Ausgabe 
5 (13.7.1845) 28
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fleckten EmPfLngniß) ausgenommen. Ich will sie behalten, weilsie mich in meiner Krankheit getröstet hat."

Jeffrey, dem der Gemahl diese Worte seiner Frau über-setzte, war davon ganz überrascht und hielt den Augenblick für ge-eignet, sie durch den Mann fragen zu lassen, ob sie nicht dieTauft empfangen wolle.Ja, Ja," antwortete mit schneller Be-reitwilligkeit Oki-Wi-Mi.

Jeffrey lief nun fort, einen Priester zu holen, und kammit einem Caplan von St. Noche zurück. Dieser wendete sich anden Mann, ob er nichts dagegen habe, wenn seiner Frau dieTauft gespendet würde. Der Indianer erklärte seine Einwilligung,Oki-Wi-Mi erhielt die Taufe und starb als Christin. Als derCaplan sich verabschiedete, dankte ihm der Gatte voll Rührung,und bat ihn um Verzeihung, daß er ihn nicht früher gerufen habe.

Die Verstorbene wurde mit alle» Ceremonien begraben, welchedas Rituale bei der Bestattung katholischer Christen vorschreibt.Ihr Mann und zwei andere Indianer, dereneinernoch nichtcrwcrch-sen ist, wohnten dem Seelen-Gottesdienst in der Magdalmen-Kirchebei. Anch sprengten sie Weihwasser auf den Sarg, welchen sie i»die Erde versenken sehen wollten. Der hinterlassene Gatte beküm-merte sich noch mit Sorgfalt, welches Denkmal Der Verstorbenengesetzt würde und er sah sich nntcr den Monumenten des Gottes-ackers nach einem Modelle für den Grabstein seines Weibes um.

Die Marienandacht in der St. LndwigsLirche inMünchen .

Ueber die Predigten, welche die beiren PP. Redcmptoristcn wäh-rend des verflossenen Maimonatcs zu München hielten, sind so alberneGerüchte durch böswillige Leute verbreitet worden, daß wir um derSchwachen und Leichtgläubigen willen nicht umhin können, den nach-folgenden Bericht der Neuen Sion, welcher, wie wir wissen,aus zuverlässiger und wahrheitsliebender Quelle herrührt, auch diesenBlättern einzuverleiben.

Die Maiandacht in der hiesigen St. Ludwizskirchc, von demwürdigen und eifrigen Scelenhirten, Herrn Stadtpfarrer Stumpf,durch die Berufung der PP. Redemptoristcn in's Lebe» gerufen,bildet ein kirchliches Ercigniß, welches wahrlich nicht spurlos ander Einwohnerschaft Münchens vorüberging. Ich beginne meincnBericht mit den Vätern der Congrcgation des Erlösers; ihre Pre-digt eröffnete täglich Abends 7 Uhr die Andacht Zwei hvchwür-dige Väter waren gesandt, um abwechselnd die Vorträge zu halten.Es braucht nicht erinnert zu werden, welche Anstrengung es kostet,je des andern Tages die Lndwigskanzel zu besteigen. Uebcrdicßmußten manche Vorurtheile und feindselige Gesinnungen beseitigtund niedergeschlagen werden, wollten sie nicht umsonst gekommenseyn und ihren Orden in dem ihm eigenthümlichen schönen Lichteerscheinen lassen. Mit Gottes Gnade, hoffen wir, ist beides ge-lungen. Die Prcdigtstoffe waren so gewählt, wie es die Bcdürf-nisft der gegenwärtigen Zeit eisorderten; die Form der Abfassungwar populär und von edler Einfachheit. So sehr die Veiten hoch-würdigen Prediger das Hauptgewicht auf die Verkündigung derevangelischen Wahrheil legten und diese in ihrer ganzen Kraft undtiefcindringendcm Ernste darstellten, so vcrnachläßigten sie darüberkeineswegs die homiletische Form, wußten aber, daß diese in etwasanderem bestehe, als in sentimentalen Phrasen und hohlem Pathos,womit ein Theil des PublicumS verwöhnt und verweichlicht wordenist. Referent war Zuhörer der allermeisten Predigten und hat essich und vor Andern gestehen müssen, daß gerade edle Einfachheitund genaue Ausarbeitung es sey, welche ihre Vorträge am Vvr-

