Ausgabe 
5 (16.2.1845) 7
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der Mensch »ach seinen Fähigkeiten mit der innern Anregung undErleuchtung der Gnade nichl mit, begräbt er sein Talent in dieErde: so bleibt er in Zukunft bei den geistreichsten Predigten sei-nes Seelsorgers so lange verhärtet, kalt und gleichgiltig in seinemHerzen, bis ihm Gott durch besondere Vermittlung außerordent-liche Gnaden ertheilt. Dieß geschieht vorzüglich durch die Missio-nen auf das Fllrbittgebet ihrer heiligen Stifter zc. Die Wahrheitdieser Behauptung erwies sich auch bei der Mission in Waging .Ich hörte viele Zuhörer der Predigten derselben sagen: Ost schonhörte ich diese Wahrheiten in Predigten, im Beichtstühle, ichwußte sie schon lange, aber sie rührten mich nicht, ich erkanntemich nicht schuldig. Jetzt aber habe ich Tag und Nacht keineRuhe, mahnt mich immer, ich soll meine Sünden beichten undmich bessern, anders könne ich nicht selig werden. Schon Derheilige Augustin lehrte:Fruchtlos sind alle Predigten, wennnicht der heilige Geist durch innerliche Erleuchtung lehrt."

Möchten doch alle Seelsorger erkennen, daß ihre Wirksamkeitmehr von der göttlichen Gnade, als von ihren Predigten abhän-gig ist, dann würden alle nach Missions-Priestern verlangen, waszur Förderung der beharrlichen Wirkung einer Mission so heilsamwäre, da die bösen Beispiele einer Pfarrei, wo noch keine Missiongewesen, stets nachtheilig einwirken!

Nachschriftlich noch, daß auch in Waging und TettcuhausenTngcndbündnisse der Jungfrauen im Entstehen sind, nach den Sa-tzungen, derer sich auch die P. Nedemtoristen in Tirol zur Er-haltung der Früchte einer Mission bedienen, welchein den Betrachtungen über die Nachfolge Maria lc.(Augsburg in der Math. Rieger'schen Buchhandlung 1844.)abgedruckt sind, die den Mitgliedern empfohlen werden.

Die Trappisten in Algier .

Seitdem in neuerer Zeit in Frankreich so mancher ausgezeich-nete und geistreiche Mann dem Ordenslcben sich zugewandt, be-sitzen namentlich die Trappisten unter ihren Ordensmitgliedern meh-rere Aerzte, die sowohl dem Orden, als dem menschenfreundli-chen Berufe, den sie in demselben pflegen, alle Ehre machen. DasTrappistenkloster (la Kruir«lv-IrÄppö) z. B. bei Mortagne hatin dem (auch durch seine literarischen Leistungen ausgezeichneten)P. Debreyne einen vortrefflichen Arzt, dessen Wissenschaft derganzen Umgebung zu gute kommt. Auch das Trappistenkloster zuStauelli in Algier befitzt in dem P. Mucius seinen Arzt. Ueberdie Wirksamkeit dieses Missionärs bringt die Kevue möäiealkdes Dr. Cayol eben den nachfolgenden Bericht.

In Afrika, wie in Frankreich , heißt es daselbst, stehen dieAerzte aus dem Trappistenorden, von den guten Brüdern unter-stützt, ganz auf der Höhe ihrer Mission und widmen allen Leiden-den mit der ausgesuchtesten Sorgfalt ihre Dienste. So wurdeBruder Ge'rard (vr. Henriat) eines der ersten Opfer dieser wun-derbaren Hingebung, denn er trat während der kältesten Nächtesein Bett an Jene ab, welche keines hatten, und verfiel so früh-zeitig dem Tode. Dctachirte Soldaten, die Kolonisten und Ara-ber, die auch um den christlichen Kebir sich drängen, bilden diezahlreiche und verschiedenartige Kundschaft des Arztes aus demTrappistenorden. Pater Mucius , der Verfasser der folgendenBriefe , befindet sich also in einer Stellung, in welcher er diegrößten Dienste leisten und mit unseren Militärärzten für die Erhal-

') Briefe über die in Algier herrschenden Krankheitsformen, welche dieRevue Kleclicalc- mittheilt.

