Ausgabe 
5 (13.7.1845) 28
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ich das und das so in der Ludwigskirche habe predigen gehört."Diese Hoffnungen glaubt Referent mit allen redlichen Katholikenum so mehr hegen zu dürfen, da er versichern kann, daß schonGestohlenes zurückerstattet, schlechte Bücher ausgelicsert wurden.Unter den letzteren befindet sich das heillose Buch:die Stundender Andacht." Abergläubische, irreligiöse Bücher wurden auf derStelle in die Hände der Patres gegeben. Wann dürfen wir unsähnlicher Nachrichten erfreuen? Es wird viel gepredigt, ja! nochschöner und gründlicher gepredigt, aber alle 7 Tage nur EinePredigt, sie ist zuletzt nur wie eine einzelne vorüberziehende Regen-Wolke, die den dürren Boden benetzt: alle Tage aber eine Predigtund das einen ganzen Monat lang, das bildet einen Platzregen,der auch die trockensten Herzen durchgingt. AuS den Früchtenalso laßt uns diese Maiandacht erkennen. Rcierent ist nicht derErste, der durch Aufzählung der segensreichen Missionen der Re-dcinptoristen ihr Lob verbreitet und die katholische Welt zur Mit-srcudc über diese geistlichen Söhne der Gnade auffordert. IhreTrefflichkeit ist selbst schon bei den Sprechern des Protestantismusanerkannt worden. Um sich davon zu überzeugen, hat man bloßdas jüngst erschienene Hcst der protestantijchen Kirchenzcitung, redi-girt von Dr. Harlcß in Erlangen , zu lesen. Dort ruft amEnde der Darstellung einer Rcvcmptoriften-Mission der VerfasserauS:Protestantische GlaubcnsbrüderI lernen wir uns schämen vorsolchen Männern. Brüder, auf! die Söhne Loyola's ziehen ingeschlossenen Reihen gegen uns ... Diese Redemptoristcn alsowaren in unserer Ludwigskirche und haben jedesmal die Feier er-öffnet. Wenn die große Anzahl der Zuhörer so zur Andacht ge-stimmt war, da wurde dem Volke der Gegenstand unserer Anbe-tung, Jesus Christus im allcrheiligstcn Sacrcunentc des Altarsausgesetzt und unter Gesang eines Mävchcnchorcs zum Hochaltärebegleitet. Dorthin dann schrie es aus tausend und wieder tausendHerzen:Herr, erbarme dich unser!" und aus eben so vielen töntees nach:Herr, erbarme dich unser!" Wen die Predigt nochnicht bezwungen hatte, der wurde von diesem Strome der Andachtunwiderstehlich mit fortgerissen. Nach vom ganzen Volke abgesun-gener lanrctanischcr Litancv wurde von einem Priester der Schlußder Lilancy gebetet und dazu noch die treffende Anrufung Marienseben auS dem Büchlein der Mcnandachtcn abgelesen. Hieranschlössen sich die wundcrlicben Maricnliedcr, wie sie Herr Hofcapell-meistcr Aiblingcr cvmponirt hat. Vorgetragen wnrdcn sie unterDirektion des hvchwürdigcn Herrn crzbischöflichen SccrctärS Glinkvon einigen Mädchen.

Gesättigt vom Brode des Lebens, das ihm die guten Patresgebrochen, erfrischt durch den Labsal hcrzerhebcnder Andacht, diewie ei» Gotlesstrom dnrch die begeisterten Schaaren tcchinwogte,beseelt und getragen von der wundnsamcn Macht religiöser Begci>sterung ging das Volk nach allen Richtungen bis in die ent-legensten Theile der Stadt mit der freudigen Hoffnung aus-einander, morgen wiederum des gleichen geistlichen Trostes und dergleichen inner» Stärkung zu genießen und wiederum eine Stufeauf der Leiter ch.istlichcr Tugend höher gefördert zu werden, aufder Gottes Barmherzigkeit und Gnade Alle segnend in den Schooßseiner ewigen Liebe führen möge!

Der Gewinn des Protestantismus aus der neuenScctirerei.

