Wären sie dumm gewordenes Salz, ja dann fände allerdings diegegentheilige Meinung, die den Jesuiten die Bedeutsamkeit, dieman ihnen !n unsern Tagen beilegt, absprechen will, eine haltbareBasis für ihre Existenz; allein wir müssen uns entschieden auf dieandere Seite neigen, so lange die Feinde der katholischen Kirche dem Jesuitenorden so viele Aufmerksamkeit schenken, ihn für dasvorzüglichste Vollwerk der katholischen Kirche und vorab des heili-gen Stuhles gegen die Häresie halten, und durch seine Bekäm-pfung die katholische Kirche indircct zu bekämpfen glauben. Wirwerden ferner bestimmt, den Jesuiten große Bedeutsamkeit fürunsere Tage beizulegen, ja größere, als allen übrigen Orden,durch die besondere Empfehlung dcö päpstlichen Stuhles, die ge-wiß kein unbedeutendes Gewicht in die Waagschale ihrer Wichtig-keit für unsere Tage und Zustände legt.
Ja, wir gestehen es, mit großer Spannung sehen wir aufdie Väter der Gesellschaft Jesu hin, und glauben fest, daß ihnenauch in unsern Tagen noch die nämliche Aufgabe obliegt, die siein'S Daseyn gerufen hat, nämlich auszukämpfen den großen Kampfzwischen Kirche und Protestantismus , christlicher Staatenordnungund politischer Anarchie. Diese Bedeutung geben wir ihnen nicht,als wenn etwa sie sich dieselbe gäben; nein, diese Bedeutunggeben ihnen ihre Feinde, die ihre Gegner am besten kennen; dieseBedeutung gibt ihnen die Tages - Geschichte, in deren Ereignissesie von der Hand der Vorsehung hincingeflochten werden, — dennsie haben sich nicht selbst berufen, sondern sie wurden berufen;diese Bedeutung gibt ihnen der heilige Stuhl, weil er sie geradefür die Schweiz , den Herd aller revolutionären Ideen, brauchbarbefunden hat. Mögen sie nur auch wie früher treu ihrem Berufeleben und sich durch keine Schmähung und Verfolgung in ihremEifer ermüden lassen! Ihre ganze Haltung in der Schweiz undanverwärts beweis't es, wie sehr sie die Kunst verstehen, bei Be-leidigungen zu schweigen oder doch mit Würde sich zu vertheivigen.G,rade durch solche Befehdungen der Gegner aber erstarken sieund werden beständig zum Gebet, Vertrauen auf Gott , zu einemmusterhaften Leben und beständiger, angestrengter Thätigkeit auf-gefordert; daher hat der heilige Jgnatius, was von knnem andernOrdcnSstifter bekannt ist, unablässig zu Gott gefleht, er möge jaseiner Stiftung es nie an Leiden und Verfolgungen fehlen lassen,und Gott hat sein Gebet auch so ziemlich erhört. Wer übrigenslesen will, wie die Jesuiten es verstehen, mit Würde ihren Geg-nern zu imponiren, der lese die Schrift des berühmten Jesuiten ,Abbe' Navignan, Predigers zu Notrc-Dame in Paris . „Vondem Bestände und der Verfassung der Jesuiten," München , Lent-ner'sche Buchhandlung 1844, und er wird daraus ersehen, daßdie Jesuiten unserer Tage ihren Vätern keine Schande machen!
Das Wunder der Eucharistie in Augsburg unddie Reconciliationsfrage.
(Aus dem Tagebuch des P. Heinrich Goßlar über Jerusalem und diHeiliglhümer des Orients und OccirenIS im Jahre 1844.)