tung unserer braven Soldaten Vieles thun kann. Daß die Fra-gen über den Gesundheitszustand von Algier von höchster Wich-tigkeit und Bedeutung sind, brauchen wir nicht erst zu bemerken.Setzt ja doch das Klima der Erhaltung unserer herrlichen Erobe-rung und der Einpflanzung europäischer Civilisation den hart-näckigsten Widerstand entgegen; klimatische Verhältnisse hemmenden Fortgang der Intelligenz aus dem Occidcntc nach deinOriente, vom Norden nach dem Süden, sie trennen Europa von derübrigen Welt, und der Heilkunde ist es vorbehalten solche Hin-vernisse zu bewältigen und dadurch den Fortschritt der Kunst zubewähren. Es ist allerdings wahr, daß selbst Historiker, denendie Heilknndc srcmd und die nur auf ihre Erlebnisse angewiesenwaren, wie der heilige Angustin I^cle Livitatv Ovi), das nördli-che Afrika als ein selbst für die Eingeborenen verderbliches Land unsschildern. Allein die Vergangcnhcit darf uns in Bezug auf Ge-genwart und Zukunft nicht cntmuthigcn und trübe Aussichtenwecken die edelsten Kräften zum Kampfe.

P. MuciuS, der in seiner Praxis nach den Principien des hip-pvkratischcn VitaliSmuS verfährt, fördert dadurch den Fortschritt derrationellen Heilkunde in Algier . Und auch die Regierung wirdhoffentlich gegen die Cvlonisationsbcstrebungcn der Trappistennicht gleichgültig bleiben, sie wird, wir zählen darauf, die An-stalt von Stauelli, wenigstens so lange sie noch in ihrer Entwick-lung begriffen ist, thätig unterstützen und ihrerseits sich nicht wei-gern die Arzneien uncngeltlich an Männer abzuliefern, die mitder wunderbarsten Liebe sie benutzen. In diesem Falle würde ichmich freuen durch Mittheilung der folgenden Briefe die Aufmerk-samkeit der ärztlichen Welt ans die Heilkunde der Trappisten hin-gelenkt zu haben. Mögen diese ehrwürdigen Männer, die imStillen so große Dinge wirken im Gegensatze zu so vielen Ande-ren, die viel Lärmen machen um Nichts, mir cS verzeihen, daßich den Schleier, unter welchem ihre Bescheidenheit vor den Au-gen der Welt sich birgt, etwas gelüftet habe. In Frankreich ken-nen nur Wenige die wichtigen Dienste, welche eine HandvollTrappisten, unsere Landsleute, der Kolonisation von Algier ge-leistet haben. Und doch sind sie erst seit ohngefcihr zwei Jahrendort und die Regierung hat ihnen nichts gewährt als 1000 Hec-taren wüstes ungesundes Land und eine Summe von 62,000Francs zur Deckung der ersten Einrichtungs-- und Baukosten.

Auf dem Schlachtfelde von Stauelli mit den dort gesammel-ten Kanonenkugeln haben sie vor zwei Jahren das Fundament ihresBaues gelegt, und jetzt ruht mitten in dieser öden Wildniß dasAuge des Wanderers auf einem harmonischen Ganzen von Bau-ten, unter welchen eine Capelle mit dem glorreichen Zeichen derErlösung, ein großes Kloster und zu beiden Seiten die Gebäudeder Musterwirthschaft auf den ersten Blick hervorspringen. Mehrals 100 Hcctaren Landes sind trotz des ungünstigen Klimas undder Schwierigkeiten aller Art bereits urbar gemacht. Allein eSsind auch schon sieben bis acht Ordensmäimcr von 45, welche diekleine Colonie bilden, in der Blüthe des Alters der Anstrengungund den aus dem ungesunden Boden sich entwickelnden Krankhei-ten erlegen. Diese Verluste haben indessen die frommen Ein-siedler nur zu einem um so größeren Eifer angespornt und unterdem Schutze unserer lieben Frau von Stauelli findet alles mensch-liche Elend eine Zufluchtsstätte und mitleidige Herzen. Ein Hos-pital ist organisirl und arabische Kinder, die der Krieg zu Waisengemacht, werden in das Kloster aufgeuommen, wo sie eine christ-liche Erziehung erhalten und durch Lehre und Beispiel zu gutenAckerbauern herangebildet werden. Knickerei von Seiten der Re-gierung gegen eine so schone, für unsere Colonie so wohlthätige