beispiel voran, indem sie sammt ihren Gemahlinnen die ersten zum Tischdes Herrn traten. Der ergreifendste Act war am Donnerstag die Abbitte vor demhochwürdigsten Gute, welches in feierlicher Procession unter zahlreicher Assistenz vonCapuciner-Priestern und unter Begleitung der Hauswache getragen und auf dem amHofe eigens dazu errichteten Altar ausgestellt wurde. LauteS Weinen und AuSruseinniger Reue unterbrachen öfter die erschütternde Rede des Predigers. Eben so erhe-bend war Samstag die Kreuzweihe, der die Kreuzpredigt folgte. Die nachmittägigendeutschen, so wie die abendlichen böhmischen Predigten waren auch von vielen from-men Gläubigen auS der Stadt besucht. Seine Eminenz der Herr Cardinal FürstSchwarzenberg, auf dessen Veranlassung diese Mission abgehalten wurde, hatte für denganzen Stand des ZwangS-ArbeitShauses auS eigenen Mitteln Missions-Andenken undRosenkränze anschaffen und jedem Einzelnen eine Zubesserung angedeihen lassen.
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