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Kuppel wurde im schlechten russisch -griechischen Style wieder aufgebaut und in der Hastso schlecht construirt, daß sie jetzt den Einsturz droht, Wind und Wetter hindurchläßt und die Vögel deS Himmels ihre Nester darunter bauen. Auch die GrabeS-Capelle wurde damals wieder neu aufgerichtet, aber in eben so schlechtem Style, daßwir uns hier aller weitem Kritik enthalten. Von der alten Kirche blieb nur ein TheildeS Haupt-EingangcS stehen, der aber so schön und geschmackvoll ist, daß man wohlvollkommen berechtigt ist, daraus einen Schluß auf das Ganze zn machen. Die schad-hafte und traurige Lage der erwähnten Kuppel, so wie die wiederholten Anmaßungender nnter russischem Protektorate stehenden Griechen gegenüber den gerechten Ansprüchender Katholiken sind in der letzten Zeit der Gegenstand verschiedener Unterhandlungengewesen, und zwar sowohl in Betreff der Bauenden, wie deS Baustyles, und beideswird wohl durch den gegenwärtigen Krieg entschieden werden müssen. Denn selbst dasAuSkunstSmittcl, daß die hohe Pforte die Baulast übernehmen will, die unter jeglichenandern Umständen sich Jeder vom Halse wälzt, hier aber sehr wesentliche Rechte imGefolge hat, wird durch die Erfahrung als unstatthaft verworfen. Die Katholikenwerden sich einem solchen AuSkunftSmittel nie fügen können, so lange die Griechennoch russisches Geld haben. Denn die Katholiken würden dadurch in ihren wesent-lichen Rechten stets gefährdet seyn und jeden Augenblick zn gewärtigen haben, daß eSirgend einem Pascha auch ohne Berathung mit der hohen Pforte einfallen würde, fürirgend einen hinreichenden Backschis, den Canon alles Verfahrens im Oriente, vondem angeblichen türkischen StaatSrechte Gebrauch zu machen und als Eigenthümer dieGriechen in den ganzen Besitz einzuweisen. Eben so ist der Styl von der höchstenBedeutung in der gegenwärtigen Frage. ES ist gleichsam der fortwährende Rechtstitel,der für diesmal nur allein durch das Schwert festgesetzt werden wird.
(Schluß folgt.)
Der Tod Boltatre'S.
(Fortsetzung.)
Wir wollen nunmehr an einzelnen Beispielen aus verschiedenen LebenSperiodenVoltaire'S klar zu machen suchen, waS wir srüher mehrmals ausgesprochen oderangedeutet, nämlich, daß sein ChristuShaß und sein öffentliches Prahlen damit vieleAchnlichkcit mit dem eines Maulhelden habe, der nie dreister auftritt, als wenn ervor Furcht in ein Mäuseloch kriechen möchte. Alle unsere Leser kennen Gcllert'SErzählung „der Freigeist", und wissen, wie dieser unerschrockene GoiteSlaugner, derseine alle einfältig gläubige und fleißig betende Haushälterin wegen ihrer Frömmigkeitnicht genug ausziehen konnte, später während einer gefährlich scheinenden Krankheiteben dieser Person die besten Worte von der Welt gibt, damit sie doch an seinemBeile einige von den so schnöde von ihm verachteten Kirchengebcten laut bete odersinge, und ihn mir seiner Angst nicht allein lasse. Denken sie dann noch mit unS anLessing'S tief greifenden und hier in vonci-eto fürchterlich wahren AuSspruch: „NichtJeder ist frei, der seiner Kelten spottet", so können sie sich ohne unser Zuthunein getreues Bild von der, übrigens im Vorigen schon geschilderten, durchgängigenGemülhSlage Voltaire'S entwerfen, und sie werden uns nicht zürnen, wenn sie sehen,daß unser Unwille aus dem Kampfe mit dem Mitleid nicht immer siegreich hervortritt.Im Jahre 1723, also im 29sten seines Lebens, stand Voltaire zum ersten Mal amRande deS Grabes, nnd beeilte sich, zu beichten und sein Testament zu machen.Daraus erwartet er den Tod mit ziemlicher Gelassenheit, obschon nicht ganz ohne Leid-wesen darüber, daß er seine Freunde so frühe verlassen müsse und seiner „Henriade"nicht den letzten Pinselstrich geben könne, wie sein eigener Brief aus dem December1723 an Baron von Breteul bezeugt. Auf einer seiner Reisen in Sachsen, sagtBarrucl in seinen Memoiren, ward er gefährlich krank. Sobald er seinen Zustanderkannte, verlangte er einen Priester, legte ihm seine Beicht ab, und bat ihn dringend