W. Menzel (im Literaturblatt) sagt hierüber bei Be-urtheilung von WiggerS'kirchlicher Statistik oder Darstellung

der gesammten christlichen Kirche nach ihrem gegenwärtigen äußernund innern Zustande" (Hamburg Perthes):Herr Wiggers siehtalles im schönsten Flore gedeihen und zweifelt nicht, daß der größteTheil der katholischen Welt noch zum Protestantismus übertretenwerde. Habe sich dieser Uebertritt auch verspätet, so sey er dochunvermeidlich und zwar werde der große Abfall, die zweite Refor-mation, in Deutschland beginnen. Diese Worte sind noch vordem Austreten Nonge's geschrieben worden. Allein die ver-meintlichen Eroberungen sind in Wahrheit Verluste.Die negativen Elemente überwiegen bis zur unwill-kürlichen Selbstvernichtung, und die französische Revolu-tion liefert den augenscheinlichen Beweis, wie unhaltbar die Nega-tion ist, und wie nur die das Feld behaupten können, welche dieFassungskräfte und wahren Bedürfnisse der Völker richtig beurthei-len. Daß die Leiter der katholischen nud griechischen Kirche dieseewig sich gleich bleibenden Bedürfnisse der Völker richtiger würdi-gen, als die Leiter der evangelischen gegenwärtig thun, dürfte nichtschwer seyn nachzuweisen. Die letzteren haben nämlich seit langezugelassen, daß von Kathedern herab gelehrt wird, der Protestan-tismus involvire nicht sowohl einen Glauben und eine daraufgegründete Pflicht, als vielmehr einen Fortschritt und darcmfgegründeteBerechtigungen einer maaßlosen Freiheit. Nun sucht man die posi-tiven Elemente auszustoßen, durch die allein eine Kirche möglichund volksgerecht wird, verwirft die Bibel zc. und rühmt sich zwar,bereits das Volk gewonnen und auf seiner Seite zu haben, vergißtaber, daß die Jlluminaten sich vor fünfzig Jahrenderselben Volksgunst rühmten und doch in ihren Er-wartungen betrogen wurden. Holbach, Delamettric, ClootS ,Chaumctte :c. beurtheilten das französische Volk weniger richtig,als Aobö Maurv, Chateaubriand, Napoleon . So wie die Leiden-schaften ausgetobt hatten, füllte das Volk wieder ganz von selbstdie Kirchen und wurden alle jene Prediger des Unglaubens verlassen.Abbö Maury behielt Recht, indem er sich mitten im Wahnsinn derRevolution nicht über das kirchliche Bedürfniß des französischen Volks hatte irre machen lassen. Napoleon , obgleich ein Sohn derRevolution, hatte Scharfblick genug, die Macht der alten Kircheeinzusehen und er beeilte sich, dieselbe herzustellen. Dieß Beispielauf unsre neuern protestantischen Zustände angewandt, beweist sonnen-klar, wie sehr jetzt wieder diejenigen Männer sich täuschen, welchedem Volk wieder von absoluter Freiheit, Emancipation von all undjedem religiösen Bande :c. vorreden und es mit Hilfe der com-munistischcn Theorien zu einem neuen Umsturz derKirche aufbieten. Sie verstehen das Volk nicht, wie sehr sieauch schon glauben sich desselben bemächtigt zu haben. Das Volkwird sie täuschen. DeS Volkes wahre Natur ist dieservorübergehende Paroxismus nicht. In seinem Kern undGrunde bleibt das Volk immer glaubensbcdürftig, in Deutschland wohl sogar noch mehr, als in Frankreich . Gelänge es daher auchunsern Licht- und Fortschrittsmännern, das Volk bis zu eineranarchischen Krise zu bringen, so würde doch, wie inFrankreich , nur eine große Abspannung und kirchliche Reaction dieFolge seyn.

Diese würde dann aber vielleicht weniger Stützpuncte im zer-rütteten Protestantismus, als in der lateinischen und griechischenKirche finden. Nach der Krise dürfte der Puscyismus noch eineviel höhere Bedeutung erlangen als vorher."

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