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Arzt. Darüber stürzen die Mörder in den Tempel, und wollen ihr Opfer vollenvstönten. Der ehrwüidige Mastai tritt ihnen mit ernst wehmüthiger Miene entgegen:„Wie," spricht er, „ihr habt den Muth, diesen Unglücklichen bis zu den Füßen deslebendigen GotteS zu verfolgen! Genügt's euch nicht, sein Blut vergossen zu haben?Ihr wollt'S also auch noch trinken!" Die erschreckten Mörder entfliehen, und alsder inzwischen angekommene Arzt das nahe Ende deS ManneS verkündet, hört derCardinal diesen Bericht, spricht ihn los, segnet ihn und empfängt bald darauf seinenletzten Seufzer. Darauf entfernt sich der hohe Seelenhirt, aber nicht eher, bis eralles Nöthige zur anständigen Bestattung deS Verblichenen angeordnet. Und jenerCardinal ist, wie gesagt, unser nunmehriges Kirchenoberhaupt, unser PiuS IX.
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Chartum . Nach dem letzten Schreiben des Tiroler Missionärs Gostner inAfrika vom 27. Aug. d. I., ist derselbe gesund, und eben so auch der Herr ProvicarKnoblecher, welcher bei Abgang deS Briefes eben im Begriffe war einen Bericht vom„weißen Fluß" zu verfassen. Wie Hr. Gostner meldet, befinden sich gegenwärtig 25Knaben in der Missionsschule zu Chartum , wovon die Mehrzahl bereits getaufc ist,und die alle gute Fortschritte machen. Hr. Gostner ertheilt darin seit dem Tode deshochwürdigen Hrn. Haller den Religionsunterricht. Sein Hauptaugenmerk, schreibter, sey auf ihren Neubau gerichtet; jedoch möge eS wohl noch zwei Jahre dauern,bis die Missionäre ihre Erd-Hütten mit einer festern Wohnung werden vertauschenkönnen. Unverhohlen drückt er seine Freude über die Nachricht aus, daß Verstärkungfür die Gesellschaft im Anzüge sey und daß darunter Landsleute sich befinden. Brauchensie ja doch Leute, und zwar solche, die voll himmlischen Muth.es und ohne irdischeAbsichten sich ganz dem Dienste GotteS weihen wollen. Interessant ist, was er vonden koptischen Christen, ihrer Kirche, ihren Priestern und ihrem Erzbischof in Chartum berichtet. Tiefe religiöse Nersunkcnheit, grobe Unwissenheit und Erstarrung im äußer-lichen Formenwesen kennzeichnen diese monophvsmsche Secte Afrikas, wie ihre Schwesterin Asien. Hr. Gostner erkannte bei seinem Besuche der koptischen Kirche, eines sehrgroßen viereckigen, durch eine Quermauer in zwei Theile abgesonderten Zimmers, denErzbischof nicht, so zerlumpt und schmutzig sah der Mann auS. Erst als er einenschwarzen Mantel mit ungeheuern Klunkern übergeworfen, hielt er ihn für einen Priester.Daß er der Erzbischof sey, mußte er selbst sagen. Seine Wohnung fand er schmutzig,ohne alle Einrichtung und ohne Buch. Von den Priestern, schreibt Gostner, daß sieförmlich gepreßt weroen. Der nächste beste Schreiber, Schuster oder Schneider wirdim Falle deS Bedürfnisses ergriffen und so lange eingesperrt, bis er sich gutwilligweihen läßt. Ihr Unterhalt für Weib und Kinder sind die Stolgebühren, mit denensehr simonistisch umgegangen werde, und die Sammlungen. Sie seyen sehr unwissendund können in der Negel außer ihrer Messe, die sie auswendig gelernt haben, wederlesen noch schreiben. In der Kirche beim Gottesdienste soll eS, nach dem Berichtevon Augenzeugen, gar toll hergehen. Bei der Predigt rufe der nächste Beste: Dasist nicht wahr! Du bist ein Lügner, halte das Maul u. s. w,, und beim übrigenGottesdienste schreie bald der Eine, bald der Andere: Mach, daß du einmal fertigwirst, du Faullenzer! Beim Herausgehen auS der Kirche habe ein Missionär Alle anStücken Brod nagend gesehen. Auf die Frage, was das wäre, sey ihm erwiedertworden: sie thäten communiciren. Daß eS mit der Sittlichkeit bei diesem Volke ebennicht gut aussieht, läßt sich leicht denken, zumal auch die Vielweiberei unter ihm herrscht.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
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