zubewegen, wodurch die Mcnschcnrcchte nicht verletzt werden, daGott allein daö Recht zusieht, dieß zur Förderung seiner Ehre undzum Mcnschcnwvhl zu befehlen. Wie Eltern, wenn sie diesen Be-fehl Gottes nicht vollziehen, wegen Unterlassung dieser Pflicht vonihren entarteten Kindern mißhandelt werden, so die weltlichen Für-sten durch revolutionäre Unterthanen. So lehrt die Geschichtebesonders in unsern freisinnigen Tagen. Wo finden aber gottes-furchtige Fürsten, wenn sie diese ihnen von Gott gebotene Pflichterfüllen und seine Ehre fordern wollen, eine Mehrzahl von ihnenBevollmächtigter, welche ihre Verordnungen gewissenhaft vollziehen?Auch in diesen Gegenden werden, ungeachtet der bestehenden Ge-setze , die Frcinächtc fast bei alle» Hochzeiten und Frcitänzen gedul-det.— Dank und Ehre unserm guten, allgcliebttn König Ludwig,der bei solchen Verhältnissen durch ein außerordentliches geistlichesErziehungsmittel, durch die Missionen der Priester des heiligstenErlösers, der göttlichen Pflicht zu genügen, und dem moralischenVerderben des Landvolkes zu begegnen sucht! Bei der herrschen-den Abneigung aber gegen Beschränkung der sündlichen Wcltver-gnü'ge», besonders bei eigennützigen Wirthen, denen mehr amzeitlichen Gewinn als am Seclenheile liegt, ist es eben kein Wun-der, daß die Väter deö heiligsten Erlösers in Altötting , die schonals Wallfechrts-Priester die Sittlichkeit weithin fördern, als über-spannt in ihren Predigten und Lehren im Beichtstühle verschrieenWerden, da sie durch ihr segcnreichcs Wirken an diesem Gnaven-ortc und bei den Missionen die Eltern zur HauSzucht und dieJugend zur Aufgebung der verliebten, sündhaften Bekanntschaftenmit Personen des andern Geschlechtes, so wie zur Wegbleibung vonden in unsern Tagen so ärgerlichen Frcitänzen bewegen. Esstehen aber deßwegen im Markte Waging und in andern Orten,Wo Missionen waren, die Gasthäuser nicht leer, nur ruhig undmäßig genießt man jetzt diese gesellige Erheiterung, und man gehtjetzt vor der Polizeistunde nach Hause. Ein Wirth sagte sogar, erhabe jetzt mehr Gewinn, weil ihm durch Betrunkene und Rau-fende keine Geschirre mehr zerschlagen werden. Auch in denBauernhäuscrn hat der gesellige Besuch nicht aufgehört, wo dieHausväter die sogenannten Heimgarten der Liebhaber ihrer Töchterund Mägde nicht mehr gestatten. Sobald die Bußtrauer, die derApostel nothwendig und heilsam nennt, vorüber ist, sieht man dieJugend heiterer und fröhlicher als zuvor, wo man den innern Unfriedennur durch lärmende, ausgelassene Vergnügen zu beschwichtigen suchte.Bei so heilsamen Früchten der Missionen ist zu hoffen, daßVerlangen der Seelsorger und Gemeinden darnach bald allge-mein werden wird. Das hie und da noch herrschende Vorur-thcil, durch Missionen würde das Ansehen der Seelsorger und ihrerPredigten herabgesetzt, kann nur in der Unwissenheit der Selbst-gefälligkeit ihren Gründ haben, da der Apostel ausdrücklich lehrt:„Weder der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt,sondern Gott , der das Gedeihen gibt." Pfarrkindcr, die auchim Markte Waging der genannten Meinung waren, wurden beider ersten MissionS-Predigt von diesem Vorurthcile ganz befreit,als der geistvolle Prediger sagte: „Erwartet ja nicht, daß wireuch andere Wahrheiten predigen als euer Seelsorger. Er beriefuns nur, weil er euch vorzüglich liebt, wie ein Arzt einen andernzu Hilfe zieht, wenn er bemerkt, daß der Kranke seine Anvrdnun- 'gen nicht befolgt, in der Hoffnung, er werde die eines andern ^eher befolgen." — Wer weiß nicht, daß sich das Volk an die !geistvollsten Predigten gewöhnt. Ein nie gehörter Prediger von >geringern Gaben macht der größern Aufmerksamkeit wegen ost 5ungleich mehr Eindruck auf die Zuhörer. Ein vorzüglicher Grund 1der Wirksamkeit der Missionen liegt aber in ihrem Außerordentlichen, s
