bis zum Hinfallen ermüdeten; dem Hunger und Durst Trotz bieten,den heißen Sonnenstrahlen wie der frostigen Nachtluft sein gefäll-tes Haupt aussetzen, und nur langsam sah er den Saamcn keime»,den er mit so vieler Mühe, so vielen Anstrengungen, unter sovielen Gefahren ausgesäet hatte, aber wie sein Vertrauen aufGott , und seine Menschenliebe, war auch seine Geduld gränzenlos.Jedoch sein zunehmendes Alter, wie seine geschwächte Gesundheitmachten es ihm physisch unmöglich, solche Beschwerden noch längerzu ertragen, er wurde gezwungen, wollte er nicht unterliegen,ein milderes Klima und eine ruhigere Lebensweise aufzusuchen.Seine Sehnsucht zog ihn nach Europa zurück, wo ihm noch eineliebe Schwester lebte, die er vor seinem Ende, das er als nahebevorstehend dachte, »och einmal zu sehen, zu umarmen wünschte.
Viele tausend Indianer begleiteten den guten Pater Thomasbis zum Ccmal, der ihnen ihren lieben Gast, ihren Lehrer undWohlthäter entführen sollte; von nah und fern strömten sie herbeium ihn noch einmal zu sehen, ihm ein letztes Lebewohl zu sagen,und als er beim Abschied mit rührender Stimme, thränendenAngcn, sie seine geliebte Ärüder, Schwestern, Kinder nannte, fürderen Wohl er jeden Tag zu Gott inbrünstig beten wolle, siemit sanften Worten bat, ihn ebenfalls nicht zu vergessen, sich sei-ner Lehren stets zu erinnern und sich immer mehr zu bemühen,dieselben zu befolgen, sie zur Eintracht, Gottesfurcht und Näch-stenliebe ermähnte und zuletzt salbungsvoll seine zitternden Händeemporhob um sie zum Letztenmcilc zu segnen, sielen diese wilvcnNaturmenschen überwältigt von der Allgewalt seiner heiligen Worte,tief ergriffen von dem schmerzlichen Gefühl der Trennung, ihremWohlthäter, Freund und RcligionSlehrcr lant schluchzend zu Füßen.Auch P.itcr Thomas ließ sich auf die Kniee nieder um unterGottes freiem Himmel gemeinschaftlich mit ihnen zu beten; siebaten für die Herstellung seiner Gesundheit, sein Wohlergehen;er für ihr Seelenheil.
Selbst bis über das Meer war der Ruf des guten PaterThomas gedrungen; denn sobald er an der Küste Italiens gelandet,erwartete ihn eine Einladung des GroszherzogS von ToSkana nachFlorenz zu kommen, um an seinem Hof die Stelle eines Beicht-vaters zn bekleiden; und mit derselben Bereitwilligkeit die er be-zeigte, wenn ihn, während seines Aufenthalts in Amerika , einindianischer Häuptling berief, seiner Familie oder seinem StammReligionsunterricht zn ertheilen, folgte er diesem Ruf; ihm galtes ja gleich in welcher Sphäre er wirkte, wenn er nur Guteswirken konnte. Kaum war ein Jahr seit seiner Ankunft in Flo-renz vorüber gegangen, und schon wurde er allgemein geliebt,hochgeschätzt und verehrt, besonders aber von den Armen und Un-glücklichen dieser Stadt, selbst sein Anblick erfreute und tröstete sieschon; wenn er über die Straße ging, liefen ihm Kinder von allenSeiten freundlich entgegen, gerne verließen sie ihre Spiele, umdem guten Pater Thomas ihr Händchen zu reichen, der sich stetsso liebevoll gegen sie bezeigte. Stand eine Mutter ihren Sänglingim Arm am Fenster, an welchem er vorüber kam, so bemühte siesich, ihm ihren Kleinen bemerkbar zu machen. Wer an ihm vor-überging, grüßte ihn ehrfurchtsvoll, und für alle, welchem Standder Grüßcnve auch angehörte, hatte Pater Thomas einen gleichfreundlichen Gegcngrnß, für Jeden ihn Ansprechenden eine freund-liche Rückantwort. Der Großhcrzog hatte ihm gleich bei seinerAnkunft eine Reihe reich eingerichteter Zimmer im Palast angewie-sen, voch das geräuschvolle Leben am Hof, die lange daurcndenMahlzeiten und der Luxus aller Art, der ihn da umgab, behagtedem guten Pater Thomas nicht sonderlich, was ihn aber beson-ders dazu bestimmte, bei dem Großherzog die Erlaubniß nachzu-
suchen, sich in eine Privatwohnung einmicthcn zu dürfen, war derUmstand, daß arme Leute in schlechter Kleidung es nicht wagten,ihn im großherzoglichcn Palast aufzusuchen; er miethete daher einekleine Wohnung von drei Zimmern in einem schlichten Bürgers-haus für sich und seine Schwester Betty, die bei der Nachrichtvon ihres Bruders Ankunft in Toökana herbeigeeilt war, um ihn,den sie schon so lange nicht gesehen, und der ihre einzige Stützewar, an ihr schwesterliches Herz zu drücke». (Schluß folgt.)
