lichcr Grund, wcßhalb die „deutsch -katholische" oder „apostolisch-christliche" Kirche, insofern sie als solche eine selbstständige Abgeschlossenheit, eine eigenthümlicheExistenz ansprechen möchte, zu keiner großen geschichtlichenWirkung gelangen Wird. <^A. Z.)cnr>!> j)lll''ü hML it»i»k?rH> titzit
Nein, es gibt wirklich zu hübsche Geschichten im gemüthlichenDeutschland , Geschichten, mit welchen sich die Nachwelt an stür-mischen Abenden beim Kaminfcuer unterhalten wird, wie wir dasjetzt thun mit dem gehörnten Siegfried. Da liegen nämlich voruns die Glaubensbekenntnisse der deutsch-katholischen Kirche vonCzerski und Ronge. Ist das Alles? können wir mit Frau vonStavl fragen. Das Czerski'sche ist eigentlich nichts als Negationund Prvtestation, bacirer Mißverstand der Lehren der katholischenKirche und dazu grober Mangel an Studium. Das Nonge'scheist der Radikalismus der Kirche, der Nationalismus mit so vielChristenthum vermischt, als der Pöbel braucht, damit er nichtmerkt, daß es kein Christenthum ist. Das sind nun also die neuenReformatoren, wie man sie in manchen protestantischen Blätternnennen hört! Als Protestant würde ich crröthen für meinen Refor-mator. Ums Himmels willen, was soll das heißen: die Gemein-den machen sich ihr Glaubensbekenntniß. Meint ihr, daß einGemcinderath vorschreiben könne, was Jeder zu glauben hat?Wenn auf solche Weise eine deutsch-katholische Kirche gegründetwerden soll, so würden wir ein Analogon von dem erleben, wasdes Neides Rheinbund gewesen. — Vor wenigen Monaten wardas Geschrei für Fortschritt gegen die Minister gerichtet, diesefeiern nun ihren großen Sabbath, die Presse Hort auf, sich mitihnen zu beschäftigen, an eine gvuverncmentale Reform wird kaummehr gedacht; eS geht nun an ein Construircn von neuen Kirchenund Glaubensbekenntnissen, und dazu vergeuden die Sächs. Vater-landsblätter, das Frankfurter Journal, die Elberfelder Zeitungund andere löschpapicrne Blätter ihre besten Kräfte, und wo dienicht ausreichen, müssen Theater und Romane hilfreiche Hand ansundankbare Werk anlegen. Ucbcrall sucht man die Tartuffe und Molierc'-schenTendcnzstücke, wie das „Ermuszauf'sLand" unddaSGutzkom'-sche als Mittel der Cassesüllung und als Unterstützung der Rvn-gianerkirchc auszubeuten. Das thun dieselben Leute, welche stetsüber die Schmach der Bühne, die Herabwürdigung der Kunstreden, als ob nicht das die ärgste Herabwürdigung der Muse sey,
sie zur Tendenzkuh zu gebrauchen. (Rh. u. M. Z.)
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Es ist doch eine herrliche Sache um die deutsch-katholischeKirche; wir würden mancher Erheiterung entbehren, wenn wirdieselbe nicht hätten. In diesen Tagen hat sie sich auch in Elber-seld constituirt. Als Präsident trat auf — denn es scheint indieser Religion statt der Pfarrer und Bischöse Präsidenten undDircctvren zu geben, was die Religion viel humaner und gemüth-licher macht — als Präsident fand sich ein der suspen8us Pfar-rer Licht aus Leiwen . Anwesend waren einige Katholiken, dieaber nur diesen Namen getragen, nie zu den heil. Sacramcntenund in die Kirche gegangen. Welcher Ritus dort eingeführt, undwelche Erbauung in dieser Versammlung geherrscht, konnte ichnoch nicht erfahren; doch scheint es an Begeisterung eben nichtgefehlt zu habeu; denn schon nach einer Stunde kam ein Gliedder neuen Kirche, ein hier ziemlich bekannter Katholik, betrunkenzur Thür herausgeflogen; seine deutsch -katholischen Glaubcnsbrüvcrhatten ihm selbst diese Ehre anthun müssen. Der übrige Theilder Versammlung bestand aus Protestanten, so daß nunmehr der
dortige evangelische Psarrer (Krummacher) selbst gegen diese fünfteKirche heftig zu Felde zieht. So wunderbar dreht sich das Raddes WcltlaufS: Was eine Grube gegen den Katholicismus werdensollte, droht nun gar der evangelischen Kirche den Einfall oderwill selbst eine Brücke werden, welche die Protestanten zur Kirchezurückführt. O Ungunst des Schicksals! (Luremb. Z.)wllznz? Hz nztivs) Änu ?5>'«^ Hm huim<!N 5li nn>>»^
Kurze Andeutungen über den Verlanf einer Ver-handlung Behufs Begründung einer nenen allge-meinen Kirche.
