Ausgabe 
14 (8.10.1854) 41
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Sie werden dem Staate gehorsame, treue und branchbare Unterthanen geben und derKirche ergebene und nnterrichtete Kinder. Ihr Lob wird in allen Kirchen erschallenund eine unverwelkliche Krone für Sie im Himmel bereitet seyn. Möge der heiligeGeist, welcher an dem heutigen Tage auf die Apostel herabkam, auf alle hier Anwe-senden herabkommen, unsere Herzen reinigen und uns die wahre Weisheit geben, derenAnfang die Furcht deS Herrn ist und welche u»S nothwendig leiten muß, wenn wirunser ewiges Heil erwirken wollen." R.

Der Tod SSoltaire'S.

(Fortsetzung.)

Und wem galten denn eigentlich alle diese, dem Verfasser und Herausgeber sovieler Schriftwerke in der Person eines Greises dargebrachten Huldigungen, welchernie öffentlich erschien, cS sey denn gestützt auf den Arm eines d'Argental, einesBillette, eines Thibouville, oder eines Richelieu. Der BeifallSzuruf der Schauspielergalt dem Dichter derM^rope", derZaire ", desOedipe"; die Schöngeister ver-klärten den Sänger derHenriade"; doch darf man Duvernet und Condorcet glauben,so verschwendeten fast Alle ihren Weihrauch vorzüglich an den Vater derPucelle."Das Volk hatte zuerst den Muth, derPucelle* ein Lebehoch zu bringen; dieß geschahauf der Straße, am Tage von Voltaire'S Krönung, und der Jubel drang in'S OhrdeS Gekrönten. Der aber fuhr vor freudiger Ueberraschung zusammen, und konntenicht umhin zu gestehen, nach so vielen Triumphen bliebe ihm nichts übrig, als zusterben. Die ^Pucelle" war in der That von allen seinen Werken dasjenige, woraner, nach Chabcmon, am meisten gefeilt uud gebessert hatte, und worauf er sich ammeisten zu Gute that. Er laS es gern vor, aber nur solchen Personen, die erachtete; für seine Anbeter ließ er Abschriften davon verfertigen, und er selbst, wofernWagniere die Wahrheit berichtet, fand Linderung und Zerstreuung darin bei seinenhäufigen Körper- und Seclenleiven. Die Marquise du Chatelct machte den Versuch,cS in ihrer Wohnung zu drucken; Herzoge zahlten ein authentisches abschriftlichesEremplar mit 6W LivreS und darüber, und in allen Ständen hörte die Nachfragedanach nicht auf. Trotz all dieser BeifallSstimmen äußerte Voltaire am 8. Sept. 1754gegen d'Argental, eS seyen nur allzu viele Copieen von diesem gefährlichen Scherzvorhanden, unv derselbe sey eine Bombe, die früh oder spät platzen und ihn zer-schmettern würde. Er hiell'S auch nicht auS, als er ein Gedicht, zu dessen öffentlicherMißbilligung ihn daö Parlament gezwungen hatte, jetzt in den Straßen, auf denQuaiS, in den Höfen des Louvre und die Tuilerien entlang, öffentlich an- und lob-preisen hörte. Dieses cinmüthige und einstimmige Lob erschöpfte vollends daö BiSchcnKraft, daS ihm Alter, Sorgen und vielseitige Anstrengung noch übrig gelassen hatten.Kurz nachher lag er denn auch ganz kraftlos darnieder, und er fühlte selbst, daß eSmit ihm zu Ende gehe. Von nun an hatten die Schauspieler die Weisung, bei jederVorstellung Nachricht über sein Befinden zu geben; die Akademie beschloß, bei jederSitzung eine Deputation aus ihrer Mitte zu endenden, um über seinen ZustandErkundigung einzuziehen; der Arzt Tronchin machte es sich zur Gewohnheit, ihn täg-lich zweimal zu besuchen, und aus Furcht, er möchte sich über die Lage deS Sterben-den täuschen, ward ihm Doctor Lorry noch bcizegeben. Alles war um die Wettebemüht, die besten Heilmittel anSznfindcn. Herzog Richelieu nannte niederschlagendePulver und Tränklein, die ihn oft gerettet haben sollten. Voltaire ließ sich welchezubereiten, nahm aber so starke Gaben davon ein, daß er binnen wenigen Tagen inden letzten Zügen lag. Seit seiner Ankunft in Paris hatten die Journale sich nurmit ihm beschäftigt. Sie meldettn ganz ernsthaft, in welchem Anzüge er Besuche gabund empfing, um wie viel Uhr er ausstand uud sich schlafen legte, welche Personener vorgelassen, welche Gänge er gethan oder hatte thun wollen, welche Ehrenbezeu-gungen ihm am meisten geschmeichelt hatten. Sie sammelten alle seine witzigen Ein«