dcns und Märtyrers, dessen Leib zu Mailand ruhet. Wir erstaun-ten, daß seines Geistes Wehen uns nach Verona führte, wo dieseltene Freude uns wurde, die Frucht des Prcdigtamtes in eigen-thümlicher Wirksamkeit des heil. Geistes wahrzunehmen. Heute,nach der Feier der heil. Mysterien, reichte man uns die priester-liche Stola mit dem Erbieten, das Haupt desselben heil. Petrus ,welches über dem Altare seiner Capclle zu St. EustorgiuS thronet,zu eröffnen. Wir waren erstaunt, nach sechs Jahrhunderten die-ses heilige Haupt so unvcrwcset zu finden, daß nicht allein dieDoppelte Reihe der Zähne, die Haare des Bartes, sondern auchdas aus der Wunde hervorquillendc Blut in einer Aussckwcllungsichtbar ist, welche uns zweifelhaft ließ, ob wir ein fließendes, oderein kaum getrocknetes Blut schauten. Ohne unseren Augen alleinvertrauen zu wollen, bezeugen wir die Wahrnehmung mit jenerGewissenhaftigkeit, mit welcher wir unsere Aussage vor den großenRichtcrstuhl der Ewigkeit zu tragen hoffen. — Wir verließen dieHciligthiimer von St. EustorgiuS mit neuer Stärkung in Glaube,Hoffnung und Liebe, und begaben uns zu der heiligen Einsamkeitvon St. Barnabas in die Zelle neben den geweihten Zimmern,wo der große BorromäuS sich alljährlich zurückzuziehen pflegte, wosein Kleid und Gürtel des dritten Ordens des seraphischen Fran-ciscuö, welchem er angehörte, noch aufbewahrt wird, und wo dererlauchte Franz von Sales die Herberge, zu Borrvmäus Ehren,nahm, wo beide, zu verschiedenen Zeiten, knieten und beteten,und versenkten uns in den Glanz der Erinnerungen, welchen diesegroßen, vclllenchtenden Sterne der wahren Kirche der Heiligen hierzurückgelassen haben.
Nachtrag. Den 2. November. Die Inschriften auf demSt. EustorgiuSplatz zu Mailand haben wir heute getreu in unserTagebuch eingetragen.
1) Inschrift über dem Hauptportal der Basilika der heiligendrei Könige:
Oev Optimo Äluximo1'emplum 8ancti LustorZii, '1'itulo Lasilieuo Lanetorum Re-gum, ol> usservuts Diva oorum Lorpora iusixniUim, >,Iuri-morum Sailctonim I^isanis venörubile, Simeti ?etri HIar-t^ris, Orclinis l^raoilieatorum, eonvionilius, mirucitlis, se-
pulero olsiissimum.
2) Inschrift an der rechten Vorderseite des Dreiecks derTrinmphkanzcl des heil. Petrus von Verona :
In Iiuc ^roa 8anetus I>Ltru5 >lsrlvr. Orclinis ?ru<Zl>icstoruinAlunieliaoos eorgm populo tlisiiutantss eloquentia et procligiissaopigsimo conlutilvit.
An der linken Vorderseite des Dreiecks:
Hkio, pertingei85imo Iiuerotieorum ^ntistite provocanteSanctu8 Petrus Nartvr, Orclims praoclieatorum, mibeeulumrvpente »eeivit, coneionem inter ao Solom stare ^jussit.
3) Inschrift über dem Triumphbogen der Schlacht von Ma-rcngo, jetzt: Triumphbogen des Friedens der Völker:
psci populvrum sosriitae.
Die Inschrift an dem Sarophag in der Kapelle der heiligendrei Könige in der vorgenannten Basilika lautet:Sepulci-um l'rium lie^um!
(Fr. K. K,)
D e u t s ck l a n d.
Mittheilung über die Bekehrung des Judcnknabenaus Gcsckc.
(Katholik.)
