Ausgabe 
5 (10.8.1845) 32
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ihr erkennen, daß ihr? Lehre aus Gott ist. O wie reichlichwürde der Friede Gottes wohnen in Eure» Herzen, geliebte Diö-cesancn! wie würde Ordnung, Eintracht und Segen blühen inEure» Familien und Gemeinden, wenn Ihr Alle glaubenstreucund folgsame Kinder der Kirche wäret. Ist ja all ihr Wirkenunaufhörluh dahin gerichtet, jene Gottesfurcht unter den Menschenzu verbreiten, welche der Anfang der Weisheit ist, jenenGlauben, welcher thätig ist in Liebe, jene Hoffnung, inder wir selig sind, jene Liebe, welche des Gesetzes Er'fiillung ist und das Band der Vollkommenheit; jeneLiebe, ohne welche wir ein tönend Erz wären und eineklingende Schelle, ob wir auch die Sprache» allerMenschen und Engeln reden könnten und einen Glau-ben hätten, also daß wir Berge versetzten. Woraufruhet Ordnung und Friede im häuslichen und öffentlichen Leben,worauf die Milde und Menschenfreundlichkeit Der Herrschaften, dieTreue und Redlichkeit der Dienstboten, worauf ruhet der Gehor-sam und die Treue der Unterthanen gegen die von Gott gesetztenObrigkeiten, worauf ruhet die Pflichttreue Aller, die iu höhcrnoder mindern Aemtern thätig sind im großen Haushalte Gottes,worauf stützt sich gegenseitiges Vertrauen im Handel und Verkehrunv in allen Verhältnissen des Lebens, worauf ruhet die Treueder Ehegatten, die Hcilighaltung der Unschuld, die Sicherheit desEigenthumes, das Wohl der Familien und Staaten? Auf jenerGewissenhaftigkeit, welche in der Stimme des Gewissens uns dieStimme Gottes erkennen und ehren lehn, uud an seine Aussprücheuns bindet mit unwiderstehlicher Gewalt, auch dann, wenn keinmenschliches Auge die Uebertretung bemerkt. Die Kirche aber isteo, welche jene zarte Gewissenhaftigkeit mit treuer Sorge in ihrenKindern pflegt, durch ihre Lehren und durch den Reichthum ihrerHcilSanstalte», insbesondere durch das scgcnbringcnde Scicramentder Buße, bei dessen Spendung der Priester dem zweifelnd-n oderirrenden Gewissen als freundlicher Lehrer, dem verwundeten alskundiger Arzt, und Allen als gottgesandter Richter erscheint zurStärkung, Ermunterung uud Beruhigung der Seelen.

So rufen Wir Euch denn, vielgeliebte Diöcesancn! nochmalsdie väterliche Ermahnung zu: haltet fest an der Kirche des leben-digen Gottes; ergreifet den Schild ihres erhebenden, ermunterndenund trostvollen Glaubens, in allen freudigen, traurigen und gefahr-drohenden Stunden eures Lebens; seyd und bleibet wie die Gliedermit ihrem Haupte, vereinigt mit dem heiligen Apostolischen Stuhlezu Rom, mit dem Statthalter Jesu Christi , dem Vater und Leh-rer der Gläubigen, dem Mittclpuncte der Einheit. Schöpfet ausden von der Kirche Euch dargebotenen Gnadenschätzcn der heiligenSacramcnte; trinket mit Heilsbegicrde eiuS den Quellen des leben-digen Wassers, welche der Herr in ihr eröffnet hat. Ihr insbe-sondere, Ihr Väter und Mütter, Ihr Lehrer unv Erzieher derJugend! lasset vor den Euch anvertrauten Kleinen leuchten dasLicht Eures lebendigen Glaubens, Eures kirchlichen Sinnes, Eureschristlichen Wandels; erziehet sie in der Lehre und Furchtdes Herrn; pfleget in ihren zarten Herzen jene heil. Keime derReligiosität und Gottesfurcht, aus welchen allein ihr dauerndesGlück erblühet für Zeit und Ewigkeit.

Seyd allzumal katholische Christen, in Wort, Gesinnung undThat. Wandelt im Geiste, bringet Früchte des Geistes, dieda sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Güte, Lang-mut!), Sanftmuth, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit,Keu schh eit.

Peramwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

Bei unerschütterlicher Festigkeit im Glauben verletzet nicht die hei-lige Liebe; enthaltet Euch iu Wort und That aller Kränkungen undFeindseligkeiten gegen AndcrSglaubcnde, auch gegen diejenigen, welcheeuch schmähen und anfeinden. Suchet die Gegner zu belehren und vonder Heiligkeit unsers Glaubens zu überzeugen, mehr durch Eure Werkeund durch Euren christlichen Wandel, als durch aufgeregten Wortstreit.Erweiset Euch als würdige Nachahmer Jesu Christi , des Urhebers undVollenders unsers Glaubens, welcher, wenn er gelästert wurde, nichtwieder lästerte; und am Kreuze für seine Feinde betete: Vater ver-gib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Seydbeharrlich im Gebete, erstehet insbesondere den Schutz und Segen Got-tesüber unsern heiligsten Vater, den Papst Grcgorius XVI., ciufdaßder Allgütige das würdige Oberhaupt noch lange seiner hl. Kirche erhaltenwolle zum Troste der Lämmer undSchaase der großen Heerde Christi ...

Die Nongeaner in Schwaben .

Unsere Nongcaner in Ulm und Stuttgart machen manche Schwa-benstreiche. So trat der bekannte Julian Chowuitz bei der neulichcnAnwesenheit Kerblers in Ulm nach dessen Sermon vor das versam-melte Publicum und forderte die Lusttragcnden" auf, ihre Namen aufdie Liste der Gemeinde zu schreiben. Er hoffte zweifelsohnezahlreiche Bei-trittserklärungen. Lautlose Stille herrschte. Aber nicht ein Mensch trathervor sich einzuzeichnen. Sichtliche Schamröthe überflog und überzogdas Angesicht der Reformatoren. Hr. Julian aber suchte sich dadurch auöder Verlegenheit zu helfen, daß er die, welche sichgeniren" hierzu unter-schreiben, in seine Wohnung einluv. Dem Apostaten Kerbler soll dabeiauch ein Stichvurch dcisHerz gegangen seyn, er konntedaraus sehrdcutlichabnehmen, daß sein Wort Gottes auf unfruchtbaren Boden gefallen sey.Vor einigen Tagen brachte der Schwäbische Merkur die Nachricht, daß denDeutschkirchlern nunmehr vcrstailetsey, ohne Hinderniß in der resormirtenKirche ihren Gottesdienst abzuhalten, und daß dieses ein Beweis der Hu-manität unserer Regierung sey, vie sich bereit zeige, billige ForderungenVer Zeit zu unterstützen. Der neckische Zufall aber wollte es, daß dieselbeNummer deS Merkurs eine gar merkwürdige Erklärnng brachte, worin dasVorstandsmitglied" Buttcrftein sich gegen die Beschuldigung, alssey er Nachts in einem Straßenscandal gesehen worvcn, verwahrt. DieHäupter sind überhaupt stattliche Leute. Obenan steht Herr JulianChownitz, Gründer der ersten Gemeinde in Schwaben, ja in Süv -Veutschlanv, erster Geschichtschreiber der von ihm gegründeten Gemeinde,Vorsitzender derselben, gewesener Nevacteur derUlmcr Schncllpvst,"Versasstr vvn Ritter -, Räuber- und Li-besrvmanen und nisendes Genie.Folgt sodann Herr Buchbinder Leycndecker, der im heiligen Rockeeine Naht entdeckt und in seiner Noth den dicken Schreiner zu Hilfe ge-rufen. Hr. Würmle,Pfarrer" der schwäbischen Gemeinden, der zwi-schen Ulm und Stuttgart hin- und herfährt; aber auch noch andere Ge-meinden pastorirt, von denen sich die Vettern und Basen ins Ohr raunen,von .denen aber wir Uneingeweihte noch nichts verkommen haben. DaHr. Würmle in Baden in zwölfjähriger Lerwcserei schmachtete, und zu-nächst keine Aussicht halte, katholischer Pfarrer zu werden, ist er nunplötzlich ohne Mühe Nvnge'scher Apostel geworden. Ueber seine Antece-denticn mögen wir nichts sagen. Jedenfalls war er nicht deßwegen un-verweslicher Verweser, weil er zu fest katholisch war. Seine vieljährigeLerwcserei steht mit dem Katholicismus des Herrn Würmle nicht in derentferntesten Verbindung. Endlich folgt Herr I o se p h Butterstein,der vor einigen Monaten noch auf dem Hohenaöberg war, sodannevan-gelisch" und bald darauf Rongeancr wurde, und sich jetzt gegen denVorwurf vertheidigen muß, er sey nicht betrunken in »einem Straßen-scandal" gesehen worden! (Nach dem Katholik.)__^

Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.