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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augslmrger Pojheitung.

3. December M»- ^N. 1854.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Ab^uuemeniepiei« kr, wofür e« durch alle königl. bayer, Postämter und alle Auchhandluügkn bezogen werden kauu.

Trauerrebe für die verlebte Königin Theresia,

gehalten in der katholischen Pfarrkirche zu Schweinfurt .

Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" zc.

Matth. 27, Z7.

In welchen Zeiten leben wir? welche Gewalten regen und rütteln sich im Schooße der Zukunft und erschüttern bereits die Gegenwart?! ES zieht sich unverkennbar eine dumpfe Gewitterschwüle durch alle Poren der Gesellschaft, ein ahnungsvolles Bangen hat sich der Völker bemächtigt, große Ereignisse, welterschütternde Katastrophen fordern mahnend ihre Erfüllung ein neneö Blatt wird umgeschlagen im Buche der Welt­geschichte, beschrieben vielleicht mit Charakteren blutig-roth, erfüllt von tausendfachem Weh. Wir können nicht hineinschauen in die Rathschlüsse Gottes, wir können nicht entsiegeln das Siegel seiner unerforschlichen Weisheit, aber so viel bleibt sicher: ein Geschlecht ist heraufgestiegen auf die Höhe der Zeit, welches die Zuchlrulhe GotteS noch nicht gefühlt, welches die Furcht des Herrn nicht kennt diese Generation führt das große Wort, und ist das Wort des Uuglaubeus, das Wort der Auflehnung gegen die göttliche Autorität, es ist ein tausendfaches frivoles Nein, wo Gott ein Ja sagt, daö eine Ewigkeit der andern nachhallt! So viel bleibt gewiß: Gott ist die unendliche Liebe, die unendliche Langmnlh; mit dem Blnle seines cingebvrnen Sohnes hat Gott in das Buch der Weltgeschichie geschrieben: Ich bin die Liebe von Anbeginn, die ewige, unerschafsene Liebe! Wenn aber diese Liebe nicht mehr gekannt wird, wenn die Menschen Gottes Barmherzigkeit zur Sünde mißbrauchen, wenn GotlcS Langmuth statt Heilmittel Gift zu werden droht, dann gürtet sich der Herr mit dem Schwerte seiner Slrasgerechtigkcit, dann tritt ein Umschwung ein: erschütternd und zermalmend, aber auch läuternd und heilend. Bereits hat der Herr gewisse Mahnboten voraus­geschickt, eS schlagen warnende Stimmen an nnser Ohr, eS zucken Blitze im Osten, die NahrungSsorge geht wie ein bleiches Gespenst von HauS zu HauS, die Masse der Besitzlosen wächst zur Lawiuc heran, und der Tod zieht aus, um eine große Ernte zu hallen. Sind wir, gcliebtcste Trauerversammlung, unberührt geblieben von diesen Wahrzeichen deS Herrn, wurde nicht auch unser engeres Vaterland bereits schwer betroffen, ist nicht gerade dieses Jahr ein ewig denkwürdiges durch die Wunden, die es geschlagen?! Kaum hatten wir uns iu Etwas erholt, kaum fiugeu wir an, leichter zu athmen, da streckt sich abermal aus die Hand deS Ewigen, und greift in die höch­sten Regionen unseres Staat<?tebcnS, und nimmt uns eine Perle von unvergleichlichem Werth, von seltenem Glanz und edelster Reinheit, nimmt uns ein Herz, ein königlich liebendes, und von unS seit Jahren mit steter Ehrfurcht geliebtes, nimmt einem könig­lichen Gemahl die beste Gattin, nimmt unserem erhabenen Monarchen seine einzig