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Firmen, noch ganz wohl erhalten, und würde jeder Hauptstadt in der Christenheitnoch immer eine besondere Zicide seyn. Sie gehörte ehemals deutschen Numen, ichglaube, Benedictinessen, und eS ist große Hoffnung vorhanden, daß sie bald wiederumin deutschen Händen seyn wird. Ich konnte wenigstens, wenn sich jene Hoffnungnicht verwirklichte, ganz Deutschland dafür in Bewegung bringen.
Wie die Kirche der heiligen Anna, so war auch die des deutschen OrdenS mitdem deutschen OrdenShause ein höchst elegantes Gebäude. N'ch gegenwärtig sind davonsehr schöne Ueberreste vorhanden, leider von dem Schmutz und dem Unglück einer Stadtbe eckt, die ihren Heirn verkannt, und eS ist eine höchst grandiose GeschichtSanschauung,wenn der GeschichiSschreiber der ersten Kreuzzüge, Wilhelm von TyruS , bei jedemUnglücke, das die Kreuzfahrer getroffen, immer als Einleitung zu der Erzählungdesselben sagt: Unsere Sünden gaben uns in die Hände unserer Feinde. DaS alleswirb nirgendwo klarer, als wie im Morgenlande, weil hier die meisten Zustände ohnedie europäische Schminke offen da liegen nnd die Gegensätze vollends entwickelt ohneein vermittelndes Glied dastehen.
Die Ueberreste an dem OrdenShause der deutschen Ritter verrathen aler auch,so wie ein Stück von dem Templerbogen, nicht bloß ein Gebäude von hoher Schönheit,sondern letztere mögen auch mitunter Norm gewesen seyn für manche Gebände inDeutschland , oder wenn man dieses nicht will, so sind sie doch gcinz vom deutschenGeiste durchdrungen, der aber, weit entfernt, ein erclusivcr zu seyn, damals das ganzecivilisirte Europa in gleichem Maaße durchdrungen, also daß er hier unter dem Namender Franken aus-rat und noch gegenwärtig alle europäischen Katholiken unter diesemNamen bezeichnet werden, so wie die Protestanten unter demjenigen der „Jnglesi."Dem französischen Patriotismus kommt jenes mannigfach zu Gute. ES gibt aber fürdie Erhallung der alten Kirchen im Morgenlande, für ihre Reinigung von demtürkischen Schmutze kein Heil, als wenn alle katholischen Mächte deS Abendlandes sichwieder unter gemeinsamem Banner versammeln. Von dem Schmutze Jerusalems undvon der Schmach, womit die meisten der ehrwürdigsten Ruinen bedeckt sind, habenSie in Europa keine Ahnnng. Der Kerker des heiligen Petrus, noch gegenwärtigmit den Resten einer schönen Kirche geschmückt und mit einem Kreuzgewölbe überwölbt,gleicht einer Mistpfütze; die Kirche der heiligen Maria Magdalena , in welcher mannoch gegenwärtig den Eindruck ihrer Füße'sieht, die sich bei der Gelegenheit eingepreßt,wo sie an dem göttlichen Erlöser das Werk verrichtet, das er selbst als von guterVorbedeutung gepriesen, das Haus der Maria Marci in Jerusalem , ebenfalls mit denSpuren der Füße der seligsten Jungfrau gezeichnet, siiid fast unzugänglich vor demangehäuften Straßenmist, Kamcelkoth und sonstigem Schmutz- D.'S Cönaculum oderder Abendmahls-Saal nnd der Ort der Zusammenkunft am Pfingstfeste, einst eineprächtige Kirche, gegenwärtig durch eine Moschee entweiht, sind ebenfalls in demtraurigsten Zustande der Entweihung; die Kirche des heiligen Jacobus steht leer, wäreaber leicht herzustellen.
Gehen Sie nach außen durch das StephanSthor nach Gethsemani nnd demOelberg hin, so liegen hier gleich im Thale das Grab der heiligen Maria, eine Grotte,die etwa fünfzig Stufen hinabführt, in dieser zur Rechten die Gräber von Joachimund Änna, ihnen gegenüber links das des heiligen Joseph und ganz nnten in derTiefe in einer besondern Capelle jenes der heiligen Maria. Die Kirche ist jetzt in denHänvcn der Schismatiker, nnd bloß die sogenannte Todangst-Grotte ist den Katholikenverblieben. Alle jene Kirchen, welche den Griechen und schiSmatischen Armenierngehören, sind an den heiligen Stätten reich geschmückt mit vielem Gold und kleinemBildwerk, aber der morgenländische Geist, der sich so oft und kühn in grandiosenFormen in den Gedichten der Hebräer, Araber und Perser ausspricht, hat wenigerEmpfänglichkeit für eine großartige Auffassung in der bildenden Kunst." Hier ist AlleSkleinlich uns klein, geschniegelt und geziert. Wie daS zusammenhängt, könnte ich leichtpsychologisch und historisch entwickeln, aber ich will hier kein Aergerniß geben.