Augsburg, am Feste des heiligen Martin von Tours ,den 11. November:
„Hier, zwischen dem ehrwürdigen Dome unv der Kirche zumheil. Kreuze, in der Mitte dieses DomplatzeS, in diesen Schloß -räumen, auf welche unser Blick von Jerusalem hcrgelcnkt ist, hierwurde vor dreihundert Jahren die Augsburgischc Konfession über-gebe»! — Hier, im Angeflehte des Wunders der Eucharistie,welches die Kirche zum heil. Kreuz seit 1194 bewahrt, und von
dessen Wahrheit man sich dnrch den Augenschein überzeugt (eS istvaS Wunder einer blutrothcn consecrirtcn Hostie, das allcrheiligstcSacrament in Gestalt von Fleisch und Blut, ein durch unzwei-felhafte juridische Beweise festgestelltes, durch eine bis auf dieneueste Zeit fortdauernde Reihe von wunderbaren Heilungen undGnadcnbezeugungen verherrlichtes, durch die öffentliche Verehrungund die lebhafte Andacht des gläubigen Volkes bezeugtes Wun-der der göttlichen Erbarmungen), — hier, kaum hundert Schrittevon diesem offenkunvigen Zeugniß für die Wahrheit der Haupt-unterscheivungölehre des reinen Glaubens von dem großen Ge-heimniß des Abendmahles, hier, mit der Ucbergabc der Augöbur-gischen Konfession, spaltete sich der Occivent über dem Leib desHerrn. Großes und deutliches Zeichen vom Himmel! — Drei-hundert Jahre vor der Kirchenspaltung ist hier die Hostie blutrothgeworden; heute, dreihundert Jahre nach der Kirchenspaltung,sechs Jahrhundert lang, steht sie noch blutroth da! — An jenemTage, wann der Mond blutroth werden wird, und vor demGlänze der Wahrheit die Sonne erbleicht, wird auch dieses Wun-dcrzeichen offenbar werden, von welchem wir hier Zeugniß geben.— Und wenn auch Jemand vom Himmel käme, würde er wohlGlauben finden? ! ! — Wir feierten die heiligen Mysterien fürdie Glaubenscinheit vor dieser blutrothcn Hostie auf dem Hoch--altare der Kirche des heil. Kreuzes am gestrigen Sonntage, undreichten den Leib des Herrn einer großen Menge von Gläubigenzu der Meinung, daß die Kirchenspaltung mit allen Wirkungenmöge aufhören, welche durch die Uebergabc der AugSburgischcnKonfession hier, im Angesichts dieses Wunders der Eucharistie,vollbracht worden ist. — Hier, heute am Feste des heil. Martin,hier, wo Martin Luther vor dreihundert Jahren austrat, wo derKurfürst von Brandenburg den Gedanken aussprach: daß durcheine allgemeine Synode die Kirchenspaltung möchte abgewendetwerden, hier in dem ehrwürdigen Dome dieser uralten bischöfli-chen Stadt, brachten wir heute zum zweiten Male das große,Alles vermögende Versöhnungsopfer für die Wiedervereinigung dergetrennten christlichen Neligionsverwandtcn dar. — Wo die Mengeder Schuld war, da wird die Ucbcrmcnge der Gnaden eintreten.—-Wo das Uebel ausgegangen ist, von da wird größeres Heil sicherneuern! — (Frkf. k.K. Z.)
Woher und woz» der Rosenkranz?
(Aus dem Leben des heil. DominicuS von Lacordaire.)
Als der Erzengel Gabriel von Gott zu der seligen Jung-frau Maria gesendet wurde, um ihr das Mysterium von derFleischwcrdung des göttlichen Sohnes in ihrem keuschen Schooßezu verkünden, grüßte er sie mit den Worten: Gcgrüßet seyst>Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir,!Du bist gebenedeit unter den Weibern. Diese Worte,ldie glückseligsten, die eine Creatur vernommen, wurden von Ge-schlecht zu Geschlecht im Herzen unv Munde der Christen wieder-holt, und aus der Tiefe dieses Thales der Thränen rufen sie unauf-hörlich zu der Mutter ihres Erlöses empor: Gcgrüßet seystDu, Maria! Die Chöre des Himmels hatten einen ihrer Füh-rer an die demüthige Tochter vom Stamme David'S abgeordnet,um ihr diesen glorreichen Gruß zu überbringen, und jetzt, wo siehoch über den Engeln und allen himmlischen Chören thront, sendetvaS Geschlecht der Menschen, welchem sie als Tochter und Schwe-ster angehörte, von der niedern Erde ihr den englischen Gruß zu:Gegrüßet seyst Du, Maria! Als sie ihn zum ersten Maleaus dem Munde Gabriel's vernahm, empfing sie alsbalv in ihrem