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Armen und Kranken und Nochleidenden dos gemarterte Antlitz Jesu Christi zu erkenne»,die Thränen deS Herrn zu trocknen, seine Schmerzen zu stillen und in Freude zu ver-klären, daS war der Herzschlag unserer gefeierten Königin, das war der Opferblüihe»-duft ihreS stillen Lebens, daS war der Grundton ihres Gemüthes. Die Miitter s^rgtzunächst, wenn sie auch der gesunden Kinder nicht vergißt, doch vor Ml-m für diekranken, für die leidenden und hilfebedürftigen, diesen ist sie vor Allem nahe, diesenweiht sie Ange und Haud, für diese gießt sie den volle» Opferstrvin ibreS liebendenHerzens auS — und so, Geliebtrste, ist das Leben unserer gefeierten Fürstin einlanger, himmelreincr, sonniger, Segen in Fülle bringender Tag gewesen, und so ist sievorübergegangen wie eine große Sonne, die Leben spendet allüberall. Wie vieleThränen wurden von ihr getrocknet, wie viele müde geknickte Herzen richieten sich amStrahl ihrer königlichen Liebe empor, wie viel neue LebeuShoffmiugen wnrd.n durchihren Hauch entfacht, wie viel Kranke, Gebeugte, Lebensmüde, gegen G^'tt und ihrGeschick Grollende wurden wiederum durch sie mit Gott und ihrem Schicksal versöhnt!— DaS ist freilich der große Vorzug, das Prärogativ der Fürsten uud Großen dieserErde, das kleidet sie in den Abglanz göttlicher Würde, daß sie Ströme von göttlichemSegen allhin auSgießen können, daß sie Gelegenheit haben, mit einem einzigen Feder-strich mehr GuteS zu wirken, als wir Alle in uuserm ganzen Leben. Aber, Geliebieste,cS ist nicht so leicht für ein Menschenherz, eS gehört ein großer, ei» christlicher Herois-mus dazu, diese Stellung beständig zu begreifen und zu behaupten, denn daS Hoflebenist eine eigene Welt, und ein Fürst bedarf eines HofeS; er ist eS sich und seinemVolke schu-big, seine Würde in äußern Glanz zu kleiden. Was nur ein Land Großes,Herrliches, Ästhetisches, Kunstsinniges, Feines, Erhabenes bietet nach allen Gebietenund Richtungen hin — alte diese Strahlen fließen im Fürsten und dessen Hof in Eine»Lichtherd, in Einen Fokus zusammen; so bildet sich um den Fürsten ei» eigenthümlicherZauber kreis, eine Lichtatmosphäre deS Feinsten und Höchsten, was daö Lebe» bietet,und eS ist begreiflicher Weise für ei» Mcnschenherz schwer, opferreich uud im höchstenGrade heldenmülhig, von diesem Zauberkrcis sich nicht blenden und fesseln zn lassen,sondern oft uud freudig herabzusteigeu von dieser sublimen Höhe, mit tausend undtausend Sorgen sich zu belasten, tntz Verkennung und Undank das Wohl und Weheauch deS Geringsten auf die fürstliche Schulter zu nehmen, und mit der tausendfachenNoth deS Lebens im Volke einen fortwährenden Kampf zu bestehen; die Geschichtezeigt, daß mancher Fürst an dieser Klippe gescheitert bei einem sonst guten Herzen undredlichen Streben. Anders unsere gezierte Theresia! Der Glanz des Heflel enS hatsie nicht geblendet, hat keine Schranke gebant zwischen ihr und ihrem Volk, ihr Herzschlug für des Volkes Wohl und ihre Hand war stets geöffnet, wohlzuthun und diesocialen Wunden zu heilen. „Geben war ihr süßer denn Empfangen" — und so mögeder König der Könige sprechen: „Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" w f. f.,und wenn sie sagt: Herr, wann habe ich dich je hungiig oder durstig oder obdachlosoder wund und krank gesehen? so wird der Herr zu ihr sa^eu: „Was du dem Gering-sten von nieine» Miibrüdern, dem Geringsten ans deinem Volk gethan, das hast dumir gethan! Geh ein in die Freude deines Herrn!"
Und nun, verehrieste Tranervcrsammlnng, soll dieß schöne reiche Leben in seinemThatenschmiick und sinniger Hoheit an uns vorübergegangen seyn, ohne eine duftreicheBlülhe unserem Gemüthe zn entlocken, ohne eine edle Frucht in uns zu reifen? Otewiß nicht! Wir wollen nur um so entschiedener halten zu Thron und Vaterland,wollen um so treuer ergeben seyn unserm König, und zwar aus Liebe zu Gott, mitder vollen Wärme eines religiösen Herzens! Wir Wolleu, wenn eS gilt, mit Muihund Vegeistirung einstehen für deS Königs gerechte heilige Sache, mögen auch inrumänischer Tiefe feindliche Elemente sich entfesseln und gegen uns anstürme». Fürstund Vaterland! y-ilig und unzertrennlich sind diese Begriffe. Wer nur eine»Funken Vaterlandsliebe hat, der wird seinen Fürsten ehren, und wer seinen Fürstennicht ehrt, der ist nicht werth, daß er die Luft der Heimat athmet, daß ihn die vater-ländische Erde trägt.