Ausgabe 
14 (12.11.1854) 46
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Kirchliche Notizen.

Besorgnisse hegt in Frankfurt Jungisiael: Ans der Provinz Starkenburg meldetdaöFrankfurter Journal" unterm 12. dieß Folgendes: Es werden, namentlich undzunächst in einem Orte an der Bergstraße , Anstrengungen gemacht, den sogenanntenenglischen Fräulein die Erziehung der katholischen weiblichen Jugend in die Hände zuspielen. Sodann werden, durch Unterbringung mehrerer Knaben bei jungen Geistlichenauf dem Lande, die ersten Keime geistlicher Vorseminarien und etwaiger Jesuiten-schulen gelegt, um auf alle Ereignisse vorbereitet zu seyn. Gegen diese Bestrebungenist bis jetzt die Thätigkeit deS Gustav. Adolph-VercinS, der viel mehr Theilnahme findensollte, ohnmächtig. ES wäre wohl anch den protestanti'cheu Geistlichen mehr Rührig-keit und Wachsamkeit zu wünschen, in welchen Eigenschaften der Herr Prälat ihnenmit gutem Beispiele vorangeht.

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Amsterdam . Zu Vieler nicht geringem Befremden vernahm man dieser Tage,daß in einer Prädicanten-Versammlung die öffentliche Verehrung des heiligen Boni-facius in der Sitzungeines GedcnkzcichenS" ihm zu Ehren zur Sprache kommen ließ;daß einem Heiligen, der ron den Katholiken der Niederlande sehr verehrt wird, einAndenken gesetzt wird von einer Versammlung sich reformirt nennender Prädicanten,ist gewiß zu verwundern. Hat man denn ganz vergessen, welches die erste Heldenthatder sogenannten Reformation in unserm Lande war, wie viele BonisaciuSbilver sie beiihrem Beginne vernichtete; somit wird durch dieses Ereigniß der Stab schon gebrochenüber die damalige Bilderstürmerei. Waö uns betrifft, wir wollen unS darüber nichtbeklagen, wir hoffen vielmehr, daß man endlich mehr und mehr zurückkommen wirdvon den unsinnigen Vorurthcilcn und dem Hasse, wovon man in den letzten Jahr-hunderten beseelt war; wir hoffen, daß man endlich mit uns scheint erkennen zuwollen, daß die Verehrung unserer großen Glaubenshelden und die Bewunderung ihrered.lsten Thaten, fern davon Abgötterei zu seyn, vielmehr mit der menschlichen Naturganz nahe zusammenhängt.

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Ncw-Uork, 3. Oct. Vorgestern sahen wir wieder, wie sehr die segensvolleEintracht, in welcher die verschiedenen Rcligionsgenossenschaften seit der Unabhängig-keitS-Erklärung unter uns gelebt hatten, nunmehr gestört ist. An diesem Tage wurdehier das Concil der katholischen Bischöfe mit einer öffentlichen Procession der Mit-glieder desselben eröffnet, und cS machte einen sehr peinlichen Eindruck, den Zug derBischöfe verschiedener Diöcesen aus allen Seiten von der Polizei schützend umgeben zusehen. Die Behörden brauchten nämlich diese Verficht in Besorgnis) fanatischer Angriffe.In dem solennen Hochamte, das in einer der hiesigen katholischen Kirchen gehaltenwurde, sind nebst dem Erzbischofe HughcS von New-Aork die Bischöfe von Albanv,Boston, Bufsalo, Hartford, Brookiyn, Rewark, Burlington (Vermont ), so wie dieVorstände der Nedemptoristcn nnd der Jesuiten anwesend gewesen. Aus der EröffnungS-Rede, welche der Eizbischof HugheS nach der feierlichen Messe hielt, konnte man ent-nehmen, daß die Thätigkeit der überall auftauchendenKnow-Nothings", so wie diedurch Straßen-Predigten hervorgerufenen Angriffe gegen die Katholiken tne Hauptver-anlassung zu dem Concil bilden. DerEngel Gabriel ", wie man den bekanntestenStraßenprediger der Puritaner nennt, der bald hier auf der Treppe deS Stadthauses,bald in Brooklyn, bald in MassachuselS oder sonst wo seine Feuerbrände gegen diekatholische Kirche schleudert, we>r nirgends sichtbar. Ans dem Rückzüge wurde dieProcejsion der Bischöfe abermals von einer starken Polizeiwache escorrirt, (K. Z.)

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