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Er^te Zahreshälfte.
S.
Postzeitttng.
S. März 1845.
Stimmen über die neuesten Separatisten-Bewegungen
Dem Westphäl. Merkur wird aus Magdeburg ge-schrieben: „Sie fragen mich, ob dem Abfalle mehrerer Katho-liken in einigen Gegenden Deutschlands , und den Bestrebungen,hier und da sogenannte apostolisch-katholische Gemeinden zu constituircn, wovon die hiesige Zeitung so viel Wesen macht, einigesGewicht beizulegen, und daraus irgend eine Gefährdung der katho-lischen Sache zu befürchten sey. Ich erwidere Ihnen darauf,daß, so wie überhaupt die religiöse B-wcgung unserer Zeit, sonamentlich dieser seit langer Zeit in Deutschland unerhörte Abfallmehrerer Mitglieder der katholischen Kirche auf einmal, und zumalvon Priestern, allerdings wohl eine Beachtung verdient, daß aberfür die katholische Sache in Deutschland , und insbesondere inPreußen , aus diesen Vorgängen so wenig eine Gefahr zu befürch-ten ist, daß dieselben vielmehr von dem Aufschwünge des kirchlichenLebens innerhalb dieser Kirche ein kräftiges Zeugniß ablegen. Esist nicht zu läugncn, daß auch die katholische Kirche Deutschlands in den letzten 50 Jahren eine schwere Zeit durchlebt hat. DieGefahr für sie lag nicht so sehr in den äußern Drangsalen, diesie erlitt, in der Beraubung und Unterdrückung, der sie in meh-reren Perioden der letzten Vergangenheit ausgeätzt war, als viel-mehr in der allgemeinen Herrschaft des Unglaubens, der vonFrankreich und dem protestantischen Deutschland ausging, undauch auf die katholische Bevölkerung Deutschlands einen höchstnachtheiligcn Einfluß ausübte. In dieser Zeit bemächtigte sicheine merkwürdige Erschlaffung der Gesinnung selbst vieler Priester,und ein großer Theil der Laicnwclt in vielen Städten hing nurzaum noch mit einigen Fäden sichtbarer Gemeinschaft mit derKirche zusammen. Nur das eigentliche Volk, der gediegene Mittel-stand und die Landbewohner haben in der katholischen Kirche auchin Deutschland nie dem Unglauben gehuldigt. Dennoch aber warbei der Verwaisung der bischöflichen Sitze, bei der Gesinnungs-losigkeit so vieler Priester, und bei dem Unglauben in der gebil-deten Laicnwclt das religiöse Leben des deutschen Volkes gelähmtund wurde von Vielen als wirklich crstorben betrachtet, was es inder That nicht war. Aber es konnte nicht immer so bleiben.Nachdem Deutschland von der Zeit der sogenannten Reformation
bis zum Ende der Revolution alle Stadien der unsinnigsten reli-giösen Erregung und des eiskalten Unglaubens durchlaufen hatte,führte der natürliche Lauf der Dinge und das Walten der gött-lichen Vorsehung die Gemüther wieder aus den unnatürlichenSchwankungen der natürlichen Mitte zu. Es erwachte wieder eindem deutschen Volke doch besonders eigenes religiöses Bedürfniß,und die bittere Erfahrung der vergangenen drei Jahrhunderteweckte in den Gemüthern wieder eine Sehnsucht nach jener Zeit,wo das Vaterland im religiösen Glauben einig und politisch nochnicht unheilvoll gespalten war. Die glückliche Verbindung deut-scher Gelehrten unv Künstler mit Rom öffnete diesem uralten Sitzedes Glaubens und der europäischen Civilisation wieder einen wohl-thätigen Einfluß auf Deutschland , und aus dem Protestantismusselbst trat eine Reihe der edelsten und gelehrtesten Männer, Stol-berg , Fr. v. Schlegel, v. Haller, Schlosser, Adam Müller,Schadow, Overbeck, Phillips, Jarke u. s. w. in den Schooßder alten Kirche zurück, und trug mächtig dazu bei, besonders inder gebildeten Laienwelt die Flamme des Glaubens wieder zu ent-zünden. Und zu läugnen ist es nicht, daß in neuerer Zeit geradedie ausgezeichnetsten Männer aus dem Laienstandc in Deutschland mehr als irgendwo sonst dazu beigetragen haben, die religiöseBegeisterung wieder zu erwecken. Erst später schloß sich in größe-ren Massen das Priesterthum, und zuletzt das Episkopat, dashöchste und unmittelbarste Verbindungsglied zwischen den Gläubigenund dem kirchlichen Oberhaupte, diesen Bestrebungen an. Mitdiesem Anschlüsse des Episkopates, das in Clemens August seinenVorkämpfer fand, war die religiöse Belebung eine allg. meine ge-worden, und das Walten eines frischen katholischen Geistes durch-drang nun ungehemmt alle Glieder der großen kirchlichen Gemein-schaft. Das Trierer Ereignis; ist in dieser Hinsicht wichtig undbedeutsam. Es ist ein Siegesfcst des wieder erwachten Glaubens-lebens, bei dem der Laicnstand, die Priester und die Bischöfe zum erstenmalein Deutschland nach den Tagen der unseligen Glaubensspaltung insolcher Allgemeinheit und Innigkeit, und in so herzlicher, durchnichts getrübter Uebereinstimmung sich bcthciligten. — Nachdem sodas katholische Leben in Deutschland zum Durchbrüche gekommenwar, und das Walten eines neuen und kräftigen Geistes alle
') Hurt er aus neuester Zeit nicht zu vergessen.