und Angst, dic ich 6 Tage und Nächte des Knaben wegen ausge-standen, endlich ein Ende zu machen, und um vor Allem das hei-lige Verlangen des Knaben nach der Taufe zu befriedigen, wozumich ja der Herr hieniedcn berufen, so entschloß ich mich, nachdemich jedoch zuvor noch, um ja nicht gegen dic Gesetze zu verfehlen,den Nath deö Herrn Cvnsistorialrathö K. zu ArnSbcrg durch einenBoten eingeholt hatte, wodurch mir dic feste Ueberzeugung ge-worden, dasz hier allen gesetzlichen Vorschriften Genüge geleistetsey, den Knaben am 15. — am Charsamstag — zu taufen.
Mit diesem Entschlüsse machte ich den Knaben am CharfreitagMorgens bekannt, nachdem er mir zuvor noch weiter von seinenKenntnissen und seiner Sündhaftigkeit die rührendsten Beweisegegeben. Er jnb-ltc vor Frcndc, als er hörte, daß ihm das solang ersehnte Gluck nach so vielen Leiden und Kämpfen endlich znTheil werden sollte. Er bereitete sich den übrigen Tag hindurchin der erbaulichsten Weise zum Empfange der heiligen Taufe vor,und empfing dann am Charsamstag, den 15. April, nach der kirch-lichen Segnung der Taufe, das Bad der Wiedergeburt. Taufzcu-gcn waren der Jnstizamtmann B. und dic Frau v. L. dahier; ererhielt die Namen Vcrnard Franz Matthias. Seit Mcnschcnge--dcnkcn hat wohl kein kirchlicher Act hier in Werl bei der zahllosversammelten Volksmenge aus allen Standen eine so tiefe Rüh-rung hervorgebracht, als die Taufe dieses standhaften Knaben.Kein Auge war thränenleer; er allein blieb heiter und antwortetemuthig und unverzagt auf alle an ihn von mir gerichteten Fragen.Der junge Christ, von seinen reichen Eltern und Verwandtenverstoßen, lebt munter und heiter bei mir im Hanse, und ichwerde Alles, was in meinen Kräften steht, aufbieten, um den auf-geweckten talentvollen Knaben an der Hand der Religion JesuChristi zu einem rechtschaffenen Bürger der Welt »nd des Him-mels heranzubilden. "
Der edle Herr Pfarrcr hat Wort gchaltcn; er hat unermüd-lich für den Knaben gesorgt, und Alles aufgeboten, um ihm dereinsteine ehrende Stellung im Leben zu bereiten. Es gelang ihm, den-selben auf das Gymnasium zu Paderborn zu bringen; aber dieEltern ruhten nicht, den Knaben zu beunruhigen und zu verfolge».Sie wußten seiner habhaft zu werden und schafften ihn heimlichnach Hamburg . Dic über solche Verfolgungen auSgebrochenen Un-ruhcu iu Gcsekc sind bekannt. Folgendes entnehmen wir aus einemBriefe, den der Knabe an seinen Wohlthäter, den Pfarrer A. inWerl , schrieb; er ist vom 11. Mai 1844.
