Rollen in dem großen Drama der neuesten Kirchen» und Weltge-schichte zu übernehmen und der Welt zu zeigen, waö der Ordenfür Kräfte i» sich beschließe und für Kirche und Staat zu leistenim Stande sey.
Abermals sehen wir den Jesuiten -Orden an der Spitze derKämpfer, die mit den Söhnen Voltaire's , mit den Ruinen desfranzösischen Pantheismus im Felde liegen; sieben Jesuiten inder Schweiz stehen gegen eine meuchlerische Bande von Radicalen,deren Absehen auf Vernichtung alles Christenthums und Lösungaller Bande der Ordnung gerichtet ist. Auch die Unterrichtsfragein Frankreich berührt sehr nahe die Jesuiten , und sie fanden andem Grafen Montalcmbert und dem Bischof von ChalsnS diewärmsten Vertheidiger; kurz, der Name Jesuit ist wieder zumLosungswort geworden — sie stehen wieder auf dem nämlichenPosten, den sie im Jahre 1773 verlassen hatten. Das wollennun freilich die Männer des .lusUi-milivu nicht zugeben; dieJesuitc», sagen sie, haben zwar weiland ihre Stellung gekanntund auch ihre Stück Arbeit redlich gethan. Damals standen sie an derSpitze der katholischen Reaction gegen die Fluthcn des Protestantismus;aber hcut zu Tage ist der Kampf und die Kampfwcise eine anderegeworden; der Feind ist nimmer derselbe, die Manöver sind ver-schieden, die Tculik geändert worden; daher seyen die Jesuiten nicht mehr für unsere Zeit, sondern es müsse auf andere Weise,als durch sie, dem gegenwärtigen Feinde begegnet werden.
Das Alles ist unendlich salbungsvoll gesprochen, um sich denMagen warm zu halten, aber weiter ist mit solchem Gerede auchgar Nichts gedient.
Für's erste ist, um jene Ansicht als unhaltbar darzustellen,gewiß nicht zu lciugncn, daß das Auge des Feindes amschärfsten sieht. Nun fragt die Feinde der katholischen Kirche ,seyen sie orthodoxe Lutheraner oder Rationalisten oder Hegelianerund Nadicale, wer ihnen unter allen kathol. Menschenkindern am ver-haßtesten ist, und dann hört ihr vor Allem den Papst nennenund dann die „Banditcngarde des Papstes" — die Jesuiten .Ihnen gilt all der Hohn, Schimpf und Spott, der von Quinctund Michclct bis zum „ewigen Juden" herab aus dem litterari-schen Markt auSgeboten und von der Menge wie köstliches Confi-türe gierig verschlungen wird; ihnen gelten die Kugeln der Schwei-zer Radicalen und die Percats in Verviers ; ihnen die Reden desProtestanten Guizot in der französischen Dcputirten - Kammer.Dominicaner, Benedictincr, FranciSccmer und andere Klostergeist-liche kommen überall besser weg: höchstens nennt man sie Müßig-gänger, faule Drohnen, dumme Fledermäuse in finstern Löchern;aber diese Titel klingen wie Harfentöne und Engclstimmcn gegendie lieblichen Ausdrücke, mit welchen man der Jesuiten zn geden-ken pflegt. Wenn im protestantischen Lapidarstyl gesprochen wer-den soll, dann sind die Jesuiten immer — pure Teufel; alleSchilderungen von ihnen, namentlich in Dr. Zirndorfer's Romanund in Eugene Sue'S ewigem Juden, fänden in jenen zwei Wortenihren kürzesten Ausdruck und Brcnnpunct; die weitere Ausführungist nur gewässerte Umrcdung oder poetische Umschreibung obigerAufschrift, die vom Protestanten dem Jesuiten als Taufnamc ge-geben wird, wenn er zur Welt kommt, und als Grabschrift, wenner aus der Welt geht. Fragt man nun, warum denn aller In-grimm, alle Wuth, aller Hohn, alle Schmähung, alle Verleum-dung, jegliche Fratze, jegliche Carricatur und jedes Pasquill sichgerade am Jesuiten zu letzen sucht, fragt man, warum man lieberalle Klöster, die je im Schovße der katholischen Kirche entstandensind, gedulden und auskommen lassen will, die Jesuiten alleinaber das ocliui» luimnni Aoiwris seyn sollen, und gegen sie,!