Die tumultuarischcn Auftritte iu Gcsckc in Folge der obcn-gcuanntcn Bekehrung sind in den Zeitungen nun fast seit Jahres-frist verschollen; das Urtheil aber über die eingezogenen Individuen,welche bei jenen Ercessen bethciligt waren, ist erst vor einigenWochen zu Arnsberg gefällt worden. Von den zur Untcrsn-chung gezogenen 18 Personen haben 7 bis 8 zwei Jahre Zucht-haus erhalten, 4 aber drei Jahre; du> übrigen sind vorläufig frei-gesprochen. Dem tuniultuarischen Verfahren mag sein Recht gesche-hen seyn; in Betreff rer BckehruugSgeschichtc aber möchten fol-gende Mittheilungen von Interesse seyn.
1. Aus eiucm Schreiben des Pastors A. zu Wert,
welcher den Judcnknaben getauft hat, bald nach
ertheilter Taufe, 15. April 18ä3.
„Vor ungefähr 7 Wochen hörte ich, ein israelitischer Knabeaus Gesekc sey hier cmackommcn, der Christ werden w^llc, nndden man von Gcsckc bicher geschickt habe, um sein Vorhaben zuvereiteln. Ich kümmerte mich weiter um dieses Gerücht nicht, bisich in voriger Woche ein kleines Bricfchcn erhielt, das mit demNamen Abraham Löwenbach unterzeichnet war, worin michdieser auf die rührendste Weise bat, ihm doch die heilige Taufe zuertheilen. Aus einem Briefe des Vicar B. zu Gcsckc, dcr mireinige Tage früher übcrbracht war, sah ich, daß dcr Knabe vondiesem Geistlichen bereits in dcr christlichen Religion unterrichtetwar, und fand mich deshalb veranlaßt, an den Vicar B. zuschreiben, um mich nach dem Alter des Knaben, nach dessen Kennt-nissen, Aufführung, Familienvcrhältnisscn nnd sonstigen Umständenzu erkundigen. Unterm 9. April erhielt ich über dieses Alles dievollkommenste Auskunft, und wnrde zugleich aufs dringendste ge-beten, mich des braven, hartverfolgten Knaben doch liebevoll anzu-nehmen. Am 8. April kam der ^inabc aus eigenem Antriebe zumir, und bat mich inständig, ihm doch die heilige Tause zu er-theilen. Nachdem ich ihm angemessene Ermahungcn gegeben undihm gesagt hatte, daß ich seinetwegen an Vicar V. geschrieben,entließ ich ihn mit dem Versprechen, ihm das Nähere mitzuthei^len, sobald ich Antwort von Gcsckc erhalten.
Als ich am folgenden Tage Morgens aus dem Beichtstühlekam, rief inir dcr hiesige Vicar aus dcm Fcnstcr cntgcgcn: „DerJudcnknabe ist auf ihrem Zimmer; die Jurcn haben ihn verfolgtbis zum Thore Ihres Hauses." Ich traf den Knaben auf meinemZimmer, auf welches er vor den Juden geflohen war, und ehe ich^ noch ein Wort mit ihm geredet hatte, erschien schon dcr Sohn!dcS Kaufmanns R. dahicr, bci dcm dcr Knabe vom Vater unter-gebracht war, um ihn zurückzuholen. Dcr Knabe weigerte sich aberhartnäckig mitzugehen, indem er sagte, man beabsichtige, ihn wie-der nach Geseke zurückzuführen, und dahin werde er nicht eher ge-hen, bis er getauft sey. Mich aber bat dcr Knabe dringend, ihndoch vor den Nachstellungen der Juden zu schützen und ihn zutaufen.
Kaum war der junge N. weggegangen, so erschien auch derVater desselben mit seiner christlichen Magd, und es gelang die-sem unter meiner Mitwirkung, den Knaben zu bewegen, mit derMagd in sein Haus zurückkehren zu wollen; er ging auch mit derMagd von meinem Zimmer. Eine halbe Stunde später erhieltich aber von R. einen Brief, worin er mir anzeigte, daß dcr