Ausgabe 
14 (15.10.1854) 42
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um die setzte Oelung. Er empfing dieses Sacrament auch wirklich nach einer Reihevon Bußübungen, die freilich die Gefahr nicht übeldauerten; denn kaum hielt er sichfür gerettet, so zwang er sich zu einem vornehmen Lächeln über seine Kleinheit, wiecr'S nannte und sagte zu seinem Sccretär:Freund, Sie habe» den Menschen inseiner Schwäche gesehen/' Auch das Alter schien ihn nicht zu verdüstern. Eo schreibter am 28. December 1761 an de BerniS:Wenn ich nicht leivcnd bin, so lache ichviel, und ich bin der Meinung, mau solle lache», so lange man'S noch ka»». Solachen Sie denn, denn zuletzt finden Sie auch Ursache dazu." DaS Warum gibt erin seiner Antwort an denselben BerniS vom 25. Februar 1763:Der alte siebenzig-jährige Blinde ist schwach, aber doch recht munter, er sieht alle Dinge dieser Wettfür Seifenblasen an, und ausrichtig gesprochen, sind sie auch nichts Anderes." Darumschrieb er denn wohl auch am 14. Juli 1760 an Mad. du Deffant:Ich lache überAlles, und mache mich über die Welt lustig " Am 15. Jänner hatte er ju ihr gesagt:Man muß bis zum letzten Augenblicke mit dem Leben spielen." Am 27. Juni 1766faßte er auch förmlich diesen Entschluß, und theilte ihn d'Alembert so mit:Ich will,wenn ich kann, lachend sterben." Inzwischen meldete er unterm 3. März 1769 derFrau von Saint-Jnlien, eS mache ihm Vergnügen, um sein Grab herum-zutanzen. Wer solche Maximen nicht annahm, der war in seinen Augen geächtet.In seinem Briefe vom 12. Mai 1766 an den Grafen de la Touraille bedünkt eS ihn,daß La Fontaine wie ein Pinsel gestorben sey Den 21. September 1764erfährt Frau du Deffant, in welch' heftigen Zorn ihn die Nachricht versetzt habe, ei»d'Argenson sey die letzten fünf Stunden seines Daseyns mit einemPriester allein gewesen, und diesen d'Argenson habe er doch sonst für einenvernünftigen Mann gehalten. MaupertuiS hatte seinen letzten Seufzer in denArmen von zwei Capucinern ausgehaucht; darum wird ihm denn auch in einem BriefeVoltaire'S vom 29. August 1759 an Bertrand der Vorwurf gemacht, nicht alsPhilosoph gestorben zu seyn. Im selben Jahre betheuerte er mit einem Schwüre vorFriedrich II. , daß er diesem Beispiele nicht folgen werte. Sei» Ideal vom Tode waralso wohl ein philosophischer Tod. Und was verstand er unter diesem? EineLausbahn voller Ausschweifungen und Schändlichkeiten durch ein gottloses Ende krönen.Und als Vorbild führte er DuboiS an! Hatte er auch Gründe zur Vertheidigungseiner Lehre? O ja, und wir wollen sie zwu Stellen seiner Korrespondenz mit Fraudu Deffant aus dem Jahre 1764 entnehmen. Die erste ist vom 9. Mai:Bloß derGedanke, daß man nicht mehr erwachen wird, verursacht uns Kummer; nur dieRüstung zum Tode ist schrecklich, jene barbarische Oelung, jene Grausamkeit, womitman anzeigt, daß Alles sür uns dahin ist. Wozu nutzt eS, unS so unser Urtheil zusprechen? eS wird schon vollzogen werden, ohne daß Notar uud Priester sich dareinmengen. Mon sagt bisweilen von einem Menschen: er ist gestorben wie einHund; aber in Wahrheit, der Hund ist recht glücklich, daß er ohne all' dieß Geprängestirbt, womit man den letzten Augenbl'ck unseres Lebens verfolgt. Hätte man einBischen Mitgefühl sür uns, so ließe man unö sterben, ohne uuS etivaS daoon zusagen. Das Schlimmste dabei ist noch, daß man dann von Heuchlern um-geben ist, die Einem zusetzen zu denken, wie sie nicht denken, odervon Dummköpfen, die verlangen, daß man ebenso ein Dummkopf seynsoll; das ist AlleS sehr widerlich. Die einzige Freude des Lebens zu Genf ist, daßman dort sterben kann, wie man will: viele ordentliche Leute schicken nicht nach demPriester. Man tödtet sich selbst, wenn'S Einem so beliebt, ohne daß sich Jemanddarüber aushält, oder man wartet den Augenblick ab, ohne daß Einen Jemandbelästigt." Am 31. August unterzeichnete er folgende Zeilen:Die letzten Augenblickesind in einem Theile von Europa von so widerlichen und lächerlichen Umständenbegleitet, daß es oft schwer fällt, zu erfahren, waS die Sterbenden denken. Allewerden den nämlichen Ceremonien unterworfen. Jesuiten sind so schamlos gewesen,zu behaupten, Montesquieu sey wie ein einfältiger Tropf gestorben, und sie hieltensich deßwegen für berechtigt, auch alle übrigen als Tröpfe sterben zu lassen. Man