Ausgabe 
14 (19.11.1854) 47
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als einen förmlichen Glaubenssatz feststellen, so daß alle Katholiken, wenn sie nichtaufhören wollen, Katholiken zu seyn, daran zn glauben streng verpflichtet werden.

Da aber zur Feststellung eines förmlichen Glaubenssatzes mit unfehlbarer Ge-wißheit alle bloß menschliche Einsicht und Geisteskraft nicht hinreicht, vielmehr dieerleuchtende Gnade des heiligen Geistes selbst unumgänglich nothwendig ist, dessenBeistand der Kirche von Christus auch ausdrücklich zugesagt wurde: so hat PtipstPiusIX. sernerS an sämmtliche Bischöfe die Aufforderung ergehen lassen, mit denGläubigen ihrer Diöcesen Gott mit flammendem Eifer um die Erleuchtung deS hei igenGeistes anzuflehen.

Zugleich muß noch angemerkt werden, daß hiedurch nicht etwa ein neuer Glau-bensartikel gemacht, sondern nur der alte, sich gewissermaßen von selbst aufdrängende,allgemeine Glaube an dieß wunderbare Geheimniß feierlich bestäligt und dem Katho-liken als ein eigener GlaubenSpnnct nicht mehr zum freiwilligen Glauben, sondernzum pflichtmäßigen Glauben, mit Ausschluß allen Zweifels, vorgestellt werde. Wirdja auch durch eiuen nenen Katechismus, wie gerade jetzt anch ein neuer eingeführtwird, nichts weniger als ein neuer Glaube gelehrt oder festgestellt, sondern nur deralte Glaube ist eS, der darin gelehrt wird, nur geschieht eS mit andern Worten.DaS Nämliche findet statt in so vielen Millionen katholischer Predigten, Christenlehren,Unterrichts- und Erbauungsbücheru. Bloß die Worte, die Form und Einlheilnng u. s. w.sind verschieden; der GlaubenSiuhalt aber ist immer der nämliche. Eben so irrig wäreeS, wenn man glauben wollte, daß nunmehr dieser neu festzustellende Glaubenssatzetwa den zwölf Artikeln des apostolischen Glaubensbekenntnisses orer des sogenanntenGlauben an Gott " als 13ter Glaubensartikel beigefügt würde. Denn indem in diesemGlaubensbekenntnisse der Glaube an Eine heilige katholische Kirche ausgesprochen wird,so ist eben damit auch der Glaube an Alles, waö diese Kirche zu glauben vorstelltund befiehlt, schon eingeschlossen.

Der ganze Unterschied zwischen bisher und künftig besteht also einzig und alleindarin, daß eine Lehre, welche bisher einem Jeden zu glauben freistand, weil das gött-lich eingesetzte, unfehlbare Lehramt der Kirche, bestehenv ans dem Papste und den mitihm vereinigten Bischöfen, darüber noch nichts cnischieden hatte, künftighin von I.dem,der katholisch seyn will, ohne Widerrede geglaubt werden muß eine Gestaltung derSache, über die sich gewiß jeder wahre gotiliebeude Katholik und Verehrer Mariensnur von ganzem Herzen freuen kann.

Somit wäre, da eine nähere Erklärung und Begründung dieser Glaubenslehrenur auf die Kanzel, nicht in iine Zeitung gehört, bloß der allgemeine Slandpuuctangegeben, von welchem aug die fragliche Angelegenheit betrachtet werden müsse, umirrige Auffassung zu vermeiden.

Kirchliche Notizen.

Linz . Die christliche Liebe ist nicht bloß erfinderisch, sie ist auch schöpferisch;dieß dachte ich mir, als ich jüngst einige Züge aus dem Leben des hochwürdigcn HerrnMathias Kirch steiger las, der »»längst in Linz seine Secundizseier gehalien hat.Als Caplan von Linz hat er im Jahre 18V6 schon mit dem einen seiner College»ein Taubstnmmen-Jnstisut und mit dem andern, dem nachmaligen Bischof Wagner vonSt. Polten , eine SonntagSschule gegründet. Besonders aber die nachfolgenden KriegS-jahre öffneten ihm ein weites Feld für seine thätige Liebe. Als im Jahre 1809 dievon den Franzosen gefangenen Oesterreicher , an Kleidung und Lebensmiiteln darbend,im Capucinergarten und im Schlosse eingeschlossen wurden, stellte sich Kirchsteiger andie Spitze Derjenigen, welche mit glücklichem Erfolge Lebensmittel sammelten und cigeu-händig an die Gefangenen vertheilten. Bei der im Jahre l8l2 herrschenden großenTheuerung wanderte er, nicht achtend das Gespötte gefühlloser Menschen, von HauSzu HauS und bewog durch seine Bitten die Frauen und Dienstboten, ihm die markigenKnochen und sogenannte Zuwage aus der Fleischbank.für die Armen zu überlassen.

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