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ÄK. Januar
Wie Friedrich Hurter katholisch wurde ^)
Dcr Verfasser der Geschichte JnnocenzenS des Dritten undsei»er Zeitgenossen wurde unter den Forschungen, welche er zu die-sem Behufe anstellte, aufmerksam auf den Bau dcr katholischenKirche-, er schaute mit Wohlgefallen in die kraftige Leitung der-selben Durch eine lange Reihe würdiger Oberhäupter, in derenWachsamkeit über Einheit und Reinheit dcr Lehre. Diesem gegen-über stellte sich die Unselbständigkeit der protestantischen Kir-chen ihre Abhängigkeit von den Staats - Gewalten, ihre in-nere Zerrissenheit und jener Individualismus, welcher die Lehreden Grübeleien dcr Kritiker, den Philosvphcmcn dcr Dogmatikerund der Subjectivität der Prediger preis gibt. In dieser Eigen-schaft aber, und nachmals als kirchlicher Oberer eines protestanti-schen Ländchcns, betrachtete er sich gleich der Schildwache eineshalb aufgegebenen Postens verpflichtet, diesen zu vertheidigen mitaller Entschlossenheit, ihn zu behaupten, so lange wenigstens alsmöglich; das heißt, an den Fundamcntallehren des geoffenbar-ten Christenthums, nämlich an denjenigen von dcr Trinität, dcrErbsünde, der Gottheit Christi, dcr Erlösung, dem gläubigenWandel, mit eiserner Festigkeit zu halten, sie alle zumal in Predigt-und Unterricht unablässig zu verkünden, somit entschieden alle An-wandlungen des NationaliSmnS abzuweisen. Hierüber konnte ihmnie ein Borwurf gemacht werden; zu erhalten, was »och vor-handen, das erachtete er stets als geheiligte Aufgabe seines Wir-kens. Für sich selbst aber beschäftigte er sich mehr mit demAeußern, als mit dem Innern der katholischen Kirche , mehr mitderen Geschichte und Verfassung, als mit deren Dogma. Einesnur, hervorgehend aus seinen dogmatischen Ueberzeugungen, fielihm schwer, daß diejenige Fraction des Protestantismus, der erangehörte, die heilige Jungfrau gänzlich beseitigt hatte, sie voll-kommen ignvrirtc, oder höchstens als eine gewöhnliche, obwohlfromme, Mutter sic behandelte. Frühzeitig, ohne Bücher zu le-sen, ohne mit irgend Jemand darüber in Erörterung einzutreten,ohne alle specielle Kenntniß dcr katholischen Lehre in Betreff der-selben, fühlte cr sich von unricnnbarcr Ehrsucht gegen sie crsüllt,
) Von ihm selbst erzählt. Aus dcr sc eben erschienenen „überüchlli-chrn Darstellung cer wichtigsten B lvhrungcn zur ka>h»l scheu Kirche"(Schaffhausen, H>,tter'icke Buchbandlungl !!, 3Ki» ss.
ahnctc cr in ihr Fürbittcri», wcndctc cr sich in dem Hcilig-thum des Herzens an sie. Auf protestantischer Kanzel mit allerEntschiedenheit zu verwerfen, was die Stifter des Protestantis-mus vom Christenthum noch beibehalten haben, ist erlaubt, findetnicht selten Beifall; beibehalten oder herstellen zu wollen, was sicverworfen haben, fände lauten Widerspruch, entschicdcncn Tadel.Dr. Hurter bemühte sich, wenigstens auf die Jungfrau Maria(so wird sie doch in dem protestantischen Glaubensbekenntnis; ge-nannt) aufmerksam zu machen, ihre höhere Beveutung in Erinne-rung zu bringen. Ueber das an solchem Ort Zulässige ging ernicht hinaus. Wer dem Andern, glaubte cr, die volle Schuldredlich und gewissenhaft abträgt, sey nicht verpflichtet, über dieBaarschaft, die er in der Tasche zurückbchält, ihm Rechenschaftabzulegen.
Im Jahre 1840 wurde an ihn die sonderbare Frage gestellt:ob er Protestant von Herzen sey? Die Frage wurde nicht aufAusstellungen an seinem bisherigen öffentlichen Wirken, auf Be-weise, die man diesem hätte entnehmen können, begründet, son-dern an jenes Gcschichtswerk und an eine Reise nach Wien ge-knüpft, darüberhin in das k'vrum mtvrnum gcschobcn. Dic äu-ßere Veranlassung dazu hatte man in einem Besuche in dem Klo-ster St. Katharinenthal und in dcr Anwesenheit in dcr dortigenKirche gefunden. Wenn man bei Momenten des Lebens, an wel-che sowohl für das äußere als für das innere Daseyn eine Reiheder merkwürdigsten Folgen sich anknüpfen, von Zufall reden kann,so war die Wahl des Tages, dcr mit dem Feste des heiligen Jo-sephs zusammentraf, das Zufälligste von dcr Wclt. Ein Bauermachte sich den Spaß daraus, au dic Anwesenheit des 1^5. Hur-ter in der Kirche die grundlosesten Sagen über dessen Benehmenzu knüpfen: einigen Geistlichen waren dieselbe» willkommen alsBrücke zu Vollführung dessen, wonach sic im Stillen längst schonsich gesehnt hatten.
Dic nächste Folge war also jene Frage. Dr. Hurter wies die-selbe mit gerechtem Unwillen zurück, weil in ihr nicht daö positive,sondern das negative Element das Ucbcrgcwicht hatte. Wäre crgefragt worden: ob cr Katholik sey? cr hätte mit eiucm entschie-denen Nein antworten können und müsscn. Darüber ciitstaud hef-tiger Hader, worin allerlei merkwürdige Elemente zusammen sichverbanden, sicher auch politischer Haß seine Beisteuer gab. Er