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fälle und führten ein genaues Protokoll über jede Aufwallung seines ZornS, wie überjedes Lächeln seiner guten Laune. Kaum hörten sie von der Gefahr, worin er schwebte,so laS man umständliche Darstellungen von der Natur seines BlutsturzeS, von derFarbe seines Auswurfs, vom Schalle seines Hustens, von der Daner seiner Schlaf-sucht, von der Zahl der von ihm ausgestandenen Aderlässe, von der Quantität Ger-stentrank, geschwächter Fleischbrühe und Kaffee, die er zu sich genommen, von dergrößern oder geringern Leichtigkeit, womit er durchgeschlagene Bohnen verdaute, so wievon der Wirkung der Rühreier, der Eselsmilch, der Apfelsinengallerte, welches AlleSman nach und nach an ihm versuchte. Eben diese Tagesblätter stellen aber auch dieThatsache fest, wie eS unter so vielen Prälaten und Priestern, die eS sich angelegenseyn ließen, ihn in den Schooß der Kirche zurückzuführen, einem Er-Jesuiten, dama-ligem HauSgeistlichen im Hospiz der Unheilbaren (liüpit»! lZes Ineurglile5), vorbehaltenwar, die letzte Beichte eines Philosophen zu hören, der von Jesuiten erzogen undbegünstigt worden, und bei dem ein Jesuit über zehn Jahre HauSgeistlicher gewesenwar. Nicht so bestimmt reden sie von seiner Fassung Angesichts des Todes. Duvernet,Eondorcet, der „englische Spion", die „Briefe" der Frau du Deffand, die „Memoirenvon Bachaumont und Wagniere, die „literarische Korrespondenz" Grimm'S und LaHarpe'S, woraus alle vorerzählte Umstände des letzten Aufenthalts Voltaire'S in Paris entlehnt sind, erwähnen nur mit großer Zurückhaltung seiner letzten Stunde, und ihreAngaben werden nicht einmal durch andere gleichzeitige Zeugnisse bestätigt.
lFortsetzung folgt.)
Kirchliche Notizen.
BreSlau . Der hochwürdigste Fürstbischof hat folgendes Hirtenschreibcn datirt24. Ang. erlassen: Während Wir von Unserem alten Bischofssitze mit tiefem Schmerzthinabblicken in die noch vor Kurzem gesegneten Fluren, die, in weite Seen verwandelt,die schönen Hoffnungen auf eine reiche Ernte in ihren Wassern begraben, und wäh-rend die Bilder der Noth, die Wir auf Unserer eben vollendeten Firmreise in nächsterNähe sahen, noch Unser Innerstes bewegen: tönt der Hilferuf von ferne auS so vielenTheilen Unserer Diöcese an Unser Herz Nicht nur BreSlau und seine Umgegend,viele Städte, Flecken und Dörfer und insbesondere wieder das oft und schwer geprüfteOberschlesien — sind von einer Überschwemmung heimgesucht worden, dergleichen insolchem Umfange und mit solchen Verheerungen seit Menschengebenken keine ähnlicheda gewesen ist. Ganze Gemeinden sind obdachlos; ihr Vieh ist ohne Nahrung undSchutz; ihre Fcldfrüchle — der mühselige Erwerb und Vorrath für den nahen Winter— sind hinweg geschwemmt; ihre Accker und Wiesen auf lange hin zerstört. MeineGeliebten! das Unglück ist groß, Eure Liebe wird noch größer seyn. Gott fordert sieherauS: und in dem Maaße, als Ihr diesen Rus hört und ihm folgt, wird die Hilfevon Oben Eure Gaben begleiten und sie segnen — nichr nur für die leidenden Brü-der, auch für Euch und Eure Kinder. Darum wende ich mich zuerst an Euch, Ihrgeliebten Priester und Seelsorger, die Ihr meine Augen und Hände seyd — draußenin den Gemeinden. Ihr habet Euch im Wohlthun nie lässig finden lassen. Ihrwerdet eS am Wenigsten in den Tagen so großer Noth. Speiset die Hungernden,kleidet die Nackten, tröstet die Klagenden, inahnt die kalten Herzen und weiset sie hinauf daS große Leihhaus, welches die Ueberschrift trägt: „Was ihr dem GeringstenauS meinen Brüdern gebet, daS gebet ihr mir/ Und darum wende ich mich an Euch,geliebte Diöcescmen allzumal! Und besonders an Jene, welche von der gegenwärtigenHeimsuchung wenig oder gar nicht betroffen worden sind! Kommet mit Eurer Hilfe,aber kommet mit vollen Händen! Es handelt sich hier nicht um gewöhnliches Wohl-thun, um ein Geben dessen, was Ihr noch kaum entbehrt, eS gilt ein Opfer, nndje reicher und freudiger Ihr eS bringt aus Liebe zu Gott und dem Nächsten, weßNamens, Standes, GlaubeuS er sey, um so gerader wird sein Wohlgeruch zum