( SchlesischcS Kirchenblatt.)
Am festgesetzten Tage Abends gegen 7 Uhr drängte sich einegroße Volksmasse zur Thür des Versammlungs - Saals, und cSruft der daselbst stehende Herr: „meine Herrschaften! ich stehe imNamen der Gemeinde da; wer lein Billet hat, kann nicht einge-lassen werden!" Viele entgegnen: „was kostet das Billet, es istja wie in einem Theater!" Thürftehcr: Sobald wir eine Kirchehaben werden, wird's ja anders werden. Ein Mann aus demVolke belehrt unS: Nun sie Hörens ja, es ist bloß für die Ge-meinen. Wir gelangen mit großer Mühe in den Saal; derReformator betritt einen etwas erhabenen Ort, ihm zur Seite einSecretär mit Acten, und ein Gcmeindeältestcr. Unter dem Volkein der Mitte des Saales erhebt sich ein kleiner Mann (wahrschein-lich Vertreter der Gemeinde). Alles schweigt.
Reformator (im schwarzen Frack) l» ginnt:
Meine Hochgeehrte Anwesende! Wir sind im Namen dessenheute zusammengekommen, der uns berufen hat zu dem wichtigenund erhabenen Werke, nämlich eine apostolisch-katholische Kirche zugründen, wozu uns der Sieg nicht fehlen kann, und wollen daherin unserer DiScussion fortfahren; zuvor aber wollen wir noch ein-mal das in der letzten Versammlung Verhandelte und Abgestimmtevorlesen.
Der Secretär liest:I. Wir sagen uns von Rom los, und setzt hinzu: dieß wurde
ohne DiScussion angenommen. Alle: Ja! Ja!
II. Wir verwerfen den Cölibat, Ohrenbeichte und Priesterweiheals vom Papste eingesetzt. Alle: ja! ja! Secretär: auchdieß wurde ohne DiScussion angenommen.
III. Wir verwerfen alles Fasten, Wallfahrten und Ablässe, weilsie nur zum Gelderwerb von der römischen Hierarchie einge-setzt worden sind. Auch dieß wurde ohne DiScussion ange-nommen. Alle: ja! ja!
Ein Mann spricht vernehmlich: Das Fasten hab ich ohnehinauf dem Striche. Der Gemeindeältcstc ) (mit ziemlich leiserStimme): Wollten sie vielleicht bloß den Ausdruck wählen: „weilsie zur Wnkhciligkcit führen, ' denn obgleich es wahr ist, wieSie sagen, so wollen wir doch diesen polemischen Ausdruck lassen,weil es nachzuweisen bisweilen Schwierigkeit machte.
Reform.: Ja, ab-r ich glaube man muß das Volk beleh-ren, denn viele wissen es doch nicht, und es ist geschichtlich zuerweisen, daß cS die Päpste oft zum Gelderwerb benutzt haben.
Ein Herr auf dem Stuhle: Ich glaube, Herr Re-formator hat Recht, man mnß das Volk belehren! Alle: ja! ja!
Gcmeindeältester: O, wahr ist es, das wissen Wiralle, allein wir wollen ja bloß den Ausdruck vermeiden.
') Der Herr hat für seine gelehrte Thätigkeit im Bau der neuen Kirchedas Feld gefunden, welches die alte Kirche ihm nicht dailxetcn wollte,daher er sie schinähend verließ, um als Erstling der zeitgemäßen Ge-meinde einen Namen zu erlangen.