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daß jene Ruinen außer einer gewaltsamen Zerstörung fast gar nichts gelitten von demZahne der Zeit, so frisch und ucn sind sie in ihrem glänzenden goldgelben Farbentone,als wären sie erst heute geschaffen^ so scharf und kantig ist AUeS. Doch wir gehennun zu den Einzelheiten über, und zwar zunächst zu den bedeutendsten und wichtigstenvon Jerusalem .
EusebiuS berichtet in seiner Kirchengeschichte, daß die heilige Helena bei ihrerAnwesenheit in Palästina die heiligen Orte nicht bloß von dem Schmutze und derEntweihung des Heidenthums gereinigt, sondern auch allenthalben, namentlich inJerusalem und Bethlehem , prächtige Kirchen an den heiligen Stätten errichtet. Dievon ihr errichtete Kirche von Jerusalem hatte namentlich vielen Einfluß auf die spätereBauweise von Byzanz. Als aber die Kreuzfahrer am 15. Juli 1099 Jerusalem erobertund TagS darauf die heiligen Stätten gereinigt, fanden sie die von der heiligen Helenaerbaute Kirche, die bereits im 9ten Jahrhundert von Hakem zerstört worden, nichtmehr vor. Aber der Erzbischos Wilhelm von TyruS erzählt in seinem „Buche derEroberung", wie die Kreuzfahrer unter der Oberleitung deS frommen Gottsried vonBouillon, der eS sogar verschmähte, da eine goldene Krone zu tragen, wo der Heilandunter einer Dornenkrone geblutet, gleich daran gingen, ihrem Erlöser einen neuenTempel über dem Orte seiner Auserstehung zu erbauen. Sie zogen aber damals alledurch sein Leiden geweihten Stellen, welche sich in der Nähe deS heiligen Grabesfanden, nach der Erzählung deS gedachten Wilhelm von TyruS , also nicht nur denKalvarienberg oder die Schädelstätte, die Stelle, wo der Heiland vor seiner Grab-legung von Nicodemus und Josepb von Arimathia in Leintücher gewickelt und gesalbtwurde und welche gegenwärtig noch unter dem Namen deS SalbungSsteiueS bekanntist, sondern auch den Kerker deS Heilandes, wo er so lange verweilt, bis Alles zuseiner Hinrichtung fertig war, den Ort der Kleiderveriheilung, der Kreuzaufsindungdurch die heilige Helena und sonstige geweihte Stellen, vielleicht auch noch ein paarStan'onen, da der Kreuzweg sich in Spirallinie um den Kalvarienberg herumwand,jener aber zum Zwecke deS Baues schon in den Zeiten der Helena mit Ausnahme jener,die als besonders geheiligte unberührt blieben, wie der Ort der Kreuzigung und Kreuz-ausrichtung, geebnet wurde, in die Kirche mit hinein. Sie muß nach einzelnen Ueber-bleibseln höchst prächtig gewesen seyn. Leider ist aber von ihrem Bau gegenwärtig nurnoch wenig vorhanden. Sie hatte zwei Kuppeln und war in der Form einer Ellipseerbaut. Unter der größern Kuppel befand sich daS heilige Grab. Die von den Kreuz-fahrern im Anfange deS 12ten Jahrhunderts erbaute Kirche stand noch bis zum Jahre1808, wo das christliche Europa unter dem Joche der kirchenfeindlichen Revolutionund namentlich auch eines Zwingherrn seufzte, der trotz seiner prahlerischen Ansprücheauf seine Verdienste um die katholische Religion bei seiner Anwesenheit in Asien dendortigen Katholiken viel geschadet und eben damit beschäftigt war, daS Oberhaupt derKirche gefangen zu nehmen. Die von Europa, namentlich von Spanien und Oester-reich, verlassenen Katholiken im Morgenlande litten bald die höchste Noth. Den Grie«chen, die auf den reichen Schutz Rußlands rechneten, war dieß nicht unbekannt, undsie suchten eine Gelegenheit wahrzunehmen, zu dem längst erstrebten Besitze deS heiligenGrabeS zu gelangen. Da wurde Jerusalem plötzlich in einer Nacht von dem BrandedeS heiligen Grabes aufgeweckt. Die Flamme knisterte zuerst in der Capelle der schis-matischen Armenier, sie ergriff dann die Kuppel, welche in ihren Trümmern auf dasheilige Grab stürzte, und was sonst der Zerstörung noch fehlte, fügten die geschäftigenHände der Griechen hinzu, die zu einem solchen Werke schon in Bereitschaft standen.Da mußte beim vor Allem jedes Andenken deS Abendlandes vernichtet werden. DasGrab Gottfrieds von Bouillon blieb, wie der FranciScaner-Cvnvent, von dem Feuerverschont; auch das heilige Grab hätte noch erhalten werden können, aber die Griechenzerstörten, was sie zerstören konnten, weil sie wußten, daß die Latein« zum Neubaukeine Mittel und keine Hilfe hatten und nach türkischem Recht, mit Beseitigung allerweiteren Ansprüche, dem die Kirche gehört, der sie baut. Die Griechen hatten aberdas Geld zum Neubau in Bereitschaft liegen, und sie gingen rasch ans Werk. Die