Secretär: Wir verwerfen die Ehe als Sacrament, dieseswurde mit einiger DiScussion angenommen.
Ein Mann aus dem Volke: „Ich halte aber die Ehesehr wichtig und heilig!" — Allgemeines Gelächter, man muntertihn auf, weiter zu sprechen.
Gemeinde ältester: Die Katholiken sagen dann: „derMann ist Christus und die Frau die Kirche und halten es darumfür ein Sacrament."
(Furchtbares Andonnern an die verschlossene Thür,und großes Geschrei, denn viele wollen herein.)
Gem eind cä l te st er: Das aber steht fest, daß die Ehe einganz innerliches Band ist, was der Staat weder schließen, nochtrennen kann, sondern die Ehegatten, daher auch der Staat, wenndas Band innerlich getrennt ist, nur sagt: ich bestätige diese Tren-nung. Aber eine kirchliche Weihe ist sie. Alle: ja! ja!
Jener Mann aus dem Volke: „Das Wort Sacramentkommt überhaupt in der ganzen Bibel nicht vor." (Gelächter.Viele rufen: zu spät, zu spät.)
Reform.: Weiter wollen wir über die Ausnahme in unsreKirche handeln.
Gcmcindcältcster: Nun ich glaube, wer eintreten will,meldet sich beim Vorstande, dann bei der Gemeinde, und wirddann vom Geistlichen abgelesen.
Ein uniformirter Herr: Ich glaube, wenn man dasGlaubcnSbckenntnifz ablegt, man vo ipso dazu gehöre. Viele:ja, vor der Gemeinde.
Gcmeindeältestcr: Ich glaube eS, es ist nothig, sievorzulesen, damit wir einander kennen lernen. (Furchtbares Don-nern an der Thüre.)
Der Herr auf dem Stuhle (langsam und mit Pathoö):Ich glaube, unsre Gemeinschaft muß jedem frei und offen seyn, damitwir mit Vernunft und Freiheit, diesem köstlichen Geschenke, glauben.
Gcmeindeältestcr: Ja, unsre Gemeinde soll überhauptvon einem brüderlichen Bande umschlungen werden, so daß jedersein Kreuz auf sich nehme und Christo nachfolge. Wie überhauptdas Leben Christi unser Vorbild ist, und wir seine Befehle unddie Gesetze des Staates achten!
Ein junger Herr: Wie ist es denn aber, wenn einerauStretcn will?
Das Volk vor und hinter ihm: Nun, da bleiben sieweg, was ists weiter!
Reform.: Wir verwerfen alle Heiligen- und Reliquien-Ver-ehrung. Ja! ja!
Der Herr a. d. Stuhle: Lassen wir den hl. Lojola gelten?
Gemeinde ältester: Den lassen wir passircn.
Ein junger Herr: Fade Witze, man spreche ernsthaft.
Ein vornehmer Herr: Nehmen wir überhaupt Heilige an?
Viele: Nein, Nein!
Reform, licst: Ferner kommen wir zu dem schwierigenPuncte über das Glaubcnsbckenntniß; ich gestehe, daß dieß einesehr schwierige Sache ist.
Ein Gemcindcglicd: Wir wünschen, daß uns erst HerrReformator seine Meinung sage.
Reform: Ich wollte erst die Meinung Anderer hören ummeine etwaige irrige zu verändern. Aber unser Glaubensbekenntnißmuß allgemein seyn, denn cö haben mich in diesen Tagen mehrereaus Bcrlin, und dic Bewohner aus einem kleinen Dorfe bei Neisseersucht um unser Glaubcnsbckcnntniß und um Geistliche.
Ein Gemeindeglied! Ja, allgemein, denn apostolischheißt allgemein.
Reform.: Wenn cö auch in derselben Reihenfolge so lautet,wie das Schneidcmühler.
Viele: ja, ja, das apostolische!
Der Herr auf dem Stuhle (während Alles still ist, ganzlangsam, laut und mit Pathos): Herr Reform. , was ich von Ihnengelesen habe, und ich habe nicht viel gelesen, da finde ich doch, daßSie immer so zu sagen den Nagel auf den Kopf treffen, und allesganz recht verstehen, darum glaube ich, daß, was Sie meinen,recht ist, darum wollen wir, weil wir es doch nicht so verstehen,annehmen, was Sie meinen. Ich höre hier nur so viele Stimmen ummich; nur müssen wir das Ganze mit Vernunft und Verstände, die-sem edlen Geschenke Gottes erkennen, denn sie führt uns.
Ein Anderer: Ich glaube Herr Reformator es ist gut,wenn Sie uns erst a priori ihr Glaubcnsbckenntniß vortragen,damit wir es annehmen.
Reform.: Ich gestehe, es ist dieß so schwierig, daß ich esjedem gern noch überlasse und bereit bin, die Meinung andererwillig zu hören, oder cS bis nächstens zu verschieben. (Alles schweigt).Ferner genießen wir das Abendmahl nach Anordnung Christi unterbeiden Gestalten. (Ja, ja!) Nun hat vielleicht der Eine oder Anderenoch seine Meinung zu sagen, ich bin gern geneigt sie zu hören.
Ein junger Herr: Ich wollte Sie fragen, wie viel Sieüberhaupt Sacramente annehmen?
Reform.: Das war schon in der letzten Discussion da.
Der junge Herr: Aber es steht ja nicht im Protokoll.
Secretär: Es wurde nur vorübergehend berührt.
Gemcindeciltester: Zwei Sacramente gibt es, die Taufeund das Abendmahl.
Der junge Herr: Aber auch von der Taufe und demAbendmahl steht nicht in der Schrift, daß sie Sacramente seyeu.
Gcmeindcältester: Aber es steht in der Schrift, werglaubt und getauft ist »c.
Der junge Herr: Damit ist aber kcineswegcs gesagt, daßsie Sacramente scycn! (Alles schweigt.)
Ein Herr: Ich glaube eö geht nach Stimmenmehrheit.
Ein anderer Herr: Wollten Sie mir noch eine Frage ge-statten ; ich wundre mich sehr, warum Sie die Praxis der Apostelverwerfen, welche dic Ehe für ein Sacrament hielten.
Reform.: Es ist schon Alles beschlossen.
Secretär: Kann nichts in.hr verändert werden.
Ein anderer Herr: Die Ehe ist aber ein Sacrament;denn was ist ein Sacrament anders als ein sichtbares Zeichen,was man im Leben nur einmal empfangen kann!!
Viele: falsch!
Jener: das versteht sich freilich von selbst, daß das heil.Abendmahl und die Buße Sacramente sind, obgleich man sie öf-ters empfängt!
Der Gemcindevertreter auf dem Stuhle: HerrReform.! Ich glaube, daß wir eine besondere Sitzung halten, wobloß die Gemeindeglieder zusammen kommen, und wir erwählen einprovisorisches Comite', „aber ganz fest", und lassen die verhandeltenPuncte in ein Blatt drucken. (Mißfallen dagegen.)
Reform, und Gcmeindeältestcr sehen einander an, und beileisem Geflüster von allen Seiten spricht Reform.: wie gesagt,unser Glaubensbekenntnis; ist eine so wichtige und schwierige Sache,daß ich es jedem gern bis zur nächsten Versammlung überlasse.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.