2. Theuerster Wohlthäter!
„Seit meiner Abreise von Werl hatte ich wieder traurigeTage! Sobald ich in Paderborn anlangte, vernahm ich auchschon, daß cS ganz gewiß sey, daß ich wieder zu meinen Elternznrück müsse. Den Verlauf der Sache wird Ihnen Herr CaplanL. mitgetheilt haben. Der Herr Caplan begleitete mich nach Gc-sekc. Sobald er nur weg war, wurde ich wieder mit Schimpfenund Vorwürfen überhäufe. Ich schwieg immer still, und antwor-tete nur dann, wenn cS meine Pflicht erheischte; war übrigensartig und gehorsam, so wie cS sich sür ein Kind geziemt. Gleichden andern Tag sagte ich meinem Vater, ich müßte zum HerrnPastor S., indem ich noch einige Grüße an ihn zu bestellen hätte.Mein Vater aber sagte, ich solle zu Hanse bleiben, da ich nochgenug znm Pfarrcr gehen könne. Ich gab nach, sagte aber, daßich am andern Tage doch jedenfalls hingehen müßte. Am andernTage bat ick meinen Vater wieder um Erlaubniß (denn er sollte
sehen, daß ich ihm noch ganz gehorsam sey); er sagte, ich könnegehen, sobald er von einem kleinen Ausgang, den er noch zu ma-chen/ zurückkäme. Ich freute mich schon darauf; allein, da er wie-der kam, sagte er mir, ich solle mich reisefertig machen, um nachMünster zu reisen, und auf dem dortige» (katholischen ) Gymnasiummein Studium fortzusetzen. Aber das war nicht seine Absicht; son-dern ich wurde in einem Wagen von meinem Bruder in das pro-testantische Hamburg gebracht und bei einem Rabbiner cinquartirt.Hier wohne ich nun, und gehe auf das hiesige protestantische Gym-nasium, und zwar ebenfalls in dic Tertia. Der Rabbiner, bei demich wohne, will mich mit Gewalt wieder zum Juden machen, obgleichich ihm meine feste Ueberzeugung versichere, daß die römisch-ka-tholische Religion und keine andere dic wahre ist; er scheint abernicht rnhcn zu wollen. Ferner ist hier nur eine katholische Kirche;ich kenne den Pastor nicht, ich wollte gerne communiciren, darfaber nicht, ich ginge gerne, wenigstens Sonntags in die Kirche,ich darf ebenfalls nicht. Die Gebetbücher, dic ich mit anf dic Reisegenommen hatte, hat mir mein Bruder weggeworfen und nnchnoch dabei verhöhnt. Geld kann ich aber nicht anders erhalten,als wenn ich dem Rabbiner den Zweck sage, wozu ich es gebrau-chen will. — Wenn Sie daher so gut wären und schrieben an denhiesigen Hanptpastor Sch. oder an Pastor W. über meine Lage,und legten dann auch ein Bricfchcn für mich bei. Sie habenschon so oft für mich gesorgt; o thuen Sie es anch jetzt noch undschreiben Sie an einen der obigen Herren, und schildern Sie ihmmeine Verhältnisse. Ich bitte Sie darum!! :c. :c.
Der edle, unermüdliche Pfarrer hatte bereits, ehe dieser Briefanlangte, sich für den Knaben bci der Königlichen Regierung ver-wandt. Unter dem 23. April d. I. hatte dieselbe bci dem Obcr-landesgcrichtc die Bestellung eines christlichen CuratorS für denminderjährigen Bcrnard Löwcnbach in der dringlichsten Art bean-tragt, der dann auch baldigst beschafft und mit der obervormund-schaftlichen Antorisation versehen wurde. Auf dessen Anklage wurdedem Vater des Knaben dic väterliche Gewalt genommen, und derKnabe von Hamburg zurückgeholt und dem ferneren Studium aneinem katholischen Gymnasium gewidmet.
Feierliche Einweihung eines Klosters.
Am 20. August wurde die Abtei und Kirche des St. Bern-hardsberg in der Grafschaft Leiccster feierlich eingeweiht. Dieß warzum erstenmale seit der Neformationszeit, daß eine solche Ceremo-nie, wie die Einweihung eines katholischen Klosters, gefeiert wurde,weßhalb auch eine große Zahl Priester und Laien derselben bei-wohnten. Der 1)r. Walsh, Bischof von Campisolis, vollzog dicWeihe. Die Hauptmesse wurde vom Hr. Wyscmcm, Bischof vonMesopotamien , unter Mitwirkung des Dr. Morris, Bischofs vonTroja, gehalten. Alle drei sind apostolische Vicarc. Das jetztwieder ausgebaute Kloster datirt seine» Ursprung vom Jahre 12g(1.Die Mönche, die es auf's Neue in Besitz nahmen, gehören dem Ci-sterzienscr Orden an, der von Robert, Abt von Melesme gestiftetwurde, der den Orden des heiligen Bencdictus bildete. Die armenMönche hatten lange Zeit in elenden Hütten gelebt, in den Wäl-dern von Carnwood.
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