1 daß die Rcligionsvorträgc vorzüglich über Buße und die vier letz-> tcn Dinge mehrere Tage nacheinander täglich drei odcr viermalstatthaben, und durch diese geistlichen Uebungen die Zuhörerohne nachtheiligen Einfluß der gewöhnlichen Zerstreuungen zurSelbstkcnntniß gebracht werde». Ich sage ein vorzüglicher; dennder vorzüglichste Segen der Missionen besteht unstreitig in der Wirk-samkeit außerordentlicher, göttlicher Gnaden, die das Wort in denHerzen lebendig machen, und zwar auf die Fürbitte der heiligenStifter der MissionS-Priester, was vor allen die Seelsorger be-herzigen sollen, denen ja die Aussprüchc des alten und neuen Bun-des über die Krast des Fürbittgcbetcs und der Verdienste der Heili-gen nicht unbekannt sind. Als Gott daö Volk Israel des Götzen-dienstes wegen vertilgen wollte, bat MoseS um Schonung desselben,und der Herr ward versöhnt. Im dritten Buche der Königespricht Gott zu Salomon, als er schwer gesündigt hatte, daß erwegen David, seines Dieners, die Strafe verzögern wolle. Undim vierten Buche der Könige heißt es: „Aber der Herr wollteJuda nicht vertilgen um DavivS, seines Knechtes, willen." Wennwir im alten Bunde mehrere solche Stellen lesen, daß sich Gottum Moses' und Davids oder ihrer Verdienste und Fürbitte wegendes sündhaften israelitischen Volkes erbarmte, Jesus selbst lehrt,daß sich die Heiligen im Himmel um unser Seelenheil bekümmern,indem sie sich sreuen über einen Süudcr, der Buße thut, undder heilige Cvpricm mit dem Papste Cornelius einen Vertragmachte, „daß, wer auö ihnen zuerst zu Gott kommen würde, der-selbe dessen Barmherzigkeit für die Gläubigen auf Erden unablässiganflehen sollte;" werden nicht auch durch die Fürbitte des heili-gen Alvhons Liguori und der gnadenvollcn jungfräulichen GottesMutter, die dieser Heilige stets so vorzüglich verehrte, bei denMissions - Predigten der Priester der von ihm gestifteten Gesellschaftdes heiligsten Erlösers größere, außerordentliche Gnaden der Bußeund Beharrlichkeit im Guten den Zuhörern derselben zu Theilwerden? Wenn die Liebe nicht stirbt, wie der gottselige Bischofvon Sailer zu sagen pflegte, so werden die Gerechten nicht aufhö-ren, auch im Himmel für uns zu bitten. Dieser Liebe wegenhaben wir ein besonders großes Vertrauen auf die Fürbitte derjungfräulichen Mutter Jesu bei ihrem Sohne. Man bemerkte da-her einen großen, bleibenden Eindruck iu der ersten Missions-Predigt in Waging , als der Prediger die Zuhörer versicherte, seineMitbrüder werden während dieser Mission am Gnadenorte Alt-ötting, wo es Gott gefällt, wie einst am Teiche Vethcsda, grös-sere Gnaden zu ertheilen, täglich die seligste Jungfrau um Fürbitteanrufen zur Erlangung der Gnade der Buße und Heiligung.
Wie im alten, so ertheilt Gott auch im neuen Bunde durchdas Fürbittgebet außerordentliche Gnaden, wie die Kirchengeschichtelehrt. Um nur ein Beispiel anzuführen, lesen wir im Leben dergottseligen Schwester Maria von Valencc, das die Pariser Univer-sität gutgeheißen hat: „Gott sprach öfters zu ihr, ihrer wegenwolle er eiue große Anzahl Seelen dem Unglauben oder der Ketzereientziehen, ihrer wegen wolle er eine zahlreiche Menge Sünder ausihrem Lasterleben erretten." Boudon setzt hinzu: „Sie dientein ihrem Kämmerlcin nur Gott durch Gebet und ein heili-ges Leben. Während in den Augen der Menschen die Missionäreden Ruhm der Bekehrung jener bekehrten Personen davon trugen,gebührte er in den Augeu Gottes dieser armen Frau, die iu ih-rer Jugend eine kurze Zeit verehelicht gewesen war." Ohne außer-ordentliche Gnaden würden, nach dem Verluste der ordentlichen,zahllose Seelen verloren gehen; denn das Gleichniß Jesu von dernicht gleichen Zahl der Talente lehrt, daß Gott jedem ein be-stimmtes, jedoch hinreichendes Maaß der Gnaden ertheilt. Wirkt