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Erste Jahreshälfte.
M? 8.
Poftzeituttg.
SZ. Februar
Stellung und Beruf der Jesuiten in derGegenwart.
(Paß. ka,h, Kirchenztg.)In Vcr Geschichte der geistlichen Orden ist vielleicht die Ge-schichte der Jesuiten die merkwürdigste; denn kein Orden hatin so kurzer Zeit des Bestehens so Außerordentliches ge-leistet, keiner so wunderbare Schicksale gehabt, als der Orden derJesuiten . Von seinen Bewunderern und begeisterten Freundeneinerseits zu den Sternen erhoben, andrerseits aber von seinen Geg-nern in die tiefsten Tiefen der Hölle hinabgeschleudcrt, steht er da,unter allen Genossenschaften in der Kirche am meisten die Schick-sale der Kirche selbst theilend und dem göttlichen Meister, dessenNamen er trägt, an Verfolgung am meisten ähnlich geworden.Während die Bcncdictincr Männer des Friedens sind, Ackerbauund Wissenschaft und Kunst in stiller Abgeschlossenheit mit sorgsamgeschäftiger Hand pflegend, sind die Jesuiten geborne Krieger, ge-boren in stürmischer Kriegszcit, erzogen und wohlgeubt im Felde,wohl vertraut mit allen Kriegskünsten des Feindes, abgehärtet undausdauernd, wie kein anderer Soldat, stets wachsam und kampf-gerüstet und daher auch fortwährend unter siegreicher Fahne ge-schaht. Mag sich die Häresie, die Erbfeindin des Jesuitenordens,unter was immer für eine MaSke verstecken, mag sie mit roherGewalt oder in listigem Schaafpelz versteckt, als offener redlicherGegner oder als tückischer Meuchler auf dem Kampfplatz erscheinen:der Jesuit kennt sogleich seinen Mann, reißt ihm die Larve vomGesicht, verfolgt ihn in alle Schlupfwinkel, «nd entwaffnet ihn.Solchen Schrecken übte noch kaum Medusens Haupt, als der An-blick eines Jesuiten auf häretische Augen; entsetzlicher schlug wohlnoch nicht der grause Ton der Sturmglocke an das Trommelfelldes Häretikers, als der Name — Jesuit; scheußlicher k>inn sei-ner Phantasie wohl auch der leibhaftige Teufel nicht vorschweben,als das Bild eines Jesuiten ; ja Jesuit und Teufel sind ihmsynonym. Und woher diese unversöhnliche Feindschaft, dieses Zit-tern beim bloßen Namen Jesuit ? Fragt die Geschichte und siewird euch die Antwort geben.
Als die Häresie auf stolzem Siegeöwagen brausend einherfuhrwie eine gewaltige Windsbraut, und in Sturmeswehen das Ge-bäude der alten Kirche umzustürzen und den Felsen, darauf esgebaut, zu zernichte» drohte: da fielen die Jesuiten der Stür-
mcrin in die Räder, und hemmten ihren stolzen Siegeslauf. Undals sie ihre Schaarcn ausschickte, um die gottgegrllndctc Fclsen-burg zu bestürmen, da standen die Jesuiten im Vordcrtreffen wieMauern, fingen die feindlichen Gcschoßc mit undurchdringlichenPanzern auf und schleuderten selbst so geschickt die Waffen in diefeindlichen Reihen, daß sie schciarenwcise hinsanken, oder in schänd-licher Flucht das Schlachtfeld räumen mußten. Und als die Häre-sie, die Verächterin der göttlichen Autorität der Kirche, ihr jüng-stes Töchterlein, die Revolution, die Verächtcrin der göttlichenAutorität der Könige, ausgeheckt hatte, da standen die Jesuiten wie ein Damm gegen die Wässer der Auflösung und Anarchie, dievon allen Seiten wie eine Sündfluth hereinbrachen, und wohl niewären jene Ströme Bürgerblutes vergossen worden, nie jene ge-krönten Häupter unter dem Beile gefallen, wenn nicht die Revo-lutionsmänner, nicht mit geistigen Waffen, sondern mit roherGewalt, durch List, Betrug und höllische Machinationen aller Art,deren Gräuel und teuflische Bosheit einer kaum mehr fernen Zeitaufzudecken vorbehalten ist, den Damm durchstochen und die Auf-hebung des Ordens beim Hintergangenen heiligen Stuhle zu erwir-ken gewußt hätten. So sank die heldcnmüthige Schaar der christ-lichen Thebaner am Engpasse von Thermopylä, nachdem sie vonVerräthershand dem Tode geweiht war, und nun ergossen sich dieBarbarenhorden über das schöne Hellas, sengend und brennendund jeden ihrer Fußtritte mit Blut bezeichnend.
Die Jesuiten waren gefallen, und die Revolution brach ausihren Schlupfwinkeln hervor. Die letzte Stützt der Altäre undThrone war gesunken, ihrem Falle stürzten die Altäre undThrone nach. Der Wirkungskreis des Jesuitenordens für seineerste Periode war abgelaufen: er hatte seinen Beruf, ein Boll-werk der katholischen Kirche gegen die Häresien und den philoso-phischen Unglauben zu seyn, wohl ins Auge gefaßt, demselbenalle seine Kräfte gewidmet, und das Glück und die Gnade vonGott gehabt, nicht wie die übrigen Orden, an innerer Erschlaf-fung, sondern in der Frische seiner Jahre, im siegreichen Fort-schreiten auf seiner Heldenbahn begriffen, als Opfer seines Beru-fes zufallen, die Bewunderung der Mit- und Nachwelt, und dieschönsten Zeugnisse von Freund und Feind mit ins Grab zu neh-men — bis der AuferstehungSruf Pius VII . sie zum zweitenmal»auf die Schaubühne der Welt rief, um nochmals die geeignete»