Taufe einer Indianerin auf ihrem Sterbebettzu Paris .
Der Häuptling des Indianer-Stammes der Jowavs ließsich auf seiner Reise nach Paris von mehreren seiner Untergebenenbegleiten. Er. hatte auch einen Familien-Vater eingeladen, deraber kurz vorher zwei seiner Kinder durch den Tod verloren hatteund darum sich von seinem Weibe und dem einzigen übrig geblie-benen Kinde nicht trennen wollte, bis ihm der Häuptling gestattete,beide nach Europa mitzunehmen. In England mußte das unglück-liche Eltern-Paar auch noch das dritte Kind als Opfer dem Todeüberlassen.
Die Mutter, Oki-Wi-Mi ist ihr Name, wurde tief er-schlittert; sie wußte auch noch nach der Ankunft in Paris ihresKlagens und FastenS , denn die Wilden Amerika's drücken ihreTrauer durch Fasten aus, kein Ende. Sie nahm manchmal 3und 4 ganze Tage hindurch keine Nahrung zu sich. Ihre Kräftewaren erschöpft und sie fiel in eine EntzündungS - Krankheit,welche trotz der sorgfältigsten Behandlung der Aerzte zu einerLungensucht sich ausbildete. Die arme Mutter rückte sichtbar demTode näher.
Oki-Wi-Mi machte sich und Andern kein Hehl daraus,daß ihre Auslösung bevorstehe. Der Dollmetschcr IeffrevDoraway, ein guter Katholik, versuchte es, so weit er konnte,der Frau die Grundlehrcn des Christenthums beizubringen. Dadie Indianer der Felsengebirge oft mit katholischen Missionärender Vereinigten Staaten in Berührung kommen, haben sie manche,wenn auch unbestimmte Begriffe von unserer Religion aufgefaßt.Die jüngste Tochter des Häuptlings der JowayS, welche mit ihremVater sich zu Paris befindet, ließ sich sogar zu St. Louis inMissuri taufen. Man hatte auch bemerkt, daß Oki-Wi-Miwährend ihrer Krankheit große Vorliebe für eine Medaille der un-befleckten Empfängniß bezeigte, welche ihr einmal geschenkt wor-den war.
Jeffrey ist der Sprache der Sacke, des Stammes, welchemdie kranke Indianerin ihrer Geburt nach angehörte, nicht so mäch-tig, als er es wünschen mußte, um sie in alle Lehren des Chri-stenthums einzuführen. Dieß Hinderniß fiel aber weg, als derMann sich bereit erklärte, den Unterricht zu verdollmetschen.
Eines Morgens war sie kräftiger, als gewöhnlich, da sieeinen erquicklichen Schlaf genossen hatte. Plötzlich hieß sie ihrenMann vem Bette sich nähern und kündigte ihm an, daß sie ster-ben werde, indem der große Geist sie riefe und ihre Kinder schondie Arme nach ihr ausstreckten. Sie dankte ihm für die zärtlichenund ungeheucheltcn Beweise seiner Liebe und bat ihn, unbedenklichihren Leib in Frankreich zu lassen; denn wenn sie auch nicht inder Heimath bestattet werde, so könne sie sich doch mit ihren Kin-dern und dem großen Geiste vereinigen. „Wann ich verschiedenbin, so laß mich mit meinen reichen Gewändern umkleiden, undziere meinen Leichnam mit allen den Geschenken, welche ich vonden Weißen erhalten habe; aber vor meinem Begräbnisse nimmmir wieder Alles ab, dieß (sie zeigte auf die Medaille der unbe-