zum Zweck ihrer Vernichtung, jedes Mittel heilig und dreimalheilig ist; so ist die Antwort zweifelsohne diese: Die Feinde deskatholischen und jeden Christenthums insbesondere erblicken imOrden der Jesuiten den unversöhnlichen Gegner ihrer Bestrebun-gen, die stärkste Schutzmauer der Kirche gegen Revolution undAnarchie auf geistlichem wie weltlichem Gebiete, die stehendeOpposition gegen die Omnipotcn; des Staates und die Anmaßun-gen der Bureaukratie. Zur Betrachtung der Jesuiten von diesemGesichtspuncte aus müssen nun die Jesuitcugegner wohl ihre gutenGründe haben, sonst würden sie nicht alle Kräfte anstrengen, undjegliches auch noch so unheiligc Mittel, das zum gewünschten Zieleführt, mit Freuden begrüßen. Wüßte nicht Gnizot, daß durchUebertragung der Lehrstellen an die Jesuiten sein und Cousin'sSchooßkind, der JndifferentiSmuS und Pantheismus der Universi-tät, das Zeitliche segnen und die Freiheit des Unterrichtes für denKlerus erringen würde, dann würde er nicht der Mühe werthgefunden habe», gegen dieselben in die Schranken zu treten; fän-den nicht die Liberalen allerwärtö in den Jesuiten Freunde dergesetzlichen Ordnung, dann würden sie nicht durch Percats undKanonenfeuer diese Bollwerke aus dem Wege zu räumen suchen.Mit einem Worte: die Abneigung der Feinde der Kirche gegendie Jesuiten ist keine erkünstelte, keine übertriebene, sondern eineinstinctmäßigc und verhältnißmäßigc. Oder man nenneuns eine andere Macht, die gegenwärtig dem falschen Liberalis-mus und Radikalismus die Spitze böte! Man kann kaum eineandere uns nennen, außer die Reaction der Kirche überhaupt unddie Tüchtigkeit und Umsicht des heiligen Stuhles. Gerade dieJesuiten aber reagiren am thätigsten und fördern am angel>gcnt-lichsten die Wünsche des heiligen Stuhles, und darum, man über-sehe das nicht, hat auch der heilige Vater gerade den Jesuitenor-den für die Schweiz gewünscht, wohl wissend, daß dieser dort amHeerde aller Demagogie und des wüthcndstcn NadicalismuS ganzan seinem Posten stehe und das conservativc Element am meistenzu halten und zu fördern im Stande sey. Und wenn man dasWirken der Jesuiten in der Schweiz einer nähern Beachtung unter-zieht, so muß man staunen über die moralische Kraft, die Festig-keit und Energie von sieben Jesuiten , die im Kanton Luzcrnim fürchterlichsten Kreuzfeuer stehen, aber dennoch — stehen.WaS hat die Schweiz von sieben mehr, was Frankreich voneinhundert zwanzig Jesuiten zu fürchten ? Und diese Män-ner sollten nicht mehr an ihrem Platze stehen? Sie hätten ihrTagewerk vollendet und stünden nun müßig? Man versuche esund stelle einmal sieben andere Klvstergeistliche hin und höre, obes die Radicalen nur der Mühe werth finden werden, sie einesbedeutsamen Blickes zu würdigen. Hat man denn schon vergessen,wie schnell Herr Guizot die Dominicaner und Benedictincr unddie Weltgeistlichkcit in Frankreich abgekanzelt? Sie alle warenihm zu „dumm', um die französische Nation erziehen zu können;nur den Jesuiten sprach er die Fähigkeit nicht ab, fürchtete aberAlles von ihrem Einflüsse für sein System. Und wer weiß nicht,daß der Säcularkleruö in der Schweiz , über dessen „Bornirthcit"und „Unfähigkeit" die Radicalen früher nicht genug zu sagen wußten,in letzterer Zeit nur deßhalb so erhoben, seine Wissenschaftlich^und Musterhaftigkeit nur deßhalb so cmgcrühmt wurde, um dieJesuiten als entbehrlich hinzustellen und so diese gefährlichenGegner auf eine feine Weise sich vom Leibe zu halten, lind hatdie Gcrechtigkeisliebe des Journal des De'batS nicht unlängst damitherausgeplatzt, daß man die Jesuiten zum Teufel jagen soll, 120Jesuiten! Wahrlich, die Jesuiten müssen ein lüchtigcs Salz seyn,weil die davon gebeizten Organe gar so convulsivisch sich bewegen!