Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
17. December ZI» 1854.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der Halbjahr,-,- Abvmümcntsprei«TV kr., wofür e« durch alle louicil. liayer. Poslümt-r ui>d alle Buchhandlungen bezocim werden kann
Bemerkungen aus Anlaß der Dogmatisirung der unbefleckten Em-pfängnis der seligsten Jungfrau, von Professor Franz CoSta.
Es ist in der christlichen Well nicht unbekannt, daß der heilige Stnhl sich anschickt,zur Ebre der unbefleckten Empsängniß der seligsten Jungfrau und GolteSmntler einen gro-ßen Act zu vollziehen. Es einspricht das nur den vielseitigsten Wünschen und Bitten,welche von allen kirchlichen Ordnungen und anS allen Ländern eintreffend unsern heiligenVater PiuS !X. bestimmten, unter dem 2. Febr. 48-49 iu Seiner Weisheit sich an dengesammten Episkopat über die Angelegenheil zu wenden und in neuester Zeit eigens Gebetein der Christenheit für diesen Zweck anzuordnen. Auch ist wohl schwerlich ein Katholik,dem nicht schon die Knnde zn Ohren gekommen, wie eine große Anzahl von BischöfenauS allen Weltgegenden beim Slcllvertreter Jesu Christi sich in dieser Angelegenheit zu-sammenfindet. Allein nicht Jeder besitzt die nöthigen oder doch dienlichen theologischen Be-griffe, um in der Sache klar zu sehen; um Solchen behilflich zn seyn, behandelt dienachstehende kurze Unterweisung in fünf Hauptstücken 1) die Lehre von der unbeflecktenEmpsängniß der seligsten Jungfrau; 2) die Haltung, welche die Kirche stets gegendiese Lehre eingenommen; 3) was heule neues in der Sache geschehen soll; ^ wasdamit bezweckt werden will, und 5), welche Pflichten dem Christen erwachsen, wennder Auöspruch, wie zu hoffen steht, vom Natican ausgeht.
Erstes Haupt stück: Die Lehre von der unbefleckten Empsängniß der seligstenJungfrau.
1. Was man unter dieser unbefleckten Empsängniß versteht.Es läßt sich keine bessere Definition von der unbeflecktm Empsängniß geben,als sie in den Worten der Bulle Lollioitucic» von Alexander VII , unter dem 8. Dec.1661 enthalten ist. Wenn die Gläubigen, sagt dieser Papst, die Empfängniß Mariensehren, geht ihre Absicht dahin, der ganz besondern Gnade,
womit Gott im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi die Seele der seligstenJungfrau vom ersten Augenblick ihrer Erschaffung und Einigung mit dem Leibean vor der Befleckung durch die Erbsünde bewahrt und geschützt hat,-ihre Hnldignng zu erweisen. Daö bedeutet, daß, als die Seele Mariens mit ihremLeibe im Schooße der Mutter geeinigt wurde, sie bereits geschaffen war im Standeder Gnade und geheiligt durch den heiligen Geist. In diesem Sinne wird die Em-psängniß der Jnngfran unbefleckt genannt, im Gegensatz zu den übrigen NachkommenAdams, welche insgesammt mit der Makel der Sünde ihres Stammvaters, die umdeswillen Ursünde (peeeatum originale im Lateinischen ) genannt wird*), behaftet und
Die deutsche Sprache hat den Begriff in dem Ausdruck: Erbsünde nicht getreu wieder gegeben,sondern eine theologische Auslegung für den allgemeineren Begriff gesetzt.