heiligcn Stifters getreu verlieren sie die natürlichste Einfachheit nieaus dem Auge. Bei der Anlage ihrer Predigten zielen sie aufDeutlichkeit und Gründlichkeit ab, und von Niemanden mag dieserVorzug an ihnen bcstrittcn werden. Gewöhnlich lassen sie ganznatürlich die Definition, die nähere Erläuterung des angekündigtenSatzes vorausgehen, erhärten dieselbe mit ausgesuchten Sprüchenvon Gottcsgclehrten und schließen die Kettenreihe der Beweisgründemit dem Gottcsworte der heiligen Schrift. Ist das geschehe», sokleiden sie die vorgetragene Wahrheit in die Form eines Gleich-nisses, um sie einem Jeden, auch dem gemeinen Manne, verständ-lich und klar zu machen. Nun ist aber auch jeder Zuhörer über-zeugt und die Beistimmuug von Seite dieser belohnt den begeistereten Fackelträger des Lichtes himmlischer Wahrheit. Es war eineigenes Vergnügen, schon in den ersten Predigten nntcr den Zn-hörern zu stehen und die allerersten Wirkungen zu beobachten.Bis zu einer Art Auflegung steigerte sich einige Male die crrnngcneUeberzeugung des Gesagten bis der Prediger nach einer Reihe er-schütternder, tiefeindringcnder, gewaltiger Worte den Ucbergcmg zueinem Beispiele aus der Geschichte machte. Das dars aber nichtgeschehen, um den einmal aufgeregten Geist mit einer Erzählungeinzuwiegen. Dieses Wußten unsere Väter gut; sie suchten dadurchnur den Totaleindruck hervorzurufen, und diesen an das anschau-liche, lebendige Bild einer geschichtlichen Persönlichkeit bleibend zuknüpfen. Die schwierigen Thcmate wie das über Unkeuschhcit uudVersührung (Aergerniß), bei deren Ankündigung manchem Zuhörerdas Herz besorgt zu schlagen anfing, sie waren so durchgeführt undso vorgetragen, daß sie eben so wenig das Zartgefühl beleidigtenals die Sünde selbst schonten.

Das Nämliche ist von der Predigt über die nächste Gelegen-heit zu sagen. Mädchen, die Jahre lang in sündhaften Verhält-nissen lebten, fragte der Prediger, ob sie sich in der Küche beschäf-tigten?Sie sollten Acht haben, was da mit der Citrone geschehe:sie werde zuerst ausgedrückt, bis sie keine guten Säfte mehr besitze,dann werfe man sie in'S Kehricht. Das sey auch das LooS solcherPersonen." Dieses Gleichniß soll hier deßhalb angeführt werden,damit sich zeige, von welch praktischem Tacte sie sich bei der Wahlder Vergleichungcn leiten lassen. Der öftere Anblick der Citronepredigt gewiß Solchen das Gesagte oft wieder. Eine Feuerprobehatte der Pater auch zu bestehen, als er daran kam, von derHölle, dem Höhepuncte der erschütternden Rcren, zu sprechen.Wer dürfte gute Nachrede hoffe», wenn er den Vcrdcunmungs-würdigcn von der Verdammung spricht? Mißverständnisse und Ver-drehungen mußte man bei aller Gründlichkeit und Deutlichkeit sicherheben scheu. Doch auch diese Entfremdung der Gemüther wurdebeseitigt, als der Prediger den I^iis i»l'i.-rnalis ^Höllenstein)weglegte und beide Patres darauf den Balsam aller Tröstungenfolgen ließen. Man versöhnte sich um so liiber, als der Wohl-laut der Stimme und die Gefälligkeit des Vvrtragcs beim einen,nnd die jugendliche Gestalt und die fließende Beredtsamkcit beimandern Pater die Herzen gewannen. Was hinter diesen Predigtensey, wurde bald erkannt. Die freudige Theilnahme wuchs mitjedem Tage; eine Stunde vor dem Beginne der Andacht regte cSsich schon und in größter Eilftrtigkeit ging da der schönenLudwigskirche zu. Christen aus den höchsten und niedrigsten Stän-den drängten sich nach dem Brode des Lebens. Daß die Wirkun-gen dieser Andacht nicht bloß vorübergehend seyen, sondern sehrnachhaltig bleiben, wird (wir wagen cS zu behaupten) noch dieZukunft lehren. Auf die Fragen: Wie lange schon halten Siedie gasttage, feiern Sie die Fcftzciten, haben Sie Ihr sündhaftes

theilhaftesten auszeichnen. Dem Muster der Evangelisten und ihres Verhältniß aufgelöst ,c.? wird die Antwort erfolgen:Seildem