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Russen bewiesene Heldenmuth eines katholischen Feldcaplans geschildert wird: Am3. Februar d. I, kam eS in der Nähe von Giurgewo zu einem schweren, blutigenKampfe, und dieß war der Tag, an dem ein katholischer Priester eine heldenmülhigcUuerschrockcnheit in Erfüllung seiner Pflicht bewies. Er, ein geborner Albancse, warmit 8l)t) seiner tapfern Landsleute im Dienste des SultanS , unterdessen BotmäßigkeitAlbanien steht, an die Donau gezogen, und befand sich am obigen Tage mit einemTheile seiner Mannschaft im Treffen den Russen gegenüber. Die Russen fochten mitgroßer Uebermacht, die Albanesen und Türken mit unbrechbarem Tode?muth. Ven den35l) Männern aus Albanien , welche im Ge-echt standen, blieben 50 todt und ivvwurden mehr oder weniger schwer verwundet. Der brave Fclvcaplan stellte sich an dieSpitze seiner Tnppe, und daS Kreuz in der Hand und die Stola um die Schulternermunterte er die Scmigen zum Gottverlrauen und zur unerschrockenen AnSdaucr.Die nordischen Kugeln flogen rechts und links vorüber, sie zischten über sein Haupthin, sie schlugen vor seinen Füßen in die Erde, aber keine traf; in Entfernung wenigerSchritte gaben die Feinde wiei-crbolt Pclotonfeucr, doch wie durch unsichtbare Handabgelenkt sauSle das tödlliche Blei, ohne ihn zu verwunden, vorbei. Zweimal wurdeihm die Bedeckung vom Haupte geschossen, sein Rock war an mehreren Stellen vonKugeln gestreift und zerlöcheit, er aber blieb wie durch ein Wunder unvtrletzt, obschonrechts und links neben ihm die Kämpfendcn fielen. Während dieses lauge andauerndenblutigen Kampfes wich der muthi^e Mann, welcher vom Pulverrauch nach und nachan Händen und Angesicht ganz geschwärzt worden war, keinen Schritt; nur wennwieder einer der Seinigen zu Tode getroffen zusammenstürzte, hob er den Blutendenauf seine Schultern und trug ihn hinter die Linie der Kämpsenden. Daselbst legte ersich mit ihm zur Erde, horte, wenn eö n ch möglich war, seine Beicht, unv ihn mitdem heiligen Oele salbend, stand er demselden im TodeSkampse bei, worauf er sichsogleich wieder an die Spitze seiner Truppe stellte. Nicht bloß als pflichtgeircuerPiiester handelte der brave Albancse bei diejcr Gelegenheit, sondern auch als tapfererSoldat. Von der russischen Uebermacht gedrängt war eine türkische Kanone in Gefahrverloren zu gehen. Schon hatte der Feind sie umrungen und ein Russe saß bereitsdroben, während andere die vorgespannten Pserde aulrieben, um die Beute in Sicherheitzu bringen, da führte der Feldcaplcm seine Leute zum Sturm vor. Unaufhaltsam AllcSvor sich niederwerfend, drangen sie aus die Feinde ein, töteten einige derselben, drängtendie andern in die Flucht, und eroberten das bereits Verlorne Geschütz wieder zurück.
Der Heldenmut!) dieses Priesters erregte unter den Türken großes Aufsehen,und als Omer Pascha , welcher daS Verdienst zu würdigen weiß, davon Kenntnißerhielt, schickte er dem Tapfern einen Orden, auf den selbst hochgestcl-te Officiere stolzseyn dürften, wenn er an ihrer Brust erglänzen würde, und beantragte, ihm einenjährlichen Gnadengehalt bei der hohen Pforte zu erwirken. Nach dem Treffen beiGiurgewo bcwüs der Albanese ncucrdiugö seinen unbeugsamen Muih, indem er mitseinen Leuten einige Zeit in der belagerten Festung Silistria , und zwar in dem zumeistbedrängten Fort Arab Tabia stand,, und soriwährenb wieder den Todesgefahrenausgesetzt war. Ich lcrnte diesen muthvollen Feldcaplan persönlich kennen, indemderselbe mit der siegreichen türkisch^! Ärmce nach Bukarest kam und einige Tage imbischöflichen Hause wohnlc. Er (Nicolai Vianchi ist sein Name) zählt Lg Jahre, undspricht albanesisch und italienisch; von der lateinischen Sprache, welche er in derJugend zu erlernen keine Gelegenheit hatte, versteht er nur daS Nothbürstigste. DieKleidung, die er trug, bestand in iincm kurzen, türkischen Beinkleid, blauen Strümpfen,einfachen, weit ausgeschnittenen Schuhen. Auf dem Haupte Halle er daS nationaleFeß, und ein langer vorne zugeknöpfter Rock von rölhlicher Farbe vollendete seinenAnzug. Was ihm, abgesehen von seinem Heldenmnth, zur besondern Ehre gereicht,ist, daß er immer ganz beschämt dastand, wenn man von seinen Bcrdiensten sprach.Seine Dekoration trug er nur, wenn es die Convenienz erforderte, sonst legte er siebeiseite, oder verbarg sie in den Falten seines Kleides.