Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
AuAsburger PoAMmlg.' ..
10. December SO. 1854.
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DeS KinbeS Traum.
„Was hast du geträumt, mein Kind, in der Nacht,Daß du so freudig bist aufgewacht?Noch ist gefaltet dein Händepaar,Dein Auge so sinnend, von Wonne so klar."
,,„O Mutter! ich hatte den süßesten Traum:Mein Schutzengel kam aus dem Himmclsraum,Er nahm mich und flog durch die Lüfte mit mir.Und sagte: »ach Bethlehem reisen wir.
Und als wir wieder uns senkten sacht,Erblickt' ich viel Cngrl in heiliger Pracht:Die schwebten und leuchteten selig und hehrUnd sangen und jubelten Gott zur Ehr'.
Da kniete mein Engel sich hin geschwind,Und sagte: wir sind^zur Stelle, mein Kind!Nun falte zusammen die Hände sromm,Hier ist die Hütte, zur Krippe komm!
Da sah ich, o Mutter, ein Kindlein süß,Als wär' es ein Nöslcin vom Paradies;Das schaute mich au und grüßte mich fein,Als wollt' es mich nennen sein Brüderlein.
Und näher ging ich und zitterte nicht,So lieb war des Kindes Angesicht,Die Händchen, von Unschuld so lilienweiß.Der Mund, von inniger Liebe so heiß.
Da hat Es zu mir sich gewendet hold,Darreichend ei» Krönlcin von reinem Gold;Gib nie, so sprach Es, dieß Krönlcin zu Kauf,Denn „kindliche Unschuld" stehet darauf.
Ich dankt' und was that der göttliche Knab'?Ein NInglcin zog er vom Finger ab —Steck an, so sprach Er, dieß NIngclcin!Die kindliche Lied' ists, bewahre sie fein!