Ausgabe 
14 (5.11.1854) 45
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welchen die armen Jrländer mißhandelt werden, ohne daß sie den Streit anfangen,da sie durch die Ueberzahl ihrer Gegner unterdrückt werden. Junge Leute, welche mitRevvlverpistolen mit sechs Läufen bewaffnet sind, lausen durch die Straßen, und wennsie Jemanden begegnen, welcher seinem Aeußern nach für einen Jrländer gehaltenwerden kann, so umringen und verhöhnen sie ihn. Antwortet er, so wird er geschla-gen, vertheidigt er sich, so wird er getödtet. Das nennt man der PredigtsrciheitGeltung verschaffen. Während deß steigt ein Fanatiker aus einen Eckstein und stelltden Papst und die Jesuiten als Meuchelmörder zc. dar, er wird von einer Anzahlergebener Anhänger umgeben, welche bereit sind, den Zuhörer abzustrafen, welcherzuerst Mißfallen bezeugt. Die Polizei sucht ihre Pflicht zu thun, sie trennt die Strei-tenden, aber verhaftet nicht die Angreifenden. Zu St. Louis wurden an einemAbend hundert Häuser der Jrländer geplündert und zwanzig Personen getödtet, weilbei einer Wahl ein Streit entstanden war. Zu Philadelphia wurden an einem Tagefünf und zwanzig katholische Lehrer abgesetzt, weil die Know-NothingS beschlossen halten,man müsse den Katholiken alle Anstellungen nehmen. Zu Newark , der Hauptstadtdes Staates von New-Jersey , welche nahe bei New-Dort liegt, wurde am <i. Sep-tember am hellen Tage eine Kirche geplündert und zerstört, und die Jrländer, welchenicht angriffen, mit Pistolenschüssen in den Straßen verfolgt. Diese ist die sechsteKirche, welche in Zeit von einigen Monaten offenbar von diesen Fanatikern zerstör»ist, ohne die zu rechneu, wo eine gotteSschänderische, aber feige Hand im Dunkel derNacht Feuer anlegte. Zu Newark hatten mehrere Freimaurerlogen von New-Aorkund andern Städten eine Zusammenkunft verabredet, um dort mit Bannern, Musikund Fahnen einen öffentlichen Umzug zu halten. Mehr als 3000 waren zusammen-gekommen. Der Zug ging vor der Kirche der Katholiken deutscher Zunge her. Auseinmal steigt eins der Oberhäupter der Freimaurer , mit allerhand symbolischen Zeichenbehängen, die Treppen zur Kirche heran, schießt sein Pistol fünfmal auf die Thüreab, und schreit, mau habe aus einem Fenster der Kirche auf ihn geschossen, und for-dert auf, man möge ihm helfen. Sofort stürzen die Freimaurer über die Kirche her,schlagen die Thüren ein, stürzen den Altar um, und zerstören Kanzel, Bänke, Ver-zierungen, kurz AlleS. Während deß behaupten die Freimaurer , auS den Reihe» derZuschauer habe man Steine auf sie geworfen, und schießen sofort mit ihren Pistolenaus die Zuschauer. Dieses Mal erschien es aber zu klar, daß daS Ganze eine vorherausgemachte Sache war, da die achtbarsten Zeugen versicherten, es sey aus der Kirchenicht geschossen, und so finden sich denn unter den amerikanischen Zeitungen einige,welche den Muth haben, diesen neuen Angriff auf die Katholiken zu brandmarken.Zu ihnen gehört dieTribune" von New-Vorl. DerCourrier des Etats-Unis"spricht sich darüber so auS:DieTribune" hat einen neuen Beweis von ihremMuthe und ihrer Unabhängigkeit gegeben rücksichtlich des Angriffes in Newark . Miteinem Freimuth, welcher es darauf ankommen läßt, sich bei einem großen Theile ihrerLeser zu schaden, gibt sie zu verstehen, die ersten Steine aus den Reihen ver Katho-liken konnten recht gur von Protestanten selbst auf die Protestanten geworfen seyn,welche den gegenseitigen Haß wieder aufregen und auf die Katholiken, ihre altenFeinde, das Gehässige deS Angriffs fallen lassen wollten. Uebrigms ist es ausgemacht,daß die von der wüthenden Menge der Orcmgisten geplünderte Kirche keinen Menschenin sich faßte, welcher auS ihr geschossen hätte, wie man anfangs behauptete." DieTribune" bemerkt noch: ist merkwürdig, daß, während fünf bis sechskatholische Kirchen in unserm Lande zerstört oder verwüstet sind,man kein Beispiel anführen kann, daß die Katholiken auch nur darangedacht hätten, den unbedeutendsten protestantischen Tempel anzu